https://www.faz.net/-gtl-38sn

NHL : Mosaiksteinchen im Kampf um den heiligen Gral

  • -Aktualisiert am

In der NHL wird auch im Wechselgeschäft mit harten Bandagen gekämpft Bild:

Je später der Wechsel, desto spektakulärer die Namen. Am Ende der Transferperiode der NHL werden nicht selten Stanley-Cups gewonnen.

          So muss ein Debüt aussehen: Kaum in New York angekommen, tat Pavel Bure das, weshalb man ihn geholt hatte: Er schoß ein Tor für die Rangers.

          Bis kurz vor Ende der Transferperiode schien der Wechsel der "Russian Rocket" von Florida an den Broadway der einzig spektakuläre zu sein. Dann überschlugen sich die Ereignisse.

          Olympiasieger nach New Jersey

          In einem Blockbuster- Deal kurz vor Toresschluß wechselten gleich vier Spieler die Fronten zwischen Dallas und New Jersey. Jason Arnott, einer der wichtigsten Faktoren beim Stanley Cup Sieg der Devils 2000 ausgerechnet gegen die Stars, wurde zusammen mit Randy MacKay gegen Olympiasieger Joe Nieuwendyck und Jamie Langenbrunner getauscht.

          Wechsel, die den Teams ein völlig neues Gesicht geben, die Stimmung in der Kabine verändern und natürlich sportlich weiterhelfen sollen. Beide Klubs haben eine schwierige Saison und die Play- Off Teilnahme wider Erwarten noch nicht sicher, was auch schon zu Trainerwechseln führte. Um mehr als der guten alten Zeiten Willen holte New Jersey noch Stephane Richer zurück. Der hatte in zwei Endspielen beim Cup Sieg 1995 jeweils den Siegtreffer erzielt.

          Lieber tauschen als wertlos ziehen lassen

          Nicht nur die Vordergründige sportliche Verbesserung spielt bei diesen Trades eine Rolle. Gerade die abgebenden Klubs achten bei Spielern, deren Verträge auslaufen auf einen Gegenwert. Wer im Sommer ein sogenannter Free Agent wird, sich also seinen Arbeitgeber frei aussuchen darf, ist eine beliebte Tauschware. Oft handelt es sich um Cracks, die zudem noch teuer sind oder nach Vertragsende werden.

          Wenn man also den Spieler irgendwann sowieso verliert, warum also nicht vorher gegen jemand oder etwas zählbares wie Draftrechte für die Talentziehung im Sommer eintauschen.

          Zukunft planen, auch wenn's erst mal weh tut

          So haben es die Washington Capitals mit Adam Oates gemacht. "Es war ohnehin unsicher, ob er nächste Saison noch bei uns spielt", sagt Manager Bob Clarke. Deshalb hat man den 39jährigen gegen Maxim Ouellet, ein überragendes Torwart- Talent für die Zeit nach Olaf Kölzig, und drei Draftrechte an Philadelphia abgegeben.

          Die Flyers gaben die kostbare Zukunftsware aus der Not heraus ab: Die beiden besten Mittelstürmer verletzten sich vorgestern schwer. Mit Spielmacher Oates (1020 Karriere- Assists) hat man eine Versicherung für die in vier Wochen beginnenden Play- Offs.

          Suche nach dem "Missing Link"

          Dafür suchen die Spitzenklubs das eine, das passende Mosaiksteinchen um den kleinen Vorteil gegenüber den anderen im Kampf um den heiligen Gral des Eishockeys für sich zu entscheiden. Routine und Führungsqualitäten sind gefragt. Spieler, die eine bestimmte Rolle spielen können. Sei es die des Torjägers, des Vorbereiters oder des rustikalen Aufräumers.

          Ein besonderes Händchen hatte dabei Manager Pierre Lacroix vom amtierenden Stanley- Cup Champion Colorado Avalanche. Vor zwei Jahren war es Ray Bourque, dessen Transfer mit einer Spielzeit Verspätung Erfolg brachte. Letzte Saison Rob Blake, der die Abwehr der Avalanche entscheidend verstärkte.

          Wechsel als Indikatoren

          Und auch diesmal zieht ein Star- Verteidiger nach Denver. Darius Kasparaitis kommt aus Pittsburgh und ist gerade für die Endrunde einer der weiterhilft. Der Litauer ist der meistgefürchtete Verteidiger der Liga, eine Pest von Gegenspieler, der weder sich, noch sein gegenüber schont. Keiner mag ihn. Aber jeder will ihn gerne in seinem Team haben.

          Dieser Transfer war auch ein Hinweis für die Konkurrenz: Obwohl im Sturm schwächelnd, wurde mit Ville Nieminen ein Angreifer für Kasparaitis abgeben. Kann im Umkehrschluß nur bedeuten, dass Superstar Peter Forsberg bis zu den Play- Offs wieder fit ist.

          Verteidiger hoch im Kurs

          Überhaupt waren Verteidiger die heißeste Transfer- Ware. Auch Topfavorit Detroit, in der Vergangenheit ebenfalls mit guten Schluss- Einkäufen, verstärkte sich hinten. Vom Schlusslicht Atlanta kam der tschechische Routinier Jiri Slegr. "From worst to first" witzelte ESPN darüber.

          Die Thrashers waren ohnehin sehr aktiv im abgeben von Stammspielern, um den Kader zu verjüngen und den Etat zu entlasten. Sogar Kapitän Ray Ferraro durfte weg, um mit St. Louis um den Stanley- Cup zu kämpfen.

          Zahlt sich Verzicht aus?

          Manchmal sind allerdings die besten Trades, solche, die gar nicht gemacht werden. So verzichtete San Jose darauf, den nicht unumstrittenen Teemu Selänne abzugeben. Die Aussicht auf einen Umzug weg vom Spitzenklub hat dem "Finnish Flash" einen solchen Schub gegeben, dass er seit Wochen zu den besten Spielern des Marco Sturm Klubs gehört und die Sharks auf weitere gute Auftritte in den Play- Offs hoffen.

          Dass die durch die großen Verschiebungen zum Ende hin entwertet wird, sagen nicht wenige Kritiker. Teure Stars sind in manchen Klubs nur Farbtupfer bis die Saisonziele verfehlt werden, um dann aus Kostengründen weitergereicht zu werden.

          So wie Pavel Bure. Ein Tor im ersten Spiel für den neuen Arbeitgeber ist was Feines. Dumm nur, dass seine Rangers 1:3 verloren und vielleicht gar nicht erst in die Play- Offs kommen.

          Weitere Themen

          Neuer not amused

          Nach ter-Stegen-Aussagen : Neuer not amused

          „Auch wir Torhüter müssen zusammenhalten“: Manuel Neuer hat sich kritisch gegenüber Marc-André ter Stegen geäußert. Der Nationalmannschaftskollege vom FC Barcelona hatte sich zuvor frustriert über seine Ersatzrolle gezeigt.

          Topmeldungen

          Die Ruhe vor der Messe: Ola Källenius im provisorischen Daimler-Hauptquartier auf der IAA

          Erste IAA für den Daimler-Chef : Ola im Härtetest

          „Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen“, sagt Ola Källenius und schwört die Belegschaft auf harte Zeiten ein. Die Aktionäre als Eigentümer sollen zugleich höchste Priorität haben. Seine erste IAA als Daimler-Chef hat es in sich.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.
          Hält von der Kritik ter Stegens wenig: Manuel Neuer

          Nach ter-Stegen-Aussagen : Neuer not amused

          „Auch wir Torhüter müssen zusammenhalten“: Manuel Neuer hat sich kritisch gegenüber Marc-André ter Stegen geäußert. Der Nationalmannschaftskollege vom FC Barcelona hatte sich zuvor frustriert über seine Ersatzrolle gezeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.