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Nach dem Favre-Rücktritt : Gladbach auf Trainersuche

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Der Melancholiker hinterlässt eine Leerstelle: Gladbach steht nach Lucien Favres Abgang ohne Trainer da Bild: dpa

Der spektakuläre Abgang von Trainer Favre nach fünf Niederlagen in fünf Spielen trifft die Borussia hart und unvorbereitet. Wer sitzt gegen Augsburg auf der Gladbacher Trainerbank?

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          Nach dem spektakulären Abgang von Lucien Favre muss Borussia Mönchengladbach vor dem Heimspiel Mitte der Woche gegen den FC Augsburg rasch handeln. Der offensichtlich unvorbereitete Verein teilte am Sonntagabend zunächst nicht mit, wer am Mittwoch gegen die Augsburger auf der Trainerbank sitzt. „Weitere Erklärungen von Borussia Mönchengladbach wird es erst am morgigen Montag geben“, hieß es knapp in der Erklärung des Vereins, der diese Saison in der Champions League spielt. Für 14 Uhr haben die Borussen an diesem Montag mittlerweile zu einer Pressekonferenz geladen.

          Noch am Samstag hatte Sportdirektor Max Eberl öffentlich klar gemacht, dass Favre der richtige Mann ist, um den Klub aus der Krise zu führen. Nun stieß der Schweizer die Vereinsführung mit seinem unerwarteten Abgang vor den Kopf. Nur 24 Stunden nach der Derby-Pleite beim 1. FC Köln reichte der 57-Jährige seinen Rücktritt ein. „Nach reiflicher Überlegung und eingehender Analyse bin ich zu der Erkenntnis gekommen: Es ist in dieser Situation die beste Entscheidung, mein Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach niederzulegen“, teilte Favre gemeinsam mit seinem Berater Jose Noguera in einer schriftlichen Erklärung der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend mit.

          Der Trainer hat sein Team im Stich gelassen

          Der Verein betonte, dass dies keine einvernehmliche Trennung sei und man mit Favre weiter arbeiten wollte. „Mit seinem öffentlich gemachten Rücktritt hat er nun Fakten geschaffen, die uns bis ins Mark treffen“, sagte Klubchef Rolf Königs. Tenor der ersten Reaktionen von Fans und Beteiligten: Der Trainer hat sein Team im Stich gelassen und die Krise mit dem Abgang nur verschärft.

          Favre stand zwar nach den jüngsten Niederlagen in der Champions League beim FC Sevilla (0:3) und im rheinischen Derby in Köln mächtig unter Druck. Doch Eberl hatte noch am Samstag erklärt: „Wir gehen da gemeinsam durch.“

          Im Mannschaftskreis löste die Nachricht Bestürzung aus. „Ich bin geschockt und verwundert. Favre kennt sich im Abstiegskampf doch aus“, sagte Borussenprofi Andrè Hahn der „Bild“-Zeitung. Die Spieler waren davon ausgegangen, dass sie mit dem Trainer aus der Krise kommen. „Wer Lucien Favre kennt, weiß, dass er nicht der Typ ist, der alles hinwirft, und uns im Stich lässt“, hatte Mittelfeldspieler Granit Xhaka vermutet.

          „Wir gehen da gemeinsam durch“, hatte Max Eberl gedacht. Jetzt steht der Gladbacher Sportdirektor alleine im Regen
          „Wir gehen da gemeinsam durch“, hatte Max Eberl gedacht. Jetzt steht der Gladbacher Sportdirektor alleine im Regen : Bild: dpa

          Doch da hatten sie alle die Rechnung ohne den oft zweifelnden und nachdenklichen Coach gemacht. Über die Gründe von Favres zu diesem Zeitpunkt überraschenden Abgang nach viereinhalb erfolgreichen Jahren lässt sich reichlich spekulieren. Einen Einblick in sein Seelenleben ließ Favre nie zu. Allenfalls in Schweizer Medien äußerte er sich hin und wieder über Privates und Gefühle.

          Vogts würde Klopp nehmen

          Denkbar ist aber auch, dass der Schweizer nach den intensiven Jahren im Club mit Fast-Abstieg bis hin zur Champions-League-Teilnahme einfach ausgelaugt ist und nicht mehr die Kraft spürt, das Ruder in dieser Situation noch einmal rumzureißen. Favre war seit Februar 2011 in Mönchengladbach. „Borussia war mausetot“, erklärte er später immer wieder. Nun gibt er nach nur einem Auftritt mit Borussia in der Königsklasse auf. Sein Vertrag läuft noch bis 2017.

          Eine passende Alternative zu Favre gibt es nicht von jetzt auf gleich. Es sei denn, der Rat des früheren Borussen Berti Vogts ließe sich umsetzen. „Borussia hat ein Team, das man nach oben bringen kann, es muss nur wach gerüttelt werden. Jürgen Klopp wäre der ideale Mann dafür“, sagte der frühere Bundestrainer der „Rheinischen Post“.

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