https://www.faz.net/-gtl-89xvu

MotoGP-Finale : Lorenzo ist neuer Weltmeister - Rossi fehlen fünf Punkte

Start-Ziel-Sieg beim Finale in Valencia: Der Spanier Jorge Lorenzo ist neuer MotoGP-Weltmeister Bild: AP

Jorge Lorenzo ist neuer MotoGP-Weltmeister. Der Yamaha-Pilot sicherte sich beim Grand-Prix-Finale in Valencia mit einem Start-Ziel-Sieg den Triumph. Superstar Valentino Rossi fehlen fünf Punkte zum zehnten WM-Erfolg.

          Sie bildeten ein Spalier für ihn auf dem Weg in die Garage, sie applaudierten ihm, klatschten ab, skandierten seinen Namen. Valentino Rossi wurde nach dem Großen Preis von Spanien am Sonntag empfangen wie ein Weltmeister. Dabei hat der Italiener seinen zehnten Titel knapp verpasst und musste erleben, wie Jorge Lorenzo, sein großer Rivale und Yamaha-Teamkollege, vor Glück auf die Knie sank und großen Mächten zu danken schien. Dabei war sein Erfolg irdischen Kräften geschuldet. Seinen eigenen, weil er ein fehlerfreies Rennen bot. Aber vor allem jeden der beiden Honda-Piloten Marc Márquez und Daniel Pedrosa, die schneller hätten fahren können, am Ende aber einen Nichtangriffspakt mit Lorenzo hatten. Auch wenn Márquez beteuerte: "Ich war dicht am Limit." 

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Ausgangssituation hätte für Rossi kaum schwerer sein können. Nach seinem Tritt gegen Marc Márquez in Sepang vor zwei Wochen und der darauf folgenden Strafe musste er vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen. Lorenzo hingegen hatte sich am Samstag überlegen die Pole Position gesichert. Trotzdem glaubten seine Fans noch an den Italiener. In Travullia, seinem Heimatort, haben die Menschen T-Shirts drucken lassen mit dem Aufdruck „Io sto con Vale“, „Ich stehe hinter Vale“. Auf zwei großen Bildschirmen vor der Kirche wurde das Rennen gezeigt. Auch in mehreren Fußballstadien wurde der Grand-Prix übertragen. Im Olympiastadion von Rom wurden die Toren sogar schon zwei Stunden vor dem Anpfiff des Lokalderbys zwischen geöffnet.

          Weltmeister-Jubel: Jorge Lorenzo (mitte)

          In Valencia saßen mehr als 100 000 Fans auf den Tribünen des Circuit Ricardo Tormo. Kommen wollten noch mehr, der Schwarzmarkt boomte in den Tagen vor dem Rennen. Und obwohl es ein Heimspiel war für Lorenzo, war auch die Unterstützung für Rossi von den Rängen aus groß. Einige hatte Fans hatten sogar angekündigt, die Rennstrecke zu stürmen, falls am Ende Lorenzo auf Titelkurs liegen würden. Die Polizei war in Alarmbereitschaft.

          Um kurz nach 14 Uhr wurde das Feld dann auf die Reise geschickt. Lorenzo entschied den Start für sich, Rossi musste sich Gegner um Gegner nach vorne kämpfen. Nach einer Runde war er immerhin schon Fünfzehnter, eine weitere Umdrehung später war er Zwölfter, hatte aber schon rund fünf Sekunden Rückstand auf Lorenzo. Aber der Italiener wusste, dass er Zweiter werden musste, sollte sein großer Rivale dieses Rennen gewinnen. Nach sieben Runde hatte sich Rossi auf Platz sieben nach vorne gekämpft, fünf Runden später war er sogar Vierter.

          Vor ihm zu diesem Zeitpunkt: Lorenzo und hinter ihm die beiden Honda-Piloten Márquez und Daniel Pedrosa. Rossi hatte durch seine Aufholjagd zehn Sekunden verloren, aus eigener Kraft würde er den Titel nicht mehr gewinnen können - so viel war zu diesem Zeitpunkt sicher. Er war also abhängig von Márquez und Pedrosa. Von den beiden Honda-Fahrer und damit auch von jenem Mann, den er in Malaysia noch von dessen Maschine gekickt hatte. Doch der junge Spanier fuhr einfach nur hinter Lorenzo her, sein Rückstand blieb konstant bei etwa sechs Zehntelsekunden.

          Was ging im Kopf des zweimaligen Weltmeisters vor? Wen wollte er zu seinem Nachfolger krönen? In den Rennen zuvor hatte Márquez stets den Eindruck hinterlassen, alles unternehmen zu wollen, damit er Rossi nicht noch einmal als Champion erleben muss. Aber sein Honda-Team hatte eindringlich an ihn appelliert, für sich und das Team zu fahren und damit vor allem an den eigenen Erfolg zu denken. Zehn Runden vor Schluss machte Márquez erstmals so etwas wie Druck, hielt aber stets einen Sicherheitsabstand zu Lorenzo. Auch Pedrosa schloss wieder zu den beiden auf, er war in der Endphase der schnellste Mann auf der Strecke. Und er war der einzige, der wirklich attackierte. Zwei Runden vor Schluss überholte er Márquez, der allerdings sofort konterte. Nun wurde offensichtlich, was sich schon vorher abgezeichnet hatte.  Márquez hätte jederzeit schneller fahren können, er hätte Rossi helfen können, aber er agierte eher wie die persönliche Leibgarde von Lorenzo. Die WM endete so mit einem spanischen Spiel. Rossi glaubte stets an seine Chance. Aber in Wirklichkeit hat er keine gehabt.

          Weitere Themen

          Ein Este wird der Erste sein

          Rallye-WM : Ein Este wird der Erste sein

          Der Rallyefahrer Ott Tänak ist drauf und dran, die Ära der französischen Rallye-Sieger zu beenden. Außerdem wird er nach der Rallye Deutschland eine Entscheidung bekannt geben.

          Topmeldungen

          Die Pläne der Senderführung beim HR sind ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Mitarbeiter.

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.