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Nach Ferraris Doppelsieg : „Die WM ist entschieden“

  • Aktualisiert am

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Rein rechnerisch ist Norbert Haug im Unrecht, dennoch ist die Resignation nach dem Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring verständlich.

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          Für Williams-BMW und McLaren-Mercedes geht es nur noch um den Platz als bester Verlierer - Ferrari ist längst außer Reichweite und frühestens in der nächsten Saison wieder einholbar.

          „Gegen Ferrari ist momentan kein Kraut gewachsen“, analysiert BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger nüchtern das Kräfteverhältnis in der Formel 1 nach dem Doppelsieg der Italiener auf dem Nürburgring. „Wenn Ferrari ernst gemacht hätte, wäre unser Rückstand entschieden größer als 42 Sekunden gewesen“, gesteht Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug illusionslos.

          Die bei Saisonhalbzeit meilenweit abgeschlagenen Verfolger haben ihre minimalen Hoffnungen, Michael Schumacher im Titelrennen noch abfangen zu können, längst begraben. „Die WM ist für Ferrari entschieden. Es sei denn, wir nehmen ihm bei jedem Grand Prix seinen Kerzenstecker weg“, sagt Haug mit Galgenhumor. „Keiner maßt sich an, Ferrari in den restlichen acht Rennen noch schlagen zu können.“

          Schumi-Mania auf dem Nürburgring
          Schumi-Mania auf dem Nürburgring : Bild: dpa

          Abstand liegt an uns, nicht an Ferrari

          So haben sich Williams-BMW und McLaren-Mercedes zähneknirschend mit ihrem Schicksal abgefunden. Es geht nur noch darum, den einen oder anderen Achtungserfolg zu erzielen, die Saison als Zweiter der Konstrukteurswertung abzuschließen und intensiv daran zu arbeiten, den riesigen Rückstand auf die Roten zu verringern, um im kommenden Jahr nicht wieder hinterher zu hinken.

          „Alle müssen daran arbeiten, zu Ferrari aufzuschließen“, beschreibt Haug die dringlichste Hausaufgabe. „Der große Abstand liegt an uns, nicht an ihnen.“ Trotz aller Unterschiede drückt die beiden britisch-deutschen Teams ein gemeinsames Problem: der eklatante Reifen-Nachteil. Ihr Partner Michelin reicht an Ferrari-Lieferant Bridgestone nicht heran.

          „Es darf nicht sein, dass der Reifen nach einer Rennrunde einbricht, auch wenn er später wieder kommt. Das müssen wir verbessern“, meint der Mercedes-Mann. „Das ist aber keine Kritik an Michelin.“ Den Silberpfeilen hilft der seit Monaco von den Franzosen angebotene weichere Pneu sogar eher, wie David Coulthards Sieg in Monte Carlo, sein zweiter Platz in Montreal und jetzt Kimi Räikkönens dritter Rang zeigen.

          Die Reifen sind das Problem

          Williams-BMW bringt die weichere Mischung eher weniger, auch wenn Motorsportdirektor Mario Theissen betont, dass „Michelin damit nicht ein Team bevorteilt“. Die Weiß-Blauen haben mehrere Probleme. Negativ beeinflussende Faktoren sind laut Theissen neben den Reifen die Fahrwerksgeometrie, die Gewichtsverteilung und die Traktionskontrolle. „Fürs Qualifikationstraining ist unser Paket nahezu perfekt“, sagt er mit Verweis auf Juan Pablo Montoyas drei Pole-Positionen in Serie. „Aber im Renntrimm haben wir es nicht richtig zum Laufen gebracht.“

          Beide Piloten klagen auch nach dem Großen Preis auf dem Nürburgring. „Mein Auto war unglaublich schwierig zu fahren, weil wir von Beginn an Reifenprobleme hatten“, schimpft Ralf Schumacher. Und Montoya mault: „Der Wagen war fast unfahrbar.“

          Williams- BMW will das Übel nun durch intensive viertägige Tests mit zwei Autos an der Wurzel packen. „Die Analyse ist klar, jetzt werden Maßnahmen ergriffen“, kündigt Theissen radikale Schritte an.

          Nur das Rennen um Platz zwei ist spannend

          Denn sollten die Silberpfeile ihre Aufholjagd fortsetzen, geriete das Saisonziel von Williams-BMW noch in Gefahr. „Wir streben den zweiten Platz in der WM der Konstrukteure an. Das war und ist unser Ziel“, sagt Theissen. Ansonsten tröstet sich der Münchner damit, dass „die Ferrari-Dominanz zu Ende gehen wird - die Frage ist nur: wann und durch wen?“

          Für Haug gibt es eine kleine Entschädigung für die Ferrari-Solofahrt: „Wenn es zwischen Williams-BMW und uns so spannend bleibt, richtet sich der Fokus etwas mehr auf uns.“

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