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Widerstand in NBA gegen Trump : „Dieser Typ ist rassistisch und frauenfeindlich“

  • -Aktualisiert am

J.R. Smith: Keine Lust mehr, sich rauszuhalten Bild: AP

Die Basketball-Millionäre der NBA haben keine Lust mehr, sich aus zentralen politischen Debatten herauszuhalten. Trainer Van Gundy schämt sich wegen Trump für sein Land.

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          An jedem Spieltag in der besten Basketball-Liga der Welt gehört es zu den üblichen Gepflogenheiten, dass die Trainer kurz nach dem morgendlichen Tutorium und eine Stunde vor dem Anpfiff den Journalisten einen kurzen Abriss über den Stand der Dinge geben. Echte Neuigkeiten fallen nur selten ab. Chefcoaches in der NBA sind rhetorisch fit und wissen, wie man jede noch so bohrende Frage ins Leere laufen lässt, um die Pläne für den Umgang mit dem Gegner zu kaschieren. Doch am Mittwochmorgen verlor Stan Van Gundy jede Contenance. „Unglaublich“, sagte der Trainer der Detroit Pistons kurz nach Ende der Vormittagssession sichtlich erregt: „Ich habe mich ja schon für vieles geschämt, was in diesem Land passiert ist. Aber so wie heute noch nicht.“

          Nur wenige Stunden zuvor hatte Hillary Clinton in New York ihren Gegner bei der Präsidentenwahl angerufen und ihm zum Sieg gratuliert. Und er, Donald Trump, hatte in einem Hotel in Manhattan vor freudetrunkenen Anhängern noch einmal die Essenz seines Erfolges erklärt: „Das war keine Kampagne, sondern eine unglaubliche und großartige politische Bewegung mit Millionen von hart arbeitenden Männern und Frauen, die ihr Land lieben und eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien wollen.“

          Aber Van Gundy wusste, auf welche Weise diese Bewegung zustande gekommen war: „Niemand kann abstreiten, dass dieser Typ offen und unverfroren rassistisch und frauenfeindlich und ethnozentrisch ist.“ Allerdings sei es offensichtlich inzwischen ganz normal für Millionen von Amerikanern, zu sagen: „Das ist Ordnung. Wir wählen ihn trotzdem.“ Das Land habe mit der Wahlentscheidung „einen erheblichen Teil unserer Bevölkerung den Wölfen zum Fraß vorgeworfen“, sagte der Vater dreier Töchter, der das Votum für Trump als ein Urteil einstufte, Frauen zu Staatsbürgern zweiter Klasse zu erklären. Was man ihnen und „Angehörigen von Minderheiten damit angetan hat, ist abscheulich“.

          Schämt sich für sein Land: Stan van Gundy

          Die harsche Rüge machte rasch die Runde. Denn am Mittwoch standen elf Spiele an. So sahen sich wenige Stunden später weitere Aktive und Trainer in der Liga gezwungen, sich zu äußern. Steve Kerr von den Golden State Warriors etwa hatten die Ereignisse emotional sehr mitgenommen: „Es ist hart, wenn du wenigstens ein bisschen Respekt und Würde erwartest, es dies aber nicht gab, und du dann einen Raum mit deinen Töchtern und deiner Frau betrittst, die von seinen Kommentaren beleidigt wurden und entsetzt sind“, sagte er: „Das ist wirklich schockierend. Wir haben darüber in der Mannschaft gesprochen. Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen soll.“

          „Die pauschalen Verdächtigungen müssen aufhören“

          Viele Profis suchten nach Worten und ließen teilweise über soziale Medien ihren Gedanken freien Lauf. So wie J. R. Smith von der Meistermannschaft Cleveland Cavaliers, der auf Instagram unter dem Namen „teamswish“ schreibt und ein Foto seiner Tochter vor dem Weißen Haus hochlud. „Wie kann ich sie noch zum Spielen mit Kindern von Eltern schicken, die für einen rassistischen, sexistischen Menschen gestimmt haben? Wenn ich nicht weiß, wie sie sie behandeln werden?“ Mehr als 2000 Leser hinterließen unter Bild und Text ihre Kommentare, darunter viele, die Smith vorwarfen, er wisse „gar nichts über Politik“ und solle sich lieber „Sorgen um sein Spiel machen“: „Du bist Basketballer, sonst nichts & verdienst Millionen.“

          Steve Kerr: „Das ist wirklich schockierend“

          Doch diese Millionäre haben schon seit einer Weile keine Lust mehr, sich aus zentralen politischen Debatten herauszuhalten. Angefangen hat es mit den rassistischen Ansichten des damaligen Besitzers der Los Angeles Clippers, die 2014 publik wurden. Die Liga löste – während die Spieler protestierten und über Boykott nachdachten – das Problem, indem sie Donald Sterling zwang, das Team zu verkaufen. Die auf Video dokumentierte und von einer killerhaften Mentalität gezeichnete Brutalität der Polizei gegenüber unbewaffneten schwarzen Amerikanern führte zu neuerlichen Protesten. Oft in Form von Aufschriften auf T-Shirts, aber auch bei Veranstaltungen wie im Sommer beim Fernsehsender ESPN, wo Dwayne Wade von den Chicago Bulls vor Live-Kameras unmissverständlich forderte: „Die pauschalen Verdächtigungen müssen aufhören. Das gezielte Töten muss aufhören. Dass dunkelhäutige Menschen als wertlos betrachtet werden, muss aufhören.“

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