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Ringen : Neue Gewichtsklassen „eine Vollkatastrophe“ für Stäbler

Weltmeister unterm Eiffelturm: Frank Stäbler muss nach dem Sieg in Paris neue Herausforderungen bestehen Bild: dpa

Auf der Matte ist Frank Stäbler derzeit fast unschlagbar. Abseits der Kampfzone muss der beste deutscher Ringer nach F.A.Z.-Informationen einen Rückschlag verdauen. Die Neueinteilung der Gewichtsklassen erschwert den Weg zum Olympiagold.

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          Auf der Matte war Frank Stäbler bei der Ringer-Weltmeisterschaft in Paris das große Vorbild für offensives und attraktives Ringen. Kein anderer Weltmeister im griechisch-römischen Stil hat sich derart souverän mit mutigen, offensiven Aktionen zum Titel gekämpft. Das brachte dem besten deutschen Ringer nach seinem zweiten Weltmeistertitel binnen zwei Jahren sogar Lob von höchster Stelle ein. „Ich möchte Frank zum Titel, aber vor allem auch zur Art und Weise gratulieren, wie er gerungen hat“, sagte Nenad Lalovic, Präsident des internationalen Ringerverbands UWW, bei seiner offiziellen WM-Pressekonferenz, zu der er Stäbler hinzu bat. „So sollte griechisch-römisch immer sein.”

          Mittlerweile sieht die Ringer-Welt für den ersten deutschen Weltmeister in zwei verschiedenen Gewichtsklassen weit weniger rosig aus. Während er die Gegner im Kampf fast nach Belieben auf die Matte zwang, droht er nun dank sportpolitischer Entscheidungen aus der Kampfzone geschoben zu werden. Zwar hat das zuständige Gremiurm der UWW nach FAZ.NET-Informationen bei seinen Regelreformen wohl die für Stäbler günstige Rückkehr zum angeordneten Bodenkampf beschlossen, wodurch er seine Spezialwaffe des Aushebers besser als bisher zur Geltung bringen kann. Auch sind offenbar einschneidende Reformen gewagt worden, die auf künftig attraktiveres Ringen hoffen lassen.

          Zugleich hat der internationale Ringerverband aber bei der Neueinteilung der Gewichtsklassen, die Lalovic wohl am Freitagabend bei einer Pressekonferenz offiziell bekanntgeben wird, ausgerechnet Stäbler schwerstmöglich in seinen olympischen Zukunftsaussichten beschränkt. „Die Neueinteilung der Gewichtsklassen ist für mich eine Vollkatastrophe mit Blick auf den olympischen Traum“, sagte der Weltmeister in einer ersten Reaktion gegenüber FAZ.NET.

          Neuer Gegner: Frank Stäbler muss mit der neuen Gewichtseinteilung zurecht kommen

          Die Reform sieht vor, dass „Grecos“ bei den Olympischen Spielen von Tokio 2020 am Wettkampftag die Gewichtsgrenzen von 60, 67, 77, 87, 97 und 130 Kilogramm beachten müssen. Diese Zahlenfolge ist das Ergebnis harten sportpolitischen Ringens abseits der Matte unter den von jeweiligen Eigeninteressen geleiteten führenden Ringernationen nahezu ohne deutschen Einfluss. Die Willkür dieser Einteilung zeigt sich auch dadurch, dass im Freistil mit 57, 65, 74, 86, 97 und 125 andere Grenzen gezogen worden sind.

          Wechsel in höhere Gewichtsklasse?

          Auch wenn Stäbler mit seinen Titelgewinnen in 66 und 71 Kilogramm nachgewiesen hat, dass er die Weltspitze in seiner Stilart in einer ungewöhnlichen Bandbreite zu beherrschen weiß, so trifft ihn die Einteilung - nur bei nicht-olympischen Turnieren gibt es eine zusätzliche, für Stäblers Konstitution passende 72-Kilogramm-Klasse - wohl ins Mark. Dagegen bekommen die beiden anderen männlichen Medaillengewinner Denis Kudla und Pascal Eisele mit 77 und 87 Kilogramm fast ideale Gewichtslimits für ihre Physis vorgeschrieben.

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