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Darts-Weltmeister Anderson : Fallenden Pfeilen zum Trotz

Große Last: Gary Anderson stemmt erstmals den WM-Pokal in die Höhe Bild: pixathlon / action images

Weder die Allianz aus Dartboard und fallenden Pfeilen noch störende Zuschauer können Gary Anderson bremsen: Der Schotte gewinnt zum ersten Mal die Darts-WM nach einem packenden Finale gegen Legende Phil Taylor. Für Anderson ist es die Krönung nach einer Lebenskrise.

          4 Min.

          Phil Taylor ist eigentlich der härteste Gegner, den sich ein Darts-Spieler in einem WM-Finale vorstellen kann. Der 54 Jahre alte Engländer ist schließlich die Inkarnation des Spiels mit den in der Regel zwischen 20 und 30 Gramm schweren Wurfpfeilen, er ist eine lebende Legende nach sechzehn Weltmeisterschaftserfolgen und wird zudem mit seiner vernachlässigenswert kleinen Quote an Endspielniederlagen seinem Ehrennamen „The Power“ gerecht.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das hätte eigentlich schon genügen können, um Gary Anderson am Gewinn seines ersten Weltmeistertitels durch einen 7:6-Sieg im Endspiel des Turniers des Profi-Dartsverbands PDC zu hindern. Aber womöglich war der Gegner Taylor für den 44 Jahre alten Schotten im Verlauf des Spiels zu einer Randfigur geworden. Denn Anderson musste vom neunten Satz an, den die beiden besten von insgesamt 72 WM-Teilnehmern beim Gleichstand von 4:4 in Angriff nahmen mit noch unangenehmeren Gegnern zurechtkommen. Zunächst war es ein Zuschauer, dem es gelegentlich gelang, Anderson trotz der bierseligen Volksfeststimmung im mit mehr als 3000 Besuchern ausverkauften Alexandra Palace mit Rufen zur Unzeit zu stören.

          Zweiter Platz, kleiner Pokal: Phil Taylor nimmt es mit der Gelassenheit eines Rekordweltmeisters
          Zweiter Platz, kleiner Pokal: Phil Taylor nimmt es mit der Gelassenheit eines Rekordweltmeisters : Bild: Lawrence Lustig/PDC

          Und schließlich stellten sich auch noch die Schwerkraft und das Dartboard in einer bösartigen Allianz gegen den 44 Jahre alten Schotten. Immer öfter fielen seine Pfeile aus den Sisalfasern, aus denen das Dartboard gepresst wird. Anderson verlor einmal auf einen Schlag 180 Punkte, den Maximalertrag einer Aufnahme mit drei Würfen, weil seine Darts gemeinsam herunterfielen. Das dürfte die Zweifel vieler Spieler am Hersteller dieser Scheiben weiter schüren. Anderson verkraftete diese Rückschläge indes wie auch weitere Punktverluste durch fallsüchtige Pfeile und lief zu Topform auf. Am Ende besiegte er den erfolgreichsten Spieler der Darts-Geschichte nach zweieinhalb dramatischen Stunden im entscheidenden 13. Satz deutlich mit 3:0 Legs (einzelnen Spielen von 501 abwärts bis null). „Es macht das Ganze noch bedeutsamer, dass ich gegen Phil gewonnen habe. Er ist der Mann, der solche Spiele eigentlich gewinnt“, sagte Anderson, der zuvor bereits Titelverteidiger Michael van Gerwen im Halbfinale besiegt hatte.

          Das Hoch nach der Krise

          Mit seinem ersten WM-Titel hat der Schotte seine Karriere gekrönt, nachdem er 2011 in eine langanhaltende Lebenskrise abgerutscht war. Nachdem sein drogenabhängiger Bruder im Alter von 35 Jahren nach einem Herzinfarkt gestorben war und er kurz darauf auch noch seinen Vater verloren hatte, verging Anderson die Lust am Pfeilewerfen und vor allem am mehrstündigen täglichen Training. Um sein finanzielles Auskommen zu sichern, bestritt er zwar weiter die großen Turniere und rettete sich mit seinem Talent für hohe Aufnahmen mit vielen Treffen ins wertvollste Dreifach-20 Feld, das ihm den Spitznamen „Flying Scotsman“ bescherte, in einigermaßen ertragreiche Runden. In den Duellen auf Spitzenniveau hatte er aber keine Chance, da seine Quote bei den entscheidenden Würfen auf die Doppelfelder am Rande der Dartsscheibe zu schlecht war. Nur mit einem solchen Volltreffer das passende der 20 Doppelfelder oder ins 50 Punkte zählende Bull's Eye in der Mitte der Scheibe kann man ein Leg abschließen.

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