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Nachwuchs-Debatte : Ausländerbeschränkung im Eishockey mit Vorbildfunktion

  • -Aktualisiert am

Die Nationalmannschaft jubelt wieder Bild: dpa

In der Diskussion um eine Reduzierung der Ausländer in der Fußball-Bundesliga wird das DEL-Modell der freiwilligen Selbstbeschränkung als beispielhaft dargestellt.

          So mangelhaft die Solidarität unter den DEL-Klubs in früheren Jahren war, so beispielhaft verhalten sie sich in der Frage der Ausländer-Beschränkung. Die Begrenzung auf inzwischen 14 Ausländer ist ein "gentlemen agreement" an das sich alle halten.

          Die große Unvernunft nach dem Bosman Urteil 1996 ist vorüber. Damals verstanden es die DEL-Manager meisterhaft, Kanadier mit griechischem oder italienischen Pass aufzuspüren und zu verpflichten. Um die Ungerechtigkeiten einzuebnen, beschloss die Liga-Führung, die Grenzen gleich ganz zu öffnen. Einzig fünf Deutsche unter Vertrag zu haben, war vorgeschrieben. Allerdings wurde auch das unterlaufen: In mancher Mannschaft wurde der Zeugwart lizensiert, um auf die Zahl fünf zu kommen.

          "Recht auf Arbeit, aber nicht auf Vertrag"

          Der Rest ist Geschichte: Deutsche Spieler kamen über die Rolle der Ergänzung nicht hinaus, die Nationalmannschaft erlitt schweren Schaden und stieg in die B-Gruppe ab. Da die Zuschauer gegen diese Entwicklung Sturm liefen und die Öffentlichkeit inklusive Sponsoren und zum Teil Fernsehen das Interesse am Kufensport verlor, setzte ein Umdenken bei den Klubbossen ein.

          Über 18 und 16 Cracks ist man nunmehr bei 14 Ausländern pro Team gelandet, der Rest müssen Deutsche sein. Möglich gemacht wurde dies durch die Solidarität der Klubs. Eine offizielle Regelung gibt es nämlich nicht. Die wäre nach EU-Recht angreifbar. "Aber solange sich alle Klubs daran halten, kann kein Spieler dagegen klagen", erklärt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, ein Rechtsanwalt. Das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes für EU-Bürger bleibt unangetastet. "Denn hier geht es um Arbeitsverträge. Und darauf hat keiner ein Recht."

          Kein Druck durch Europacup

          Wenn man es angesichts der fehlenden Einnahmequelle als Vorteil bezeichnen kann, dann ist das Plus, das Eishockey gegenüber dem Fußball hat, die fehlende internationale Konkurrenz. Es gibt zwar einen Europapokal-Wettbewerb, den Continental-Cup, aber in dem ist kein Geld zu verdienen. Schon die Europaliga "EHL", die von 1996 bis 99 ausgetragen wurde, war ein finanzieller Flop. Jetzt darf Zweitliga-Meister Ingolstadt am Continental-Cup teilnehmen.

          Den Druck, international wettbewerbsfähig zu sein, gibt es nur für die Nationalmannschaft. Und die hat ihren Vorteil aus der Ausländerbeschränkung gezogen: Rückkehr zur A-WM oder Qualifikation für die olympischen Spiele.

          Verwirrung um weitere Reduzierung

          "Natürlich brauchen wir ausländische Spieler", stellt Bundestrainer Hans Zach trotz alledem fest. "Sie garantieren auch ein gewisses Niveau in dem sich unsere Spieler weiterentwickeln können. Langfristig dürften es aber nicht mehr als zehn sein." Darauf arbeitet die DEL hin. In Schritten soll diese Zahl bis 2006 erreicht werden. Wie groß diese Schritte sind, darüber gibt es zur Zeit aber Uneinigkeit in der Liga. Bei der letzten Gesellschafterversammlung konnten sich die Mitglieder nicht darüber einigen, wie weiter reduziert wird.

          Geplant waren für die kommenden Spielzeiten Einerschritte. Also 13 Ausländer für die Saison 2002/03. Offenbar wird von den Gesellschaftern aber eine Lösung favorisiert, die für das kommende Jahr wiederum 14 und dann erst ab 2003/04 zwölf Ausländer vorsieht. "Das wäre ein deutlicher Rückschritt für das deutsche Eishockey", sagt Düsseldorfs Trainer Michael Komma. "Ohne stichhaltige Begründung wird eine wichtige und richtungweisende Regelung für das deutsche Eishockey verhindert."

          Guter Nachwuchs teuer

          Hintergrund der Angst der DEL-Gesellschafter vor der eigenen Courage dürften einmal mehr finanzielle Zwänge sein. Die zahlreichen jungen Spieler, die sich in dieser Saison in den Vordergrund gespielt haben, haben Ein-Jahres-Verträge. Klar, dass die gezeigten Leistungen sich im Preis für das nächste Jahr niederschlagen. Das immer noch relativ geringe Angebot an Spitzen-Nachwuchskräften würde sich für die bei 13 Ausländern mehr zu verpflichtenden deutschen Cracks ebenfalls im Preis niederschlagen.

          Keine einfache Entscheidung für die DEL-Klubs. Zumal diese noch in der Mehrzahl von Trainern und Managern aus Übersee dominiert werden. Deren Interesse an der Entwicklung einheimischer Spieler hält sich weitgehend in Grenzen. Einerseits, weil im Eishockey durch die vorherrschenden Ein-Jahres-Verträge keine Transfersummen durch Spielerverkäufe zu erzielen sind. Mehr aber, da dem Erfolgsdruck durch die Verpflichtung fertiger Spieler wirkungsvoller begegnet werden kann.

          Da geht es dem Eishockey kaum besser, als dem Fußball. Lediglich, dass die Ansätze zur Besserung schon in Sicht sind. Stagnation würde hier allerdings einen gewaltigen Rückschritt bedeuten.

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