https://www.faz.net/-gtl-7togx

Nationalmannschaft : Jenseits von Lahm

Löw muss am Ball bleiben, was die Leerstelle hinten rechts betrifft Bild: dpa

Nach dem Rücktritt des Kapitäns sucht Bundestrainer Löw einen Rechtsverteidiger der Extraklasse. Kandidaten gibt es einige, eine Dauerlösung ist nicht in Sicht. Und Schottland war erst der Anfang.

          3 Min.

          Für den Kandidaten mit der Nummer 2 hörte es sich gar nicht gut an. Noch vor einer knappen Woche hatte der Bundestrainer auch den Namen Kevin Großkreutz fallen lassen, als es um die mögliche Besetzung der rechten Außenverteidigerposition ging. Am Sonntagabend aber klang es, als wäre der Dortmunder schon wieder aus dem Spiel. Großkreutz, sagte Joachim Löw, sei „ein wichtiger Spieler für einen Trainer, weil man ihn auf verschiedenen Positionen einsetzen kann“. Er glaube aber, fügte Löw hinzu, Großkreutz werde bei der Borussia „in Zukunft nicht mehr auf dieser Position spielen“.

          Zusammen mit den aktuellen Eindrücken vom Fußballplatz wirkte das alles in allem, als würde Großkreutz seine Vielseitigkeit künftig insgesamt eher im schwarz-gelben Trikot unter Beweis stellen dürfen als im Vier-Sterne-Dress der Nationalmannschaft. Beim 2:4 gegen Argentinien hatte Großkreutz schlecht und am Sonntag beim 2:1 gegen Schottland gar nicht mehr gespielt.

          Das muntere Casting geht weiter

          Das Einzige, was Großkreutz Hoffnung machen konnte: Die Position rechts in der Viererkette nahm beim Start in die Europameisterschafts-Qualifikation ein anderer ein, der gewöhnlich ganz woanders unterwegs ist. Über Sebastian Rudy sagte Löw nach dem Spiel zwar mit dem Gestus der Selbstverständlichkeit, er habe „natürlich gewusst, dass er diese Position auch schon einige Male gespielt hat“. Ungefähr zur selben Zeit antwortete Rudy auf die entsprechende Frage mit einem schelmischen Lächeln. Er konnte sich dann immerhin noch an ein „Freundschaftsspiel vor zwei Jahren“ erinnern. An und für sich aber kennt man ihn in Hoffenheim, wo Rudy seit 2010 spielt, ziemlich eindeutig als Mann fürs defensive Mittelfeld.

          Das Wort vom Casting wird ja mittlerweile inflationär gebraucht, wenn es darum geht, Löws Auswahlprozesse zu beschreiben. Im Falle der beiden Außenverteidigerpositionen aber kann man das schon so sagen. Hier scheint derzeit kein Gedanke, keine Idee zu verwegen, als dass Löw sie nicht zur Sicherheit einem Test unterziehen würde: nur keine Denkverbote, (fast) alles ist möglich. Genau genommen hat Löw mit den freizügigen Experimenten schon bei der Weltmeisterschaft begonnen, die Viererkette aus gelernten Innenverteidigern respektive der Versuch mit Mustafi auf der rechten Seite sind noch recht lebendige (und dabei nicht uneingeschränkt schöne) Erinnerungen an die brasilianischen Wochen. Und natürlich hat sich die Lage mit dem Rücktritt von Philipp Lahm noch einmal verschärft. Jenseits von Lahm waren das schon vorher Problemzonen im deutschen Spiel - und sind es jetzt mehr denn je. Insbesondere, wenn man, wie der Bundestrainer, den Anspruch hat, bei seinen Kandidaten Offensivgeist und absolute defensive Verlässlichkeit vereint zu sehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eines der großen Anliegen unserer Zeit: Nach der Demo bleibt das durchweichte Schild.

          Kampf um Meinungsfreiheit : Das große Unbehagen

          Mehr als 150 Intellektuelle protestieren gegen ein erstickendes Meinungsklima und Repressalien gegen Andersdenkende. Dabei werfen sie vor allem dem Journalismus, den Wissenschaften und Künsten Intoleranz und Moralisieren vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.