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Die Bundesliga und ihre Manager : Nieten im Millionenspiel

Vernichter der Millionen: Felix Magath Bild: dpa

Die Manager sind oft die Minderleister der Bundesliga. Namen wie Magath und Heldt stehen für Geldverschwendung und Instabilität. Den Bayern geht ohne Hoeneß viel verloren.

          Kurz bevor der FC Bayern dazu verurteilt wurde, sich auf ein Leben ohne seinen Erschaffer einzurichten, hatte es Sportdirektor Sammer der Konkurrenz noch einmal leichtgemacht, seine Kritik an der Bundesliga gegen ihn zu wenden. Es war ja auch Unsinn, allein die akribische Trainingsarbeit Guardiolas als entscheidendes Argument für die erdrückende Überlegenheit der Münchner mit nun 23 Punkten Vorsprung nach dem 2:1 gegen Leverkusen ins Feld zu führen. Die notwendige Diskussion jedoch, ob diese Überlegenheit nicht auch andere Gründe haben könnte als nur das große Geld, war damit beendet, bevor sie begonnen hatte. Nun holt diese Frage auch den FC Bayern ein. Er wird noch zu spüren bekommen, was es bedeutet, wenn Kopf, Herz und Bauch eines Klubs hinter Gittern verschwinden. Das Problem, das der leere Hoeneß-Sitzplatz im Stadion am Samstag symbolisch aufwarf, lässt sich dabei ganz nüchtern beschreiben: Ein Klub, der zwar viel Geld einnimmt, aber kein funktionierendes, in diesem Fall herausragendes sportliches Management besitzt, kommt langfristig nicht voran.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ernüchterndes Anschauungsmaterial dafür hat die Bundesliga mehr als genug zu bieten: Bei jenen Vereinen, die selbst mit einem dreistelligen Millionenetat seit Jahren national nicht viel, international nichts und dauerhaft erst recht nichts auf die Beine stellen. Die große Langeweile, von der die Liga mittlerweile befallen ist, und die europäischen Enttäuschungen, die sich hinter der verlässlichen Stärke der Münchner und der frischen Dortmunder Kraft seit Jahren auftun, sind dabei nur zwei Seiten derselben Medaille.

          Dortmunds Geschäftsführer Watzke mahnt aus eigener Dortmunder Erfahrung seriöse Arbeit an

          BVB-Geschäftsführer Watzke hatte daher vor dem Achtelfinale der Champions League darauf hingewiesen, welche gravierenden Folgen das Versagen des sportlichen Managements hat. Es müsse sich schleunigst etwas ändern. „Wir waren vor neun Jahren fast tot – jetzt stehen wir sehr gut da. Auch international. Es geht also. Und das muss allen in der Liga bewusst sein! Wir alle müssen daran arbeiten, näher an den Branchenführer heranzukommen“, sagte Watzke in dieser Zeitung. „Die großen Vereine wie Dortmund, Schalke, Hamburg oder Stuttgart dürfen die deutsche Meisterschaft auf lange Sicht nie aus den Augen verlieren. Der eine oder andere Klub hat mit diesem Thema wohl schon für lange Zeit abgeschlossen.“ Die Reaktion in der Liga auf den Appell: gleich null. Nur Sammer reagierte – auf seine Weise.

          Kein Interesse an Diskussion

          Watzke nannte in seiner Analyse ausdrücklich die erstklassige Managementqualität des FC Bayern über Jahrzehnte als wichtigsten Grund für die aktuelle Spaltung. An einer Diskussion über die Qualität des sportlichen Managements haben aber die sogenannten Macher, deren Klubs regelmäßig hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, naturgemäß kein Interesse. Sie müssten sich selbst in Frage stellen. Ehemalige und aktuelle Vorstände reden jedoch hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand schon länger von einer bestens vernetzten Gruppe von sportlichen Entscheidern im Profifußball, die sich seit Jahren innovativen Einflüssen und Personen widersetze, das Revier weitgehend untereinander aufgeteilt habe und ihre Energie lieber in das öffentliche Bild von der eigenen Unersetzbarkeit investiere als in die Steigerung der Kompetenz.

          Das Versagen des sportlichen Managements im großen Stil hat der Mainzer Manager Heidel am Beispiel des HSV in dieser Zeitung zuletzt konkret gemacht. Die öffentliche Reaktion der Branche über diesen unüblichen Vorgang: gleich null. Die nichtöffentliche Reaktion in der Branche: Kopfschütteln über den Nestbeschmutzer.

          Kritik ohne Resonanz: Mainz-Manager Christian heidel

          Die wichtigsten Fakten zu den Minderleistern im deutschen Fußballgewerbe: Acht Vereine weisen seit Jahren einen Etat von mehr als 100 Millionen Euro aus. Aber nur die Bayern haben in den vergangenen zehn Jahren zehnmal Champions League gespielt. So hat sich in Deutschland keine Spitzengruppe gebildet, sondern nur ein einziger Spitzenklub. In England haben dagegen in dieser Zeit mit Chelsea, Manchester United und Arsenal gleich drei Vereine durchgängig die Champions League erreicht – und damit zwischen 30 und 40 Millionen Euro pro Saison eingenommen. Genau diese Summen haben über die Jahre dazu geführt, dass sich in Europa eine Spitzengruppe etabliert hat, in die kaum ein anderer Klub vordringen kann. Seit 2003 stellten die zehn umsatzstärksten Vereine in Europa alle Finalisten in der Champions League. Nur Dortmund schaffte es im vergangenen Jahr, in diese Elitegruppe einzudringen.

          Drei Faktoren

          Die mittelfristigen Perspektiven: In England, ohnehin schon weit führend auf dem TV-Markt, deuten sich für die nächste Ausschreibung 2016 noch höhere Dotierungen an. In ein paar Jahren werden dann ein halbes Dutzend Premier-League-Klubs mühelos eine festgeschriebene Ablösesumme von 45 Millionen Euro wie etwa für Draxler auf den Tisch legen können. Und neben den ohnehin etablierten Top Ten in Europa drängen mit Paris St-Germain und dem AS Monaco weitere Neureiche zur Spitze. Der Kampf um den europäischen Thron wird immer härter – und teurer. Es wird also darauf ankommen, dass die Bundesliga tatsächlich das Beste aus ihren Möglichkeiten macht und nicht nur Bayern und Borussen. Der abgehängte Rest wird intensiver darüber nachdenken müssen, wie man die Millionen klüger als bisher investiert. Und die Bayern werden herausfinden müssen, wie künftige sportliche Weichenstellungen ohne das eingesperrte Kraft- und Machtzentrum funktionieren.

          Es gibt drei Faktoren, die jenseits des Geldes für Erfolg ausschlaggebend sind. Erstens: die Nachwuchsarbeit. In diesem Bereich wurde die Liga vor gut zehn Jahren durch Lizenzauflagen zu ihrem Glück gezwungen, an Talenten besteht kein Mangel mehr. Zweitens: die Trainer. Deren Qualität hat sich zwar deutlich langsamer verbessert als beim Nachwuchs, aber auch sie steigt. Drittens: das sportliche Management. Hier zeigt die Liga ihr größtes Beharrungsvermögen und ihr größtes Defizit – und damit gleichzeitig das größte Wachstumspotential.

          Die Klubs bauen nicht auf Führungsnachwuchs, sondern die immer gleichen Namen wie Horst Heldt

          Es gab in Deutschland in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren, als das Kirch-Geld vom Himmel fiel, einige Vereine, die genügend Finanzkraft besaßen, um ähnlich wie die Bayern dauerhaft in Deutschland erfolgreich zu sein, also auch in Europa. Dortmund (vor der Watzke-Zeit), Leverkusen, Bremen und auch der HSV schnupperten an der nationalen Spitze, auch Hertha BSC Berlin besaß günstige Voraussetzungen. Aber das jeweilige Management brachte sportlich und finanziell keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der BVB hat sich vor wenigen Jahren auf diesen Weg gemacht und sich Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt. Der Einzug ins Viertelfinale der Champions League mit einem Erfolg gegen St. Petersburg wäre ein wichtiger Schritt.

          Telefonische Sofortbestellung

          Ansonsten fallen die Bilanzen dürftig aus. Aktuell versucht Wolfsburg unter größten Mühen, Europa zu erreichen. Ein Verein wohlgemerkt, der seit Jahren nach den Bayern die höchsten Personalkosten in der Liga auftürmt, aber seit 2009 keinen Erfolg. Die enormen Kosten ohne dauerhaften Fortschritt sind in Wolfsburg, aber auch in Schalke und in Stuttgart mit nur wenigen Personen im sportlichen Management verknüpft. Die Namen Magath (Wolfsburg/Schalke) und Heldt (Stuttgart/Schalke) ziehen sich wie ein roter Faden durch die mitunter tiefroten Zahlen dieser latent instabilen Klubs. Schalke etwa kommt seit Jahren mit einem ähnlichen Personaletat wie Dortmund an die Leistungskraft der Borussen nicht heran, auch wenn die beiden Klubs derzeit nur ein Punkt trennt. Man freut sich auf Schalke momentan sehr über das Bundesliga-Hoch seit der Winterpause. Vor zwei Wochen wollte der Klub, der bald auf einen 200-Millionen-Etat zusteuert, gegen die Bayern noch seinen Mannschaftsbus ins Tor stellen. Eine Kapitulationserklärung. Aktueller Schuldenstand: rund 170 Millionen.

          Insider beklagen unterdessen, was Spielerberater nur zu gern süffisant bestätigen: Dass sich während der Transferzeit sportliche Leiter bei Beratern melden, um irgendeinen linken Verteidiger oder Stürmer zu verpflichten – eine telefonische Sofortbestellung sozusagen. Oder besser: ein Outsourcing von Kompetenz, weil die Fähigkeiten der eigenen Spielerbeobachter nicht ausreichen und man im sportlichen Management nicht so genau weiß, was im eigenen Nachwuchsleistungszentrum heranwächst. Kenner beklagen zudem, dass sich im deutschen Profifußball eine bestens vernetzte Entscheiderriege etabliert habe, die sich Posten und Personal gegenseitig zuschiebe – oftmals zu ihren eigenen Gunsten und zum Schaden der sportlichen Entwicklung der Klubs; von illegalen Kick-back-Zahlungen bei Transfers im Doppelpass mit Beratern ganz zu schweigen.

          Wie erschreckend wenig die Höhe des Personalbudgets mit dem Tabellenplatz zu tun hat, müsste eigentlich zahlreichen Aufsichtsräten auffallen. In der Vorsaison erreichten mit Frankfurt und Freiburg zwei Klubs aus dem hinteren finanziellen Drittel die Europa League. In dieser Saison machen sich mit Mainz und Augsburg ebenfalls Kandidaten aus der Region der finanziell eigentlich Chancenlosen auf den Weg nach oben.

          Kein Aufbau von Führungsnachwuchs

          Der Mangel an Kompetenz im sportlichen Management in weiten Teilen der Liga ist seit Jahren mit Händen zu greifen. Nicht nur für Heidel ist das ein entscheidender Grund, weshalb Mainz erfolgreicher funktioniert, als es seine Verhältnisse nahelegen. Der HSV etwa suchte schon nach der Trennung von Dietmar Beiersdorfer vor knapp fünf Jahren händeringend nach Fachpersonal außerhalb der Gruppe der üblichen Verdächtigen. Nur: da war fast nichts. Am Mangel hat sich seitdem kaum etwas geändert. Das führt dazu, dass sich etwa DFL-Geschäftsführer Rettig, der unter anderem in Freiburg und Augsburg auf sich aufmerksam machte, seit seinem Amtsantritt im Verband vor Anfragen aus dem Profifußball kaum retten kann. Und Bremen mit Thomas Eichin auf einen Manager aus dem Eishockey zurückgriff, der wenigstens selbst mal in der Bundesliga gespielt hatte.

          Trotz des allseits bekannten Personalmangels wird bei keinem Klub auf der Managementebene, was in anderen Branchen zum Standard gehört, systematisch am Aufbau des eigenen Führungsnachwuchses gearbeitet. Nicht einmal beim FC Bayern, wie man mittlerweile hinzufügen muss. Nach dem erzwungenen Rückzug von Hoeneß dürfte das Defizit des leeren Stuhls auch der Rekordmeister zu spüren bekommen – der Rest der Liga kennt das Problem ohnehin schon seit Jahren.

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