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Motorsport : Katja Poensgen: Im Mittelpunkt trotz Mittelmaß

  • Aktualisiert am

Bei Männern und Motoren etabliert: Katja Poensgen Bild: dpa

Die langen blonden Haare klebten in ihrem verschwitzten Gesicht, der Körper schmerzte, doch Katja Poensgen lachte und war mit sich und der Welt zufrieden. „Ich hätte nie gedacht, dass alles so gut klappt. Ich wollte die Qualifikation schaffen und das Rennen zu Ende fahren“, sagte die 24-Jährige aus Heppenheim. Sie stand im Mittelpunkt, obwohl sie beim Großen Motorrad-Preis von Japan in Suzuka nur einen Mittelplatz belegte: Rang 22.

          Katja Poensgen war überglücklich. Und auch ehrlich: „Ich war wahnsinnig nervös. Man darf jetzt keine Wunder erwarten, ich denke deshalb auch nicht an WM-Punkte.“

          Die Heppenheimerin musste sich zwar vom souveränen Sieger Daijiro Katoh (Japan) überrunden lassen, zeigte jedoch eine couragierte Leistung und konnte nach der Zielflagge jubeln. Im Mittelpunkt stand die Motorrad-Lady, die bei ihrer WM-Premiere die ersten männlichen Kollegen zur Verzweiflung brachte.

          Training an der Playstation

          „Ich hatte einen Traumstart, konnte sechs, sieben Fahrer überholen. Die haben ganz schön gestaunt. Dann waren zwei Kollegen hinter mir, kamen aber nicht vorbei. Die sind danach in die Box gefahren, die haben wohl gekniffen“, sagte Katja Poensgen mit diebischer Freude. Dabei hatte der „schnellste Zopf der Welt“ wegen zahlreicher PR-Termine kaum Zeit für eine vernünftige Vorbereitung. Doch Not macht erfinderisch. „Ich hatte zum Glück eine Playstation von der Rennstrecke, das ist fast wie original. Das hat mir sehr geholfen“, berichtete sie.

          Zudem ist die gebürtige Allgäuerin am Mittwoch zu Fuß den Kurs abgegangen, am Samstag nahm sie Hofmann im Training ins „Schlepptau“ und zeigte ihr die Ideallinie auf der 5,8 Kilometer langen Strecke.

          Muskelkater befürchtet

          Nach 18 langen Runden, in denen sie nur einmal vom überlegenen Sieger Katoh überrundet wurde, war Katja Poensgen allerdings richtig platt, wie sie später verriet: „Das war sehr anstrengend, nicht nur für mich als Frau, sondern für alle anderen auch. Ich habe im Winter zwar viel körperlich trainiert, aber im Fitnessstudio kann man nicht unbedingt alle Muskeln trainieren, die man als Motorradrennfahrer braucht. Ich werde wohl einen ordentlichen Muskelkater bekommen.“

          „Ich war nervös wie bei jedem Rennen und habe mich noch 20 Minuten vor dem Start gefragt: Warum tust du dir das eigentlich an? Aber dann war es einfach nur noch schön, gegen die 30 besten Piloten der Welt zu fahren. Und ich habe gezeigt, dass ich wirklich dazu gehöre“, meinte Katja Poensgen stolz. Vor den nächsten Rennen will sie nichts anders machen: „Jetzt wissen alle, dass ich wirklich Motorrad fahren kann und ich kann mich hoffentlich mit mehr Ruhe vorbereiten. Ich habe acht Jahre hart gearbeitet, um endlich Grand Prix fahren zu können. Die Chance will ich unbedingt nutzen“, gab sich die erst dritte Frau innerhalb der WM kämpferisch.

          Feiern in der Karaoke-Bar

          Deshalb steht vor dem nächsten Rennen am 22. April in Südafrika auch weiteres Training auf dem Programm, aber nicht nur: „Jetzt wird in einer Karaoke-Bar gefeiert. Am Montag geht es dann nach Hause, ich muss dringend Wäsche waschen“, sagte Katja Poensgen. Von der männlichen Konkurrenz fühlte sich sie jedoch keineswegs wie eine Waschfrau behandelt.

          „Ich habe kein Problem mit Männern, die hatten auch keins mit mir. Auf der Strecke bin ich natürlich deren Feind, aber im Fahrerlager war alles okay. Ich lerne gerne Leute kennen. Zum Beispiel komme ich prima mit Valentino Rossi aus.“ Der 22 Jahre alte Italiener hatte am Sonntag wie Katja Poensgen WM-Geschichte geschrieben. Rossi machte nicht nur den Honda-Triumph auf der firmeneigenen Rennstrecke von Suzuka perfekt, sondern bescherte den Japanern auch den 500. Sieg in der Straßen-WM.

          Steve Jenkner Siebter

          Angesichts des Rummels um die erste Frau überhaupt in einem WM-Rennen der 250er-Klasse rückten die übrigen deutschen Piloten in den Hintergrund. Poensgens Teamkollege Alexander Hofmann (Bochum) und Klaus Nöhles (Nettetal) holten auf den Plätzen zwölf und 14 erste WM-Punkte, bei der 125ern sorgte der Sachse Steve Jenkner (Hohenstein-Ernstthal) als Siebter für das beste Ergebnis aus deutsche Sicht. Jarno Müller (Limbach-Oberfrohna) und Philip Hafeneger (Solingen) belegten die Ränge 24 und 25. Die Tagessiege gingen alle an Honda-Piloten: Masao Azuma (125), Daijiro Katoh (beide Japan/250) und Valentino Rossi (Italien/500).

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