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Neue DOSB-Führung : Vorsitzende für den Hintergrund

  • -Aktualisiert am

Sport-Expertin: Die 47-Jährige Veronika Rücker übernimmt zum 1. Januar 2018 beim Deutschen Olympischen Sportbund den Vorsitz des Vorstands. Bild: dpa

Sportwissenschaftlerin statt Berufspolitiker: Veronika Rücker ersetzt den aus dem Amt scheidenden Vesper. Große Politik, so scheint es, macht im DOSB ab sofort allein Hörmann.

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          Eine Frau in einer Führungsposition des deutschen Sports: Das ein gutes Zeichen, zumal der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nicht etwa eine Quotierung zur Grundlage seiner Entscheidung machte. Veronika Rücker wechselt als Sport-Expertin zum 1. Januar nicht wirklich überraschend in den Vorstandsposten. Sie kommt als Leiterin der DOSB-Führungsakademie – mit Kenntnissen bis tief hinein in die Verbände – aus den eigenen Reihe. Die Sportwissenschaftlerin weiß, wovon sie spricht. Der DOSB setzt also eine „Sportlerin“ auf seinen höchsten hauptamtlichen Posten.

          Das ist eine Zäsur. Dem zum 1. Januar aus Altersgründen aus dem Amt scheidenden Michael Vesper ist schon mal die Sportferne eines Berufspolitikers (Bündnis90/Die Grünen) vorgeworfen worden. Der Rheinländer war stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, bevor er im DOSB das Machtbewusstsein eines mit allen Wassern gewaschenen Polit-Realos ausspielte. Das hat Dank Vespers Kontakten nach Berlin einige Jahre funktioniert. Zuletzt aber verlor der DOSB bei seinen wichtigsten Projekten den Einfluss auf die Politiker. Die Niederlage im Kampf um die Olympiabewerbung Hamburgs hing stark mit dem öffentlich ausgetragenen Streit über die Finanzierung zwischen Stadtoberhaupt und Innenministerium zusammen. Einem Kampf, dem der Sport machtlos gegenüberstand. Die Einführung eines Straftatbestandes Doping setzte die große Koalition gegen den energischen Widerstand der DOSB-Führung durch. Die dringend notwendige Etaterhöhung für den Spitzensport versucht sich der Dachverband mit einer stark kritisierten Reform zu erkaufen, die ihm die Sportabteilung des Innenministeriums diktiert, geführt von Vespers Intimfeind Böhm.

          Aus Sicht des Sports ist es also höchste Zeit, im Machtkampf an Boden zu gewinnen. Die Berufung von Veronika Rücker sollte aber nicht als charmanter Strategiewechsel (miss-)verstanden werden. Es sieht vielmehr so aus, als solle eine in großen sportpolitischen Fragen kaum profilierte Vorstandsvorsitzende im Hintergrund die Aufgaben (Verbandsentwicklung, Marketing und Kommunikation) erledigen, während die große Politik allein ein anderer macht – DOSB-Präsident Hörmann. So agierte er zuletzt. Für zwei Vespers ist kein Platz.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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