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Nordische Ski-WM : Teichmann: Erstes deutsches Langlauf-Gold seit 1974

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Durchgebissen: Weltmeister Axel Teichmann Bild: AP

Langläufer Axel Teichmann hat bei der Nordischen Ski-WM sensationell Gold über 15 Kilometer in der Klassischen Technik gewonnen. Andreas Schlütter wurde Fünfter.

          Sensations-Weltmeister Axel Teichmann stolperte fassungslos durch den Zielraum, als um ihn herum die Sektkorken in den stahlblauen Himmel von Val di Fiemme zischten.

          „Das ist unglaublich. Ich kann nicht realisieren, was hier abgegangen ist“, stammelte der Lobensteiner nach dem Gewinn des 15-Kilometer-Rennens. Es war der größte Triumph seines Lebens und das erste deutsche Männer-Gold im Langlauf seit 29 Jahren.

          Armer Schlütter: „Es tut mir so leid“

          „Eigentlich sollte das Rennen doch nur ein Baustein für den weiteren WM-Verlauf sein. Gold ist eigentlich ein sehr guter Baustein“, meinte Teichmann leicht irritiert und fasste sich verlegen an seinen kleinen blonden Spitzbart. Dagegen stand Teamkollege Andreas Schlütter bitter weinend am Zaun des Zielraumes. Der bis kurz vor Schluss auf Position zwei geführte Oberhofer wurde am Ende Fünfter und verpasste die erste Einzelmedaille seiner Karriere um 4,4 Sekunden. Silber ging an Jaak Mae (Estland) vor Frode Estil (Norwegen).

          Teichmann, der die einzige Einzel-Goldmedaille für die deutschen Langläufer seit 1974 (damals siegte der Thüringer Gerhard Grimmer über 50 Kilometer) gewann, nahm Schlütter in die Arme: „Ich dachte, du schaffst endlich deine Medaille. Es tut mir so leid.“ Teichmann selbst hatte nach den für ihn enttäuschenden Olympischen Spielen noch im Sommer über einen Rücktritt im zarten Alter von 22 Jahren nachgedacht. Der intelligente Blondschopf (Abiturschnitt: 1,3) wollte Elektrotechnik studieren: „Gut, dass ich es mir im Juni anders überlegt habe.“

          Fand auch Jochen Behle: „Das ist der unglaublichste Tag in meiner Trainerkarriere.“ Der Bundestrainer ließ im Zielraum seine Stöcke im Hubschraubertakt über dem Kopf schwirren. Behle schob bei der Wahl dieses Superlativs aber nach kurzem Überlegen nach: „Das Staffelgold der Mädchen von Salt Lake City will ich aber nicht vergessen.“

          Alles oder nichts von Spätstarter Teichmann

          Als Sieger durfte sich am Ende auch Teichmanns Heimtrainer Cuno Schreyl fühlen: „Ich habe so lange auf ihn eingeredet, bis er die Devise Alles oder nichts voll begriffen hat. Er sollte endlich mal gleich von Beginn an angreifen.“ Das tat sein langjähriger Schützling mit Bravour. Nach fünf Kilometern lag der sonst als Spätstarter bekannte Teichmann bereits zehn Sekunden vor der verdatterten Konkurrenz. „Das ein Teichmann so schnell angeht, hatte niemand erwartet. Daran haben sich die anderen wohl die Zähne ausgebissen“, meinte der Sieger.

          „Ich war so aufgeregt. Ich konnte mich nicht einmal entscheiden, welche Ski ich nehmen sollte“, schilderte Teichmann die Szenerie vor dem Rennen. Dabei hatte sein persönlicher Skitechniker Max Achatz perfekt gearbeitet und die Siegerlatten mithilfe eines speziellen Trockenwachses in „richtige Raketen“ (Teichmann) verwandelt.

          Taktik-Fuchs Schreyl bilanzierte den furiosen Sturmlauf am Ende doch noch ein wenig ungläubig: „Das der Axel heute schon so aufräumt, war nicht vorgesehen.“ Eigentlich sollte der Medaillenangriff erst am Sonntag (9.30 Uhr/live in der ARD) beim Jagdrennen starten. Dort sicherte sich Teichmann kurz vor Weihnachten in Ramsau den bislang einzigen Weltcup-Sieg seiner Karriere: „Im Jagdrennen will ich jetzt auch eine Medaille. Den ersten Titel feiern wir höchstens mit einem Glas Sekt.“

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