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Nationalmannschaft : Mehmet Scholl plant WM-Verzicht

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Entscheidung gefallen: Mehmet Scholl Bild: AP

Trotz eines gelungenen Liga-Comebacks ist die Teilnahme von Mehmet Scholl an der Fußball-WM nach vielen Verletzungen unsicher.

          Mittelfeldspieler Mehmet Scholl vom deutschen Fußball-Meister Bayern München denkt offenbar über einen Verzicht auf die WM in Japan und Südkorea (31. Mai bis 30. Juni) nach.

          „Ich habe mich schon entschieden. Ich werde mit Rudi Völler sprechen und nächste Woche meine Entscheidung bekannt geben“, sagte der 31-Jährige nach dem Bundesliga-Spiel gegen Hertha BSC Berlin am Samstag (3:0) durchblicken.

          Völler spielt auf Zeit

          Scholl hatte gegen die Berliner nach zweimonatiger Leidensphase mit einem Bandscheibenvorfall und einer Oberschenkel-Zerrung ein 70-minütiges Comeback gegeben und dabei eine ordentliche Leistung geboten.

          DFB-Teamchef Völler wollte die Gedankenspiele des 36-maligen Nationalspielers nur indirekt bestätigen und spielt offenbar auf Zeit. „Mehmet fühlt sich noch nicht richtig fit. Wir werden uns in dieser Woche eingehend unterhalten, aber bis zur WM ist ja noch etwas Zeit“, sagte Völler.

          Auch Bayern Münchens Aufsichtsrats-Vorsitzender Franz Beckenbauer deutete in der Bild-Zeitung (Montagsausgabe) die Scholl-Absage an: „Mehmet Scholl war noch nie bei einer WM. Wer ein großer Spieler werden will, muss einmal dabei gewesen sein. Wenn es Rudi Völler möchte, werde ich mit Mehmet noch einmal reden. Seine Teilnahme ist für den deutschen Fußball extrem wichtig.“

          Chance auf erste WM für Scholl

          Bislang kam Scholl in dieser Saison wegen diverser Verletzungen, erst in 16 von 32 Bundesligaspielen für den FC Bayern zum Einsatz. In der Hinrunde musste er wegen einer Operation am Sprunggelenk lange pausieren. Dann machten Muskelfaserrisse, Zerrungen und Probleme an der Bandscheibe einen Einsatz des Mittelfeldspielers unmöglich.

          Für Kreativspieler Scholl, der in den Planungen des Teamchefs eine tragende Rolle spielte, wäre es die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hatte den Münchner 1994 und 1998 jeweils im letzten Moment aus dem Kader gestrichen und beim Europameister von 1996 jeweils für reichlich Frust gesorgt.

          Böhme kritisiert Völler

          Frust schob am Wochenende auch der Schalker Jörg Böhme. „Ich habe heute wieder bewiesen, dass ich meine Stärken in der Offensive habe. Und nicht, wenn ich alleine gegen zwei rumturnen muss wie gegen Argentinien“, kritisierte der 28-Jährige nach dem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg unverhohlen den DFB-Teamchef: „Ich bin es leid, immer nach 45 Minuten ausgewechselt zu werden. Ich bin froh, dass ich wieder hier in Schalke bin.“

          Völler gab die Kritik, wenn auch ungleich gelassener, zurück: „Dass Jörg in der Offensive überragend ist, wissen wir alle. Dass er nach hinten einen Abfangjäger braucht, aber auch. Doch auf hohem internationalen Niveau muss man aber auch nach hinten arbeiten. Und wer das nicht gebacken kriegt, wird eben mal ausgewechselt.“

          „Jörg hat eine Chance“

          Dennoch machte der Teamchef dem Schalker Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme: „Jörg hat immer noch realistische Chancen. Wenn er so tolle Tore macht wie gegen Nürnberg macht, kann man über vieles hinwegsehen.“ Böhme selbst hat sein Ticket für Asien dagegen schon abgeschrieben: „Ich gehe davon aus, dass ich nicht dabei bin. Völler hat seine Spieler schon im Kopf, und mit mir hat er nicht gesprochen. Ich kann das auch gar nicht mehr beeinflussen. Denn es ist ja kein Länderspiel mehr.“

          Auch dies dementierte der Teamchef: „Es ist richtig, dass einige Plätze in meinen Planungen schon vergeben sind. Aber noch nicht alle 23.“ Bekanntgeben wird Völler seinen WM-Kader am 6. Mai und damit zwei Tage nach dem letzten Bundesliga-Spieltag. Und erst danach stehen die restlichen Tests auf dem Programm.

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