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Leichtathletik räumt auf : Fehlstart

  • -Aktualisiert am

In Sachen Aufräumen scheint es den russischen Leichtathleten nicht schnell genug zu gehen Bild: Picture-Alliance

Kaum sind die Vorwürfe gegen russische Leichtathleten und deren Komplizen bestätigt, scheint ihr Neubeginn und die freudige Rückkehr nur Formsache zu sein. Doch der Blick sollte sich zunächst auch auf andere Länder und Sportarten richten.

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          Wenn das kein Blitzstart ist: Kaum sind die Vorwürfe gegen die russischen Leichtathleten und ihre Komplizen bestätigt, scheint das russische Team schon auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio zu sein – trotz Ausschlusses aus dem Welt-Verband. Vor fast einem Jahr noch hatte der offizielle Teil der Leichtathletik-Welt das Offensichtliche bestritten: Videoaufnahmen von russischen Sportlerinnen, die über Doping-Substanzen sprechen, russische Trainer, die Medikamente zum Kauf ausbreiten, Überweisungen von Bestechungsgeld, auf denen bekannte Namen zu lesen sind.

          Die Bilder sendete im Dezember 2014 die ARD. Der Bericht einer Untersuchungskommission bestätigt nun die Vorwürfe. Keine Woche später, nach der fast zwangsläufigen Suspendierung der Russen, scheinen Aufräumen, Neubeginn und die freudige Rückkehr der russischen Athleten nur mehr Formsache zu sein.

          Geht es anderswo nicht ähnlich zu?

          Doch sollte man nicht vielleicht erst einmal sorgfältig klären, wer alles wie involviert war? Sollte man nicht den Hinweisen der Ermittler nachgehen, dass es in anderen Sportarten und anderen Ländern ähnlich zugeht? Denjenigen, die sich Erneuerung auf die Fahne geschrieben haben, traut man in ihrer Eile nicht über den Weg. Ihr Einsatz für saubere Athleten? Besteht vor allem in der Sorge, dass russische Athleten Rio verpassen könnten, die nicht des Dopings überführt sind.

          Dabei gibt es Legionen von Sportlern, die nach Strich und Faden betrogen wurden. Sie haben, wenn schon nicht Trost, so doch eine Entschuldigung dafür verdient, dass sie Wettkampf um Wettkampf gegen Doper verlieren und sich lieber auf die Zunge beißen mussten, als das auszusprechen, was sie deutlich sahen. Vielen von ihnen sind Medaillen und große Momente gestohlen worden, und nur die wenigsten von ihnen können darauf verweisen, dass sie wie der australische Geher Jared Tallent seit Jahren auf die ganz offensichtlich tolerierten Betrügereien des Trainers und Chefdopers Viktor Tschegin aufmerksam machten.

          Wie weit es her ist mit der Entschlossenheit zum Neubeginn, zeigt sich an zwei Figuren des Korruptionsskandals. Der russische Verbandspräsident Valentin Balachnitschew, der von seinen Ämtern zurücktreten musste, als seine Korruption bekanntwurde, gab anlässlich der WM in Peking nicht nur den Finanzbericht, als wäre er immer noch Schatzmeister des Weltverbandes. Er nahm sogar Siegerehrungen vor. Bis heute ist Balachnitschew führendes Mitglied des Russischen Olympischen Komitees.

          Sein Komplize Lamine Diack, der von Dopern Hunderttausende Dollar kassierte, um sie zu decken, ist bis heute Ehrenpräsident des Verbandes. Sein Nachfolger Sebastian Coe selbst hat inzwischen mehr Kommissionen gegründet, als er Worte des Dankes für die Kronzeugen gefunden hat, die mit ihrem Mut das Aufräumen jetzt ermöglicht haben. Sieht ziemlich deutlich nach Fehlstart aus.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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