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Nationalmannschaft : Die 90-er - einfach ein goldener Jahrgang

  • -Aktualisiert am

Es geht nach oben: Völler mit Nachwuchskicker Bild: dpa

Franz Beckenbauer hat es vorgemacht, die Weltmeister von 1990 eifern ihm nun als Teamchefs und Trainer nach: Völler, Brehme oder Augenthaler stehen für Kompetenz und Erfolg.

          3 Min.

          Ob Rudi Völler, Andreas Brehme oder Klaus Augenthaler - die Weltmeister von 1990 haben Erfolg im Trainergeschäft. Und der Einstieg von Ex-Weltfußballer Lothar Matthäus steht ja erst noch bevor.

          Zu seinem Job, sagt Rudi Völler, sei er gekommen „wie die Jungfrau zum Kind“. Der 40-Jährige musste nach der völlig missratenen Europameisterschaft als „Lückenbüßer“ einspringen, weil nach dem Rücktritt von Erich Ribbeck dessen designierter Nachfolger Christoph Daum von Bayer Leverkusen nicht sofort freigestellt wurde.

          Am 2. Juli des vergangenen Jahres überredeten einige führende Vertreter des deutschen Fußballs den 90-maligen Nationalspieler, dass er für nur sieben Länderspiele als Teamchef der Nationalelf tätig werden müsse. Nach den beiden anstehenden WM-Qualifikationsspielen gegen Albanien am Samstag in Leverkusen und am nächsten Mittwoch gegen Griechenland in Athen hätte Völler sich eigentlich wieder zurückgezogen.

          „Der Appetit kommt beim Essen“

          Doch die Ereignisse, die zur Wende in der Geschichte führten, sind bekannt: Im vergangenen Oktober wurde der designierte Bundestrainer Daum des Kokainkonsums überführt. Völlers Engagement wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zunächst bis nach der WM 2002 in Japan und Südkorea verlängert.

          Vieles deutet jedoch daraufhin, dass er noch länger als DFB-Teamchef tätig bleibt. „Manchmal kommt der Appetit beim Essen“, sagt Völler und meint damit, dass er an seinem Job Gefallen gefunden hat. Und auch bei den Spielern kommt der neue Chef bestens an, weil er weiß, was sie bewegt: „Ich weiß, wie sie sich fühlen, in einem Trainingslager vor einem Länderspiel“, sagt Völler. „Ich kann nachfühlen, was es heißt, wenn es bei ihnen nicht so läuft in der Nationalmannschaft oder im Verein. Zumindest können sie mir nichts vormachen.“

          Völler: Galionsfigur einer Trainer-Generation

          Völler ist die Galionsfigur einer neuen Trainer-Generation, die als Spieler den letzten WM-Titel mit der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes gewannen. Neben Völler sind dies Andreas Brehme, Klaus Augenthaler und Pierre Littbarski, die Weltmeister von 1990. Zur Galerie der Stars, die als Profis top waren und seit dieser Saison als sportliche Verantwortungsträger überzeugen, gehört auch Matthias Sammer, der als erster DDR-Spieler nach der Wende 1991 in die Nationalelf kam und 1996 Europameister wurde.

          Auffällig ist, dass die Trainer-Neulinge, gemessen an den Tabellen-Positionen ihrer Teams, zur Spitze zählen. Littbarski, seit dem 5. Januar Co-Trainer von Ex-Bundestrainer Berti Vogts, aber zuweilen schon als „heimlicher Chef“ bezeichnet, liegt mit Bayer 04 Leverkusen auf Platz zwei. Brehme hat sich als Nachfolger von Otto Rehhagel mit dem 1. FC Kaiserslautern auf Rang drei und in das UEFA-Pokal-Halbfinale vorgekämpft. Sammer hat die vor einem Jahr abstiegsgefährdeten Dortmunder auf Rang vier geführt. Und Augenthaler, der zuvor schon in Graz Erfahrungen sammelte, steht mit dem 1. FC Nürnberg vor der Rückkehr ins Oberhaus.

          Den 90-ern macht keiner was vor

          Die Berichte aus der DFB-Auswahl und den Profikreisen in Dortmund, Kaiserslautern, Leverkusen und Nürnberg über die Arbeitsweise von Völler und Co. sind fast gleichlautend. Diese Trainer wissen sehr genau, was sie wollen. Außerdem kennen sie aus eigener Anschauung jeden Trick, jede Ausrede, aber auch die Problembereiche der Spieler. „Ich duze die Spieler, das schafft Nähe“, nennt Brehme eines seiner Erfolgsrezepte.

          Wie sein Freund Völler, der bis 1996 aktiv war, spielte er noch mit etlichen seiner jetzigen Schützlinge zusammen. Sammer gehörte sogar noch 1999 zum Spielerkreis, ehe eine Knieverletzung seine aktive Karriere beendete. Autoritätsprobleme haben die Novizen dennoch nicht. Im Gegenteil: Ihr Status als frühere Stars der Extraklasse lässt die jungen Spieler zu ihnen aufblicken, die älteren ziehen den Hut vor ihren großen Erfolgen. „Was er sagt, hat Hand und Fuß. Da ist kein Wort zu viel oder zu wenig“, sagt der Leverkusener Nationalspieler Carsten Ramelow.

          Wann coachen Matthäus und Klinsmann?

          Fast scheint die eigene Spieler-Karriere Voraussetzung zu sein, um zunächst einen Trainer-Job in der Bundesliga zu bekommen und ihn dann erfolgreich auszufüllen. Von den aktuellen Cheftrainern in der Bundesliga haben nur Volker Finke (Freiburg) und Rolf Schafstall (Bochum) nicht selbst erstklassig gespielt.

          Von den Weltmeistern 1990 drängen weitere Kandidaten auf den Markt: Während Jürgen Klinsmann vor einigen Tagen das Angebot auf die Trainerstelle bei Tottenham Hotspurs ablehnte, wird Jürgen Kohler im nächsten Jahr Nachwuchscoach beim DFB. Und auch die Trainer-Ambitionen von Lothar Matthäus sind bekannt, seitdem er mit Eintracht Frankfurt verhandelte.

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