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Michael Schumacher : Schnellster Weltmeister aller Zeiten

  • Aktualisiert am

Champagnerdusche mit Jean Todt Bild: dpa

Der fünfte WM-Titel ist perfekt: In einem dramatischen Rennen beim Großen Preis von Frankreich siegte Michael Schumacher und schrieb Formel-1-Geschichte.

          3 Min.

          Michael Schumacher hat mit dem schnellsten Titelgewinn Formel-1-Geschichte geschrieben und sich mit einer Herz erweichenden Liebeserklärung bei seinem Team bedankt.

          „Ihr seid alle fantastisch“, sagte er den Ferrari-Mitarbeitern zu Tränen gerührt: „Ich liebe euch alle.“ Trotz eines Missgeschicks hatte sich der Ferrari-Star am Sonntag beim Großen Preis von Frankreich vorzeitig zum fünften Mal zum Weltmeister gekrönt.

          Würdigung durch den Kanzler

          Er stellte damit den Rekord des legendären Argentiniers Juan Manuel Fangio ein und kommt mit 62 Punkten Vorsprung als alter und neuer Motorsport-König zum Heimrennen in sieben Tagen in Hockenheim. Der Bundeskanzler gratulierte. Gerhard Schröder würdigte die Erfolge das Kerpeners als „einzigartige Karriere“.

          Triumphfahrt: Michael Schumacher
          Triumphfahrt: Michael Schumacher : Bild: dpa

          Die Emotionen überwältigten den Champion. Noch im Auto rollten die Tränen. Nach der Ehrenrunde umarmte er seine Lieben. „Wer mich kennt, weiß, dass es mir in solchen Situationen immer schwer fällt, die richtigen Worte zu finden“, begann sein Kommentar in der Pressekonferenz.

          Liebeserklärung ans Team

          Er schwärmte: „Was wir in den letzten Jahren zusammen erreicht haben, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Diese Freundlichkeit, diese Bereitschaft alles zu geben, ist etwas, das ich vorher nicht kannte.“ Das Wort „Danke“ sei sehr klein, „für alles, was ihr für mich getan habt.“

          Gleichzeitig kündigte er an: „Wir haben das Potenzial, noch mehr Titel zu gewinnen.“ Ein Überholmanöver in der fünftletzten Runde sicherte Schumacher in Magny-Cours den achten Saisonsieg vor den Silberpfeil-Piloten Kimi Räikkönen und David Coulthard.

          Überholmanöver war rechtens

          Doch dann musste der Champion noch zittern. Die Rennkommissare untersuchten Schumachers Überholmanöver in der 68. Runde, als er an dem führenden Kimi Räikkönen vorbeigezogen war und sich so den achten Saisonsieg vor dem Finnen und dessen McLaren-Mercedes-Kollegen David Coulthard gesichert hatte.

          Der Vorwurf lautete auf regelwidriges Überholen unter Gelber Flagge. Zweieinhalb Stunden nach Rennende kam die Entwarnung. McLaren verzichtete auf einen Protest. Die Stewards entschieden nach der Anhörung von Piloten und Team-Verantwortlichen, dass keine weiteren Schritte unternommen werden.

          Der eigens nach dem Sieg eingeflogene Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo schrie in die Kameras: „Wir sind Weltmeister.“ Die große WM-Party wurde dennoch vertagt. „Wir haben nichts geplant“, so Schumacher. Sein Manager Willi Weber kündigte eine Fete in Deutschland an: „Wir trinken ein Gläschen, fahren nach Hause und feiern dann in Hockenheim.“

          Eiliger Titelgewinn

          Schumacher ist definitiv in den ausstehenden sechs Rennen nicht mehr einzuholen. Gleichzeitig gelang dem Kerpener ein Titel-Hattrick: 2000, 2001 und 2001 feierte er mit Ferrari, zuvor war er 1994 und '95 mit Benetton Weltmeister geworden. Mit der vorzeitigen Entscheidung im 11. von 17 Saisonrennen überholte Schumacher auch Nigel Mansell (11/16) in der Rangliste der „eiligsten“ Titelgewinner.

          Nach 11 Rennen hat der 33-Jährige 96 Punkte. Juan Pablo Montoya (34) ist Zweiter vor den punktgleichen Ralf Schumacher und Rubens Barrichello (32). Selbst wenn er von nun an immer ausfallen würde, ist dem Ferrari-Star der Turbo-Titel nicht mehr zu nehmen. Montoya wurde im Rennen Vierter vor seinem Williams-BMW-Kollegen Ralf Schumacher.

          Barrichello blieb am Start stehen

          Die Konkurrenz erkannte den Erfolg neidlos an. „Gratulation an Michael Schumacher, Ferrari und Bridgestone. Sie waren die Besten“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. „Fünf Titel sind ein außergewöhnlicher Rekord. Er hat die WM verdient“, meinte der Schotte David Coulthard.

          Schumachers mitgereiste Ehefrau Corinna jubelte: „Fünf Mal, das ist Wahnsinn.“ Seit 17 Rennen ist Schumacher nicht mehr ausgefallen, damit stellte er den Rekord Niki Laudas von 1976 ein. Dafür erwischte es wieder einmal seinen Kollegen Barrichello knüppeldick: Am Vorstart war sein Auto noch auf dem Wagenheber aufgebockt, während das Feld davon brauste.

          Weiße Linie überfahren

          Die ersten Boxenstopps schienen dem als Zweiter hinter Montoya gestarteten Schumacher den entscheidenden Vorteil zu bringen: Montoya tankte in der 25. Runde, Schumacher blieb zwei Runden länger draußen und überholte den Kolumbianer bei der Rückkehr vom eigenen Stopp.

          Doch dem Rheinländer passierte ein Fehler: Er überfuhr regelwidrig die weiße Linie nach der Boxenausfahrt. Die Mechaniker in der Williams-Box jubelten, die Rennkommissare reagierten umgehend. Schumacher wurde eine „Durchfahr-Strafe“ (drive through time penalty) aufgebrummt, durch die er hinter Räikkönen zurück fiel.

          Fataler Fehler des Finnen

          Seinem Bruder Ralf sowie Coulthard unterlief später der gleiche Fehler, Montoya fiel ebenfalls zurück. So hatte Schumacher nur noch Räikkönen vor sich. Als der Finne auf einer Ölspur ausrutschte, zog der Weltmeister vorbei.

          „Die letzten Runden danach waren die schlimmsten in meiner Karriere. Plötzlich habe ich den ganzen Druck verspürt, jetzt ja keinen Fehler mehr zu machen, wie ich ihn so stark noch nie empfunden hatte“, berichtete Schumacher.

          Vertragsverlängerung bis 2006?

          Er habe vor dem Wochenende überhaupt nicht mit der vorzeitigen Titel-Entscheidung gerechnet, deshalb sei er gelassen ins Rennen gegangen. „Erst als Rubens stehen blieb und Montoya Probleme hatte, habe ich langsam daran geglaubt.“ Schumacher kann mit Ferrari womöglich noch viele Titel holen.

          Sein Manager Willi Weber hat angekündigt, dass der Kerpener seinen bis 2004 laufenden Vertrag mit den Italienern vielleicht bis 2006 verlängert. Seit 1996 fährt „Schumi“ für das Team. Er ist der dienstälteste Pilot in der Geschichte der „Scuderia“.

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