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Nach Sieg in Relegation : Kein Grund zum Jubeln in Wolfsburg

  • Aktualisiert am

Euphorie sieht anders aus bei Bruno Labbadia: „Jetzt beginnt die Arbeit“ Bild: Reuters

Der VfL Wolfsburg bleibt in der Bundesliga, doch zum Feiern gibt es keinen Grund. „Jetzt fängt die Arbeit an“, meint Trainer Labbadia. Fragt sich nur, ob er sie angehen darf.

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          Die Erleichterung beim VfL Wolfsburg über den Verbleib in der Fußball-Bundesliga war geradezu greifbar, Feierstimmung kam aber nicht auf. Denn für den Erstligaklub war es eine Pflichtnummer, dass er sich mit einem Erfolg gegen den Zweitliga-Dritten Holstein Kiel behauptet hatte. „Wir sind erleichtert, dass es ein versöhnlicher Abschluss geworden ist. Zum Feiern gibt es aber keinen Grund“, sagte Torschütze Robin Knoche am Montagabend nach dem 1:0 (0:0)-Sieg im Relegations-Rückspiel bei den Schleswig-Holsteinern. Das Hinspiel vier Tage zuvor hatten die Wolfsburger mit 3:1 gewonnen. Es war bereits das sechste Mal in Serie, dass der höherklassige Verein dem Zweitliga-Vertreter den Sprung nach oben verwehrt hatte.

          Bundesliga

          „Wir gehen mit gestärkter Brust hervor. Die Mannschaft hat das souverän gemacht“, meinte Knoche. „Wir wollten keinesfalls wieder Relegation spielen, aber wir haben das super angenommen.“ Im Vorjahr hatten sich die Niedersachsen im Derby gegen den damaligen Zweitliga-Dritten Eintracht Braunschweig mit zwei 1:0-Siegen durchgesetzt. „Die Relegation gegen Braunschweig war schlimmer“, meinte Maximilian Arnold.

          Die Katastrophenzeit in der Bundesliga will der deutsche Meister von 2009 nun endgültig abhaken. „Das war meine schwierigste Aufgabe, die ich bisher als Trainer hatte“, sagte VfL-Coach Bruno Labbadia. „Jetzt fängt die Arbeit an“, sagte der 52-Jährige und kündigte an: „Wir werden jetzt zwei Tage runterfahren und dann in die Planungen gehen.“ Welche Reformen Labbadia genau umgesetzt sehen will, ließ er offen.

          Der Trainer, der 2015 bereits den Hamburger SV in der Relegation vor dem Abstieg bewahrt hatte, war als Retter nach Wolfsburg geholt worden. Seine Mission hat er erfüllt. Ob er auch in der nächsten Saison bleiben darf, entscheiden andere. Er wolle das jedenfalls. „Ich habe mir den Kram nicht angetan, um dann zu sagen, ich überlasse es einem anderen. Aber wir müssen uns in Ruhe hinsetzen und einige Dinge besprechen", sagte Labbadia.

          Am Ende ist die Trauer da: Holstein Kiel verpasst den Durchmarch

          In den vergangenen Monaten habe er bei einigen Sachen „die Faust in der Tasche geballt“. Aber dann habe er sich gedacht: „Das kannst du jetzt nicht auch noch angehen“. Da war das Tagesgeschäft wichtiger. Trotz eines Spieleretats von kolportierten 60 Millionen Euro schaffte Wolfsburg erneut erst im Nachsitzen den Klassenerhalt. Mit Labbadia, Martin Schmidt und Andries Jonker beschäftigte Wolfsburg in der abgelaufenen Saison drei Trainer, zuletzt musste Sportdirektor Olaf Rebbe seinen Posten räumen. Jörg Schmadtke gilt als sein designierter Nachfolger.

          Tränen in der Kieler Kabine

          In der Kabine der Kieler flossen unterdessen die Tränen. Mit dem Durchmarsch von der dritten bis in die erste Liga wurde es nichts. „Wir können stolz auf uns sein. Wir sind nur um Millimeter vorbei an der Bundesliga“, meinte Verteidiger Johannes van den Bergh dennoch. „Wenn der Abpfiff kommt, merkt man, wie emotional es ist“, sagte der scheidende Trainer Markus Anfang. „Wir haben nicht aufgesteckt, wir waren heute die klar bessere Mannschaft. Dass wir dieses Spiel verlieren, dass wir uns mit einer Niederlage verabschieden, ist richtig bitter.“

          Seine Mannschaft konnte den nominell deutlich besser bestückten Rivalen nicht ernsthaft gefährden. Den „Störchen“ fehlte es an Durchsetzungsvermögen. „Der VfL Wolfsburg war eine Nummer zu groß für uns“, befand Anfang. „Aber wir können stolz darauf sein, was wir hier auf die Beine gestellt haben.“

          Die Hand gaben sich die beiden Trainer Labbadia und Anfang nicht mehr. Beide hatten sich nach der Partie einen Disput geliefert. Es sei um fehlenden Respekt gegangen, erklärte Labbadia. Auch Kiels Mittelfeldspieler Dominic Peitz war sauer. „Wir sind nicht gescheitert, gescheitert ist der VfL Wolfsburg mit seiner Idee, ein Team zusammenzustellen“, meinte er und wandelte seine Enttäuschung in eine Attacke um. Mit der Relegation sei dem Bundesligaklub ein Rettungsring zugeworfen worden, dem Zweitligavertreter aber dessen Märchen zerstört worden.

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