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Nationalmannschaft : Völler setzt auf Holland-Taktik - und Talent Schweinsteiger

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Was sich gegen die Niederlande bewährt hat, soll auch gegen Tschechiens B-Elf helfen: Mit einer defensiven Aufstellung soll der Einzug ins Viertelfinale gelingen. Schweinsteiger wird wohl Schneider ersetzen.

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          Die Ausgangsposition ist nicht ideal, aber immer noch passabel - jetzt kann der WM-Zweite die Viertelfinal-Vorlage nur noch selbst verspielen.

          „Wir haben das Endspiel, von dem wir alle geträumt haben“, sagte Rudi Völler vor dem Vorrunden-Finale am Mittwoch (20.45 Uhr/FAZ.NET-Spezial Euro 2004) gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Tschechen, die in Lissabon ihre Stars schonen und nur mit einer B-Elf auflaufen wollen. Daß die bislang noch sieglose deutsche Mannschaft den Matchball für das EM-Minimalziel auslassen und damit von ganz Fußball-Europa ausgelacht werden könnte, ist für Völler vor dem Anpfiff im Stadion Jose Avalade kein Thema: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß wir es schaffen werden.“

          Kahn und Co. hochgradig genervt

          Mit einem Sieg hätte die DFB-Auswahl das Ticket für das Viertelfinale am Samstag in Faro - nur 20 Kilometer vom eigenen EM- Quartier entfernt - gegen den Sieger der Gruppe C sicher. Bereits ein Unentschieden und im Extremfall sogar eine Niederlage würde zum Weiterkommen reichen, wenn die Gruppen-Rivalen Lettland und Niederlande mit einem Remis auseinande gehen. Doch darauf will sich das DFB-Team nicht verlassen, wie Kapitän Oliver Kahn betonte: „Da wird es einen Sieger geben.“

          „Felsenfest überzeugt”: Rudi Völler

          Hochgradig genervt reagierten der Torhüter, seine Teamkollegen und auch Völler auf die Ankündigung der Tschechen, eine auf bis zu acht Positionen veränderte Mannschaft ohne Asse wie Pavel Nedved und Jan Koller aufbieten zu wollen. „Das Gerede von der B-Elf kann man komplett eintüten“, meinte Kahn schroff. Auch Völler wollte die totale Rotation beim Kontrahenten nicht als Beleg für einen Qualitätsverlust werten. „Bei uns wird keiner glauben, daß eine tschechische Mannschaft aufläuft, die nur einen Millimeter weniger laufen wird als die bisherige“, sagte der Teamchef: „Die, die jetzt zum Einsatz kommen, werden es ihrem Trainer und ihrem Land zeigen wollen, daß sie die Chance verdient haben.“ Allenfalls Europas Fußballer des Jahres Nedved sei „nicht adäquat zu ersetzen“.

          Ballack: „Wir müssen spielen wie immer“

          Mit welcher Taktik Völler die eigene Sieglosigkeit bei diesem Turnier beenden will, ließ er am Dienstag offen. Höchstwahrscheinlich wird der das letzte Risiko scheuende Teamchef zunächst abermals erst einmal darauf aus sein, kein Gegentor zuzulassen und allenfalls in der Schlußphase zur bedingungslosen Offensive blasen. Denn noch nie hat Deutschland in einem Pflichtspiel unter Völler einen Rückstand in einen Sieg verwandelt. Auch Michael Ballack, der wie gegen die Niederlande wieder mehr Offensiv-Freiräume haben soll, plädierte für die Sicherheitsvariante: „Der Grundstein zum Sieg ist die Defensive. Wir müssen spielen wie immer.“

          Personell plant der Teamchef gegenüber dem dürftigen 0:0 gegen Lettland zwei Korrekturen. Jens Nowotny kehrt wieder ins Abwehrzentrum zurück, Bastian Schweinsteiger soll mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit die Ideenlosigkeit im Mittelfeld beenden. Allerdings war am Dienstag noch offen, ob der 19jährige seine im Trainings-Zweikampf mit Jens Jeremies erlittene Wadenprellung noch rechtzeitig auskuriert. Die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Dietmar Hamann und Bernd Schneider, dem anstelle von Schweinsteiger die Ersatzbank droht, meldeten sich hingegen wieder einsatzfähig.

          Völler: „Sie wollen uns etwas wegnehmen“

          „Uns Deutschen ein Bein zu stellen, ist für jedes andere Land ein schönes Gefühl. Wir müssen uns verinnerlichen, daß sie uns etwas wegnehmen wollen“, schwor Völler sein Personal darauf ein, sich zu wehren. Über das Horrorszenario eines frühen Scheiterns wie schon bei der EM 2000, als Erich Ribbeck danach entlassen wurde, wird öffentlich beim DFB nicht geredet. Hinter den Kulissen aber wird schon zweigleisig organisiert. Im Fall des Ausscheidens ist am Donnerstag eine Live-Pressekonferenz mit Völler und anschließend der Rückflug nach Deutschland vorgesehen.

          Ob Völler auch dann an seinen fest auf die WM 2006 ausgerichteten beruflichen Planungen festhalten wird, ließ er unbeantwortet. „Ich will nicht ausweichen, aber ich gehe davon aus, daß wir es schaffen werden“, antwortete er auf die Frage, ob es ein Szenario geben könnte, daß ihn zum neuen Nachdenken bewegen könnte.

          Die voraussichtlichen Aufstellungen:

          Deutschland: 1 Kahn (Bayern München/35 Jahre/71 Länderspiele) - 3 Friedrich (Hertha BSC/24/21), 4 Wörns (Borussia Dortmund/32/58), 5 Nowotny (Bayer Leverkusen/30/44), 21 Lahm (VfB Stuttgart/20/8) - 8 Hamann (FC Liverpool/30/57), 6 Baumann (Werder Bremen/28/26) - 22 Frings (Borussia Dortmund/27/31), 13 Ballack (Bayern München/27/43), 7 Schweinsteiger (Bayern München/19/3) - 10 Kuranyi (VfB Stuttgart/22/14)

          Tschechien: 16 Blazek (Sparta Prag/31/7) - 13 Jiranek (Reggina Calcio/25/12), 5 Bolf (Banik Ostrau/30/22), 21 Ujfalusi (Hamburger SV/26/28), 6 Jankulovski (Udinese Calcio/27/31) - 19 Tyce (1860 München/27/21) - 20 Plasil (AS Monaco/22/3), 14 Vachousek (Olympique Marseille/24/14), 7 Smicer (FC Liverpool/31/71) - 12 Lokvenc (1. FC Kaiserslautern/30/59), 18 Heinz (Banik Ostrau/26/11)

          Schiedsrichter: Hauge (Norwegen)

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