https://www.faz.net/-gtl-9lll3

Nach Ausscheiden im DFB-Pokal : Schalke steht vor Scherbenhaufen

  • Aktualisiert am

Huub Stevens: „Ich habe in den drei Wochen viele Fehler gemacht, ich weiß nur nicht, welche.“ Bild: dpa

Nach dem Pokal-Aus gegen Werder Bremen steht Schalke 04 vor den Trümmern einer völlig verfehlten Personalpolitik. Der hilflose „Jahrhunderttrainer“ Stevens flüchtet sich in Galgenhumor.

          Der FC Schalke 04 gleicht wie sein im Umbau befindliches Vereinsgelände Berger Feld einer Großbaustelle. Zur prekären Lage im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga und dem Pokal-Aus nach dem 0:2 (0:0) im Viertelfinale gegen Werder Bremen gesellen sich weitere Personalprobleme.

          Hinzu kommt die mittlerweile etwas verzweifelt anmutende Suche nach einem Trainer zur neuen Saison, einem Sportdirektor und einem Technischen Direktor. Bis zum Donnerstag konnte der Tabellen-14. noch kein Resultat vermelden. Roger Schmidt ist nach Bruno Labbadia und Marco Rose, der dem Vernehmen nach in Mönchengladbach anheuern will, als dritter Fußball-Lehrer aus dem Kandidatenkreis ausgeschieden.

          Werder weiter im Aufwind

          „Ich will nicht auf das nächste Jahr warten“, sagte dagegen Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt nach dem zwölften Pflichtspiel 2019 ohne Niederlage. Die forsch formulierte Zielsetzung, nach Europa zurückzukehren – in der Winterpause auf Platz zehn noch belächelt – wird immer realistischer.

          Nach dem Erfolg beim Krisenklub Schalke 04 darf beim Bundesliga-Sechsten geträumt werden – von der Rückkehr in den Europacup, neun Jahre nach den letzten Spielen in der Champions League, und vom Endspiel im DFB-Pokal, zehn Jahre nach dem sechsten Pokaltriumph, gerne gegen den alten Rivalen Hamburger SV. „Ein Nordderby im Finale wäre nicht schlecht“, sagte zumindest Stürmer Max Kruse schmunzelnd.

          Stevens bringt Schalke nicht voran

          Dort, wo die Hanseaten stehen, wollte Schalke nach seinem Selbstverständnis eigentlich auch sein – mindestens. Stattdessen steht Huub Stevens vor einem Scherbenhaufen. Wer den hinterlassen hat, weiß der Interimstrainer natürlich. Öffentlich sagen will er es nicht. Schließlich ist der Schalker Jahrhunderttrainer, der in seiner dritten Amtszeit den Abstieg verhindern soll, auch Mitglied des Aufsichtsrates.

          „Ich weiß, woran es liegt“, sagte Stevens und fügte grummelnd hinzu: „Ich kann nicht mehr dazu sagen, ich bin doch nicht verrückt.“ Auf die Frage, ob die Fehler in der Vergangenheit liegen, antwortete der Nachfolger des gefeuerten Domenico Tedesco ironisch: „Ich habe in den drei Wochen viele Fehler gemacht, ich weiß nur nicht, welche.“

          Wer die zwar bemühte, aber spielerisch arg limitierte Schalker Mannschaft bei ihrer wettbewerbsübergreifend zehnten Heimpleite der Saison – und der siebten ohne eigenes Tor – sah, wusste genau, was der Niederländer meinte. Für 160 Millionen Euro hatte der inzwischen zurückgetretene Manager Christian Heidel das Team in knapp drei Jahren umgebaut. Zum Vergleich: Werder gab in derselben Zeit 67 Millionen aus. Die Folgen der völlig verfehlten Schalker Personalpolitik zeigen sich Woche für Woche.

          Hilfloser Haufen: Schalker Spieler nach dem 0:2 gegen Werder Bremen

          Gegen Bremen verstolperte der inklusive aller Boni geschätzte 28 Millionen Euro teure Rekordeinkauf Breel Embolo regelmäßig den Ball oder spielte haarsträubende Fehlpässe. Der vermeintliche Naldo-Nachfolger Salif Sane bewies neben Wacklern in der Abwehr wie beim 0:2 durch Davy Klaassen (72.) erneut, wie harmlos er vor dem gegnerischen Tor ist. Und der erschreckend schwache Linksverteidiger Bastian Oczipka leitete mit einem katastrophalen Fehlpass das 0:1 durch Milot Rashica (65.) ein. Zu viele Ausfälle, um die vage Hoffnung auf ein Happy End einer verkorksten Saison zu erhalten.

          Stevens, der sich nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (sid) gegen mehrere Heidel-Transfers ausgesprochen hatte, muss mit beschränkten Mitteln den Super-Gau verhindern. Denn trotz mittlerweile wieder sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist der Abstiegskampf noch nicht vorbei. Eine weitere Heimpleite am Samstag (15.30 Uhr/Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga) gegen Eintracht Frankfurt würde die Lage verschärfen.

          Bremen dagegen kann am Sonntag (18.00 Uhr/Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga) bei Borussia Mönchengladbach den nächsten Schritt Richtung Europa machen. Auch wenn Werder-Coach Kohfeldt sein Team weiter als „Underdog“ sieht: „Wenn wir uns für das internationale Geschäft qualifizieren, wäre es in meinen Augen eine Sensation. Wenn wir den Pokal holen, auch. Aber wir glauben daran.“

          Weitere Themen

          Keine Mammut-WM in Qatar Video-Seite öffnen

          Nur 32 statt 48 Teams : Keine Mammut-WM in Qatar

          Wie die Fifa bekannt gab werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Qatar genau so viele Teams wie in den letzten Jahren antreten. Zuvor hieß es, die Anzahl an teilnehmenden Nation sollte auf 48 Mannschaften aufgestockt werden.

          Die Erfolge des Niki Lauda Video-Seite öffnen

          Tod einer Formel-1-Legende : Die Erfolge des Niki Lauda

          Der Österreicher Niki Lauda feierte in der Formel 1 große Erfolge und ließ sich auch von Unfällen und Verletzungen nicht unter kriegen. Die rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen. Mit 70 Jahren ist er nun im Kreis der Familie verstorben.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Chinas Präsident Xi Jinping : In der Sackgasse

          Xi Jinping hat in der chinesischen Bevölkerung den Fehlglauben genährt, das Land könne es schon jetzt mit Amerika aufnehmen. Damit hat er Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen kann – und sich so verwundbar gemacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.