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Nicolas Kiefer im Interview : „Steffi Graf und Andre Agassi helfen mir viel“

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Als ich angefangen habe auf der ATP-Tour, ging ja alles sehr schnell, und ich wußte manchmal gar nicht, was um mich herum passiert. Da gab es schon mal Äußerungen, die hätte ich besser gelassen, und so würde ich mich heute nicht mehr äußern. Da hat man dann schnell ein Image. Aber mittlerweile bin ich 27 Jahre alt, und das ganze Drumherum muß man auch lernen. Das ist ein Prozeß, in den man hineinwächst. Trotzdem bin ich eigentlich schon froh, daß ich soviel durchgemacht habe. Ich habe da sehr viel lernen können, das war eine gute Erfahrung. Jetzt bin ich viel reifer, auch wenn ich immer noch dazulernen kann. Ich bin offener und lockerer geworden, und das hat auch mit Gesprächen mit Steffi Graf und Andre Agassi zu tun. Das muß ich ja nicht verschweigen, die beiden helfen mir viel und nehmen mich schon mal an die Seite.

Als Sie bis auf den vierten Platz der Weltrangliste hochschossen, hieß es überall, "ein neuer Boris Becker" oder "einer wie Agassi". Wie sehr hat es Sie gestört, nie als Nicolas Kiefer gesehen zu werden?

Einerseits war es ein großes Kompliment, daß mir viele soviel zugetraut haben. Andererseits war es schwer, und das ist ja, glaube ich, auch verständlich, weil man ganz schön was aufgeladen bekommt. Vor allem in den letzten Jahren, als es nicht so lief bei mir, war der Rucksack sehr schwer. Mittlerweile aber fühle ich mich wieder viel befreiter.

Sie waren relativ schnell in der Weltspitze, aber dann begann ab 2001 der Abstieg aus den vorderen Regionen. Bei den French Open 2003 haben Sie gegen einen australischen Qualifikanten eine Erstrundenpartie in fünf Sätzen gewonnen, die ein schreckliches Niveau hatte und vielleicht der Tiefpunkt war. Jetzt sind Sie wieder die Nummer 20 der Weltrangliste - wie sind Sie aus diesem Leistungsloch herausgekommen?

Der Australier hieß Todd Larkham, und in der Zeit habe ich eigentlich gar kein richtiges Tennis mehr gespielt und nur durch Krampf gewonnen, wenn ich mal gewonnen habe. Kurz danach war ich in Halle noch im Finale, das mag vielleicht Zufall gewesen sein, weil ich davor und danach nichts getroffen habe. Aber das vergangene Jahr, das war kein Zufall, das war das Ergebnis der vielen Arbeit. Ich habe vier Finales gespielt, war im Halbfinale in Toronto, bei den US Open im Achtelfinale, und da war überall noch mehr drin. Die Jahre davor habe ich auch ein bißchen Pech gehabt. Ich war oft verletzt, und wenn ich alle Verletzungen zusammenzähle, kann ich vielleicht am Ende der Karriere etwas länger spielen, so oft habe ich pausieren müssen. Ich habe im vergangenen Jahr sechs Kilo abgenommen, körperlich fühle ich mich total fit, und das macht es natürlich auch einfacher.

Trotzdem noch mal zurück nach Paris 2003. Wer dieses Spiel gesehen hat, konnte kaum glauben, daß Sie auch so schlecht Tennis spielen können.

An das Spiel will ich gar nicht mehr denken. Lieber, wie ich im vergangenen Jahr dort gegen Federer gespielt habe. Da lagen Welten zwischen diesen beiden Jahren. Ich glaube, jetzt kommt so das Alter, in dem ich am besten spielen kann und auch spielen werde, und darauf freue ich mich. Mir geht es gut, und auch die letzte Verletzung bei den US Open habe ich gut überstanden, Das hat lange gedauert, aber dafür habe ich es auch mental total überwunden. Ich war jetzt erst 12 Tage mit anderen Profis in Thailand auf einer Einladungstour mit Paradorn Srichaphan, danach habe ich im Dezember noch ein Schauturnier in St. Anton gewonnen und bin dann vor Weihnachten in Monte Carlo im Trainingslager gewesen. Das ist alles optimal für mich verlaufen, ohne jegliche Probleme.

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