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Schwere Krise bei Fifa : Chefaufseher Scala tritt zurück

Compliance-Chef Domenico Scala: „Mein Rücktritt soll auch ein Weckruf sein.“ Bild: dpa

Der neue Fifa-Präsident Infantino fällt in der Reformierung des Weltverbandes sogar hinter die Ära Blatter zurück. Ober-Kontrolleur Scala ist konsterniert und spielt nicht mit.

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          Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) ist wieder in schwere Turbulenzen geraten. Nun hat der Compliance-Chef Domenico Scala seinen Rücktritt bekannt gegeben und damit eine neue Vertrauenskrise ausgelöst. Grund für seinen Abgang ist eine beim Fifa-Kongress in Mexiko City am Freitag beschlossene Ermächtigung des Entscheidungsgremiums (Council) um Präsident Gianni Infantino. Hierin wurde festgelegt, dass fortan die Benennung  und Absetzung der Mitglieder in den unabhängigen Aufsichtsinstanzen wie der Ethikkommission oder der Audit- und Compliance-Kommission nur noch der alleinigen Kompetenz des höchsten Fifa-Funktionärszirkels obliegt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          De facto haben ab sofort diejenigen, die eigentlich in der Fifa-Führung zu kontrollieren sind, die Entscheidungsgewalt über ihre Kontrolleure. Infantino fällt damit in der Reformierung des Weltverbandes sogar hinter die Schlussphase der Ära Joseph Blatters zurück.

          Scala übte scharfe Kritik am Kurs Infantinos. „Mit diesem Entscheid wird es dem Council künftig möglich sein, Untersuchungen gegen einzelne Mitglieder jederzeit zu verhindern, indem die zuständigen Komitee-Mitglieder abgesetzt oder mit der Drohung der Absetzung fügsam gehalten werden“, teilte der Schweizer Wirtschaftsmanager gegenüber FAZ.NET mit. Er sei konsterniert. Die Gremien würden ihrer Unabhängigkeit beraubt und drohten zu Erfüllungsgehilfen derjenigen zu werden, die sie eigentlich überwachen sollten. „Damit wird eine zentrale Säule der Good Governance der Fifa untergraben und eine wesentliche Errungenschaft der Reformen zunichte gemacht.“

          Fifa-Präsident Gianni Infantino: Strebt Kontrolle über die Kontrolleure an, die ihn kontrollieren sollen.

          Scala war seit 2013 Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission und gehörte zuletzt zu den maßgebenden Architekten des Reformprozesses. Bisher wurden auf Grundlage der neuen Governance-Regeln die unabhängigen Kontrollorgane durch das Votum des gesamten Kongresses aller Nationalverbände in transparenten Wahlen besetzt. Dies ist nun vorbei, wobei der Kongress dem Council dafür die Vollmacht erteilt hat.

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          Auch der Anti-Korruptions-Experte und frühere Reformbeauftragte der Fifa, Mark Pieth, sieht den Weltverband zurück in alte Zeiten fallen. „Die Lage ist hochdramatisch. Damit werden zentrale Elemente der Reformen zurückgenommen. Es handelt sich um einen schlimmen Rückschritt“, sagte er FAZ.NET. Pieth hatte nach 2011 auch dafür gesorgt, dass eine zweigeteilte und gegenüber der Fifa-Führung weisungsungebundene Ethikkommission mit einem Ermittlungszweig und einer rechtsprechenden Kammer aufgebaut wurde.

          Derweil appellierte der zurückgetretene Scala an die verbliebenen Reformkräfte bei der Fifa: „Mein Rücktritt soll auch ein Weckruf sein und den Beteiligten, die sich bis heute aufrichtig für die Umsetzung der Reformen eingesetzt haben, den Rücken stärken.“

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