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Fifa-Kommentar : Kopf schütteln statt dreckiger Hände

Immer für eine Überraschung gut: Die Fifa und Sepp Blatter Bild: AP

Das Nobel-Friedenszentrum und Interpol distanzieren sich von Sepp Blatter und der Fifa. Diese Reaktionen waren vorhersehbar. Der Weltfußballverband wiederum ist immer für eine Überraschung gut.

          Albert Schweizer, Martin Luther King, Willy Brandt, Mutter Teresa, Nelson Mandela... und dann Joseph Blatter? Davon hat der Welt-Fußballchef aus dem Wallis angeblich geträumt. Von seiner Aufstellung in der Welt-Ehrenmannschaft, die zum Nutzen der Menschheit spielt, nämlich für die „Verbrüderung der Völker“. So ähnlich lautet die Begründung für die Vergabe des Friedensnobelpreises.

          Blatter wollte mit seinem Verein unbedingt in die Auswahl. Stunden vor seiner Wiederwahl, zwei Tage nach der Verhaftung von Fifa-Kollegen in der Schweiz wegen Korruptionsverdacht, rief er den Delegierten euphorisch zu: „Congress, do it! Shake hands!“ Schließlich wollte Blatter dem Nobel-Friedenszentrum demonstrieren, wie weit die gemeinsame Initiative „Handschlag für den Frieden“ gekommen ist: nämlich vom Fußballplatz bis hinein in die von Korruption erfasste Kampfzone der Fußball-Chefs. Brav schüttelten Delegierte die Hände, auch der Israeli und der Palästinenser – nach gutem Zureden. Fußball verbindet Völker.

          Vorhersehbare Reaktionen

          Leider trennt er sie auch manchmal. Ganz abgesehen von handfesten Auseinandersetzungen junger Fans, die mitunter in brutale Jagdszenen münden, nutzen Nationalisten, Chauvinisten und Rassisten die Popularität des Spiels für ihre üble Propaganda. Im Zuge der jüngsten Fifa-Affäre behauptet nun Russland, hinter der eifrigen amerikanischen Aufklärung stecke nicht das hehre Ziel, Bestechung bei der Vergabe der WM 2018 (an Russland) aufzuklären, sondern die alte Feindschaft zu beleben.

          Zu einer einträglichen Verbrüderung haben Geldgier, Bestechung und Bestechlichkeit einflussreicher Fifa-Funktionäre unter Blatters Verantwortung zwar in einigen Fällen beigetragen, aber wohl nicht ganz im Sinne Alfred Nobels. Und so kündigte das Nobel-Friedenszentrum am Dienstag an, in Zukunft nicht mehr an der Seite der Fifa Hände für den Frieden schütteln zu wollen. Auch Interpol hat sich schon aus der Kooperation mit Blatters Organisation zurückgezogen. Die Sorge ist zu groß, nach einem Fifa-Kontakt mit schmutzigen Händen dazustehen.

          Zugegeben, diese Reaktionen waren vorhersehbar. Aber Blatters Fifa ist noch immer für eine Überraschung gut. Sie gibt sich tief „enttäuscht“. Sie zetert und sie klagt an: Dies, rief die Fifa den Norwegern zu, verkörpere nicht den „Fairplay-Gedanken“. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die Vertreter des Weltfußballs in Zürich haben den Schlusspfiff immer noch nicht gehört.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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