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Nico Rosberg im Gespräch : „Wir wollen die Besten werden“

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„Ich weiß nun, wie man ein Rennen in der Formel 1 gewinnt“: Nico Rosberg Bild: AFP

Nico Rosberg stand in China im 111. Grand Prix erstmals oben auf dem Podium. Im F.A.Z.-Interview spricht er vor dem Rennen in Bahrein am Sonntag (14.00 Uhr) über das Gefühl des Siegers, seinen neuen Silberpfeil und über Michael Schumacher.

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          Was hat sich für Sie mit der Aufnahme in den Klub der Grand-Prix-Sieger verändert?

          Ich weiß nun, wie man ein Rennen in der Formel 1 gewinnt. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl, die Erinnerungen an den Sieg in Schanghai habe ich fest in meinem Gedächtnis abgespeichert, und nun freue ich mich darauf, was noch alles kommt. Ich habe gemerkt, dass ich etwas bewegen kann in meinem Auto. Dass ich ganz nach vorne kommen kann. Das ist etwas, das ich noch nicht so häufig hatte in der Formel 1.

          Steigert so ein Erfolg die Gier, noch mehr gewinnen zu wollen?

          Nein, diese Gier ist genauso groß wie vorher. Ich wollte schon immer gewinnen und der Beste werden. Der eine Sieg hat daran nichts verändert, ich bin genauso motiviert.

          Aber der erste Sieg des neuen Mercedes-Teams hat ein wenig vom Erfolgsdruck genommen, dem der Rennstall zuletzt ausgesetzt war, oder?

          Ja, für uns war dieser Sieg enorm wichtig, wir mussten hart arbeiten, um uns so zu steigern. Wir haben in den vergangenen beiden Jahren sehr viel gelernt, das zahlt sich jetzt aus. Unser Team hat vor der Saison viele neue Experten verpflichtet, wir sind viel besser aufgestellt und stärker als zuvor. Doch der Sieg von China darf erst der Anfang sein. Wir sind noch nicht die Besten in der Formel 1, aber genau das wollen wir werden. Gerade erleben wir, dass unsere Entwicklung in die richtige Richtung geht, wir haben einen viel besseren Rennwagen gebaut als zuletzt. Wenn ich den mit meinem alten Auto vergleiche - boah, der Unterschied, das sind ja Welten!

          Welche genau?

          Mein neuer Silberpfeil ist sehr innovativ. Wir sind Erfinder, das ist cool zu sehen. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall, da haben wir eher Ideen von anderen übernommen. Mittlerweile ist es so, dass andere gucken, was wir am Auto haben.

          Es gibt Optimisten, die Mercedes schon in diesem Jahr in den Kreis der Titelkandidaten aufnehmen. Teilen Sie diese Einschätzung?

          Nein, daran können wir derzeit eigentlich noch nicht denken. Vor dem Rennen in China waren wir erfolglos, da hatten uns viele schon abgeschrieben. Wir müssen uns von Rennen zu Rennen weiter steigern, unsere Probleme reduzieren und das Auto noch schneller machen. Alles andere können wir nicht beeinflussen.

          In Bahrein startet der Mercedes-Pilot vom fünften Platz

          Die ersten drei Rennen haben drei unterschiedliche Sieger hervorgebracht, das Feld ist insgesamt viel enger zusammengerückt - was sind die Gründe dafür?

          Der Hauptgrund sind sicher die neuen Reifen. Ein Team, das vielleicht nicht das schnellste Auto gebaut hat, aber versteht, wie man das Maximum aus den Reifen herausholen kann, hat enorme Vorteile in diesem Jahr und macht einen großen Satz nach vorn. Für die Zuschauer ist das wunderbar, die Rennen sind noch spannender und unberechenbarer geworden. Für die Fahrer aber ist es schwierig, die Sache ist für uns viel anspruchsvoller geworden. Ich muss nicht mehr nur darauf achten, dass ich die Reifen nicht zu schnell verschleiße, ich muss sie auch immer im richtigen Temperaturfenster halten. Das ist eine vollkommen andere Herausforderung geworden. Vor vier Jahren konnte man im Rennen auch mal richtig attackieren, das ist jetzt kaum noch möglich. Du musst vorsichtig fahren, du darfst es nicht übertreiben - und trotzdem musst du so nahe wie möglich ans Limit herankommen.

          Welche Rolle spielt dabei die Intelligenz des Fahrers?

          Eine sehr große, du musst mit dem Kopf bei allem, was du an der Strecke machst, dabei sein. Talent und schnell fahren - das reicht in der Formel 1 schon lange nicht mehr.

          Sie standen lange im Schatten Ihres Vaters Keke. Wie schwierig war diese Situation für Sie?

          Als schwierig empfand ich das nicht. Es war schön, weil mein Vater sich sehr für mich eingesetzt hat und wir in meiner Jugend auch viel Zeit miteinander verbracht haben auf Kartstrecken und abends gemeinsam in kleinen Hotels waren. Natürlich haben irgendwann die vielen Fragen ein wenig genervt, aber irgendwann wurden sie immer weniger.

          „Es ist eine große Herausforderung gegen Michael Schumacher zu fahren“

          War der Name Rosberg anfangs eine Belastung?

          Das war kein großes Thema für mich. Nein, er hat mir eher geholfen. Mein Vater hat mir viele Türen gezeigt, die ich dann allein aufmachen musste. Er hat sich in letzter Zeit immer mehr zurückgezogen und mich selbst machen lassen, was ich als sehr weise von ihm ansehe.

          Ein anderer Name, der Sie zuletzt begleitet hat, ist der von Michael Schumacher. Hat sich Ihr Verhältnis durch den Erfolg verändert?

          Nein. Fakt ist, dass der Michael auf einem sehr, sehr hohen Level fährt. Es ist eine große Herausforderung, gegen ihn zu fahren. Aber das war es auch schon in der Vergangenheit. Er ist weiter extrem schnell unterwegs, er ist einer der besten Piloten aller Zeiten. Genau das macht es interessant für mich.

          Das Rennen an diesem Wochenende, in das Sie vom fünften Startplatz gehen, wird überschattet von Protesten in Bahrein. Wie erleben Sie die Situation?

          Dazu sage ich nichts und bitte dafür um Verständnis.

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