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Nordische Ski-WM : DSV-Springer nur auf Platz vier - Gold für Finnen

  • Aktualisiert am

Enttäuschend auch beim Mannschaftspringen: Sven Hannawald Bild: dpa

Die deutschen Skispringer haben bei der nordischen Ski-WM ihren Mannschaftstitel nicht verteidigt. Martin Schmitt, Georg Späth, Michael Uhrmann und Sven Hannawald enttäuschten mit Platz vier.

          Zehn Jahre nach der Schmach von Falun haben die deutschen Skispringer bei den Weltmeisterschaften in Val di Fiemme erneut einen Tiefpunkt erreicht. Wie 1993 schafften es die DSV-Adler auch in Predazzo nicht, die Titel auf der Großschanze und im Teamwettbewerb zu verteidigen und blieben wie damals medaillenlos.

          Sven Hannawald kam im Einzel lediglich auf Platz sieben. Die Mannschaft mit Martin Schmitt, Georg Späth, Michael Uhrmann und Hannawald schrammte als Vierter mit 963,3 Zählern ebenfalls am Minimalziel Bronze vorbei. Finnland war nicht zu schlagen. Mit 1046,6 Punkten verwiesen die Skandinavier Japan (1010,1) und Norwegen (991,9) auf die Plätze.

          Hannawald enttäuscht: Habe bessere Zeiten hinter mir

          „Heute brauchte man Top-Springer. Und wenn man die nicht hat, ist man eben ganz schnell auf Platz vier“, sagte Bundestrainer Reinhard Heß genervt. Noch an der Schanze begann die Ursachenforschung. Besonders Hannawald suchte nach Gründen für die Abstürze, die so von ihm nicht zu erwarten waren. „Ich gehe doch nicht anders ran als in den Wettkämpfen vor der WM. Ich entwickle aber kein Gefühl, ich weiß nicht, woran es liegt. Ich bin überfragt“, meinte der Schwarzwälder kleinlaut und fügte hinzu: „Natürlich bin ich enttäuscht. Ich habe schon bessere Zeiten hinter mir.“

          In der Einzelentscheidung wollte er nach Platz vier im ersten Durchgang alles auf eine Karte setzen und verkrampfte. Im Teamwettbewerb sah er von Beginn an nicht sonderlich locker aus. Das konnten auch die anderen nicht wettmachen, zumal sie ebenfalls mit sich zu kämpfen hatten.

          Malysz nach schweren Wochen Weltmeister

          Besonders Martin Schmitt erlebte in Predazzo ein Fiasko. Der Titelverteidiger kam im Einzel auf Rang 21 und war auch im Team schlechtester DSV-Adler. „Martin kommt einfach nicht aus seinem Haus heraus“, erkannte Heß. Der Gescholtene fand, dass seine Technik derzeit den Ansprüchen nicht genügt. Uhrmann und Späth sprangen solide im Rahmen ihrer Möglichkeiten, waren aber auch keine Überflieger. „Dass sie bei einem Saison-Höhepunkt mal nicht vorn dabei sind, muss man ihnen auch einmal verzeihen. Solche Situationen gibt es im Sport, und dieses Mal hat es uns erwischt“, beschwichtigte DSV- Sportdirektor Thomas Pfüller.

          Hannawald war wenigstens ein fairer Verlierer. Nach der Einzelentscheidung sagte er über den überlegenen Sieger Adam Malysz, der mit zwei Schanzenrekorden von zunächst 134 und später 136 Metern seinen ersten Saisonsieg feierte und auch im Teamwettkampf die weitesten Sprünge in den Schnee setzte: „Ich freue mich für ihn, dass er nach der zehrenden sieglosen Zeit nun wieder ganz oben steht.“

          Hinter Hannawald klafft einen Lücke

          Der Pole hatte vor der WM pausiert und präsentierte sich in Predazzo auf den Punkt topfit. „Adam hat die Vorbereitung so bestritten wie wir sonst. Das war ein grandioser Sieg von ihm“, erklärte Hannawalds Heimtrainer Wolfgang Steiert.

          Das Ende der Erfolgsserie von Hannawald, der in diesem Winter bereits sechs Weltcup-Wettbewerbe gewonnen hat, legte zugleich die Misere der einstigen Vorzeigedisziplin offen. Hinter dem 28-Jährigen klafft eine riesige Lücke, die nicht so einfach zu schließen sein wird. Der DSV scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. „Wir müssen im nächsten Jahr in der Nachwuchsentwicklung so Gas geben, als wären wir bei dieser WM nicht dabei gewesen. Wir dürfen den Nachwuchs nicht vernachlässigen und müssen gerade im Springen neue Wege gehen“, erklärte DSV-Sportdirektor Pfüller.

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