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Michael Schumacher : Ferrari im Freudentaumel

  • Aktualisiert am

Triumphator Bild: dpa

Der Freudentaumel der Ferrari-Fans kennt keine Grenzen. Sogar die Staatschefs aus Italien und Deutschland huldigen die lebende Legende Michael Schumacher.

          2 Min.

          Mit seinem fünften WM-Triumph schon in Frankreich hat Michael Schumacher die Ferrari-Fans in Italien in einen spontanen Freudentaumel gestürzt.

          Während die Tifosi in Maranello bis tief in die Nacht Michael Schumachers fünften WM-Triumph feierten, machte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo dem Kerpener das vielleicht schönste Geschenk.

          Präsident bleibt bei Ferrari

          Der 55-Jährige wischte alle Spekulationen um seinen möglichen Abschied von Ferrari vom Tisch. „Ich bleibe, denn ich habe mit Ferrari eine Lebensbeziehung. In letzter Zeit hatte ich ein bisschen Ärger, aber bei diesen Erfolgen bleibt einem nichts anderes übrig, als zu bleiben und sich zu freuen“, sagte di Montezemolo nach Schumachers drittem WM-Titel in Serie.

          Freudetrunken: Ferrari-Fans in Italien
          Freudetrunken: Ferrari-Fans in Italien : Bild: AP

          „Manchmal lässt mich Ferrari leiden, oft bin ich aber sehr zufrieden. Ich widme diesen Titel ganz Italien und allen, die sich für die Formel 1 begeistern“, meinte der Ferrari-Präsident. Zuvor hatte auch Teamchef Jean Todt Befürchtungen zerstreut, Montezemolo könnte sich nach einem Streit um den Verkauf von Ferrari-Anteilen durch die Mutter-Gesellschaft Fiat zurückziehen und damit das von Schumacher so geschätzte „Dream Team“ sprengen. „Wir bleiben noch lange zusammen, alle“, sagte der Franzose.

          Gratulation von den Staatschefs

          Großes Lob kassierte Schumacher, dem nach Bundeskanzler Gerhard Schröder auch der italienische Staatschef Carlo Azeglio Ciampi zu „einer großartigen Leistung“ gratulierte, von Fiat-Ehrenpräsident Gianni Agnelli.

          „Schumacher wird der größte Fahrer aller Zeiten und die Legende Fangio überholen“, meinte die 81 Jahre alte graue Eminenz des Konzerns: „Es war ein tolles Rennen, bravo Schumacher und bravo Ferrari. Ein großartiger Champion, ein tolles Auto und fantastische Techniker machen aus Ferrari eine unschlagbare Mannschaft.“

          Ein Auto als Religion

          In Maranello hatten wie in Schumachers Heimatstadt Kerpen die Fans die Nacht zum Tag gemacht. Vor dem Ferrari-Werk veranstalteten die Tifosi einen Autokorso. Dazu hingen sie ein Spruchband auf: „Schumacher, danke für die Freude, die Du uns schenkst.“

          „Ferrari ist in Maranello eine Religion. Wie alle Einwohner von Maranello denke ich, dass Ferrari anders wäre, wenn die Fabrik nicht hier wäre. Maranello hat den Ferrari-Mythos auch in dunklen Zeiten genährt“, sagte Bürgermeister Giancarlo Bertacchini.

          Improvisierte Partys

          Die meisten Tifosi hatten sich erst bei Schumachers Heimrennen in Hockenheim am nächsten Wochenende auf die große WM-Feier eingerichtet. Aber als Meister der Improvisation organisierten die Tifosi sofort in ganz Italien Siegespartys.

          „Grande Schumi, du bist der Größte“, jubelten zehntausende Fans, die neben dem Deutschen „den besten Ferrari aller Zeiten“ feierten.

          Ausnahmezustand in Maranello

          Allein in der Ferrari-Hauptstadt in Maranello bejubelten tausende „Ferraristi“ den WM-Triumph. Die rot gekleidete Fans zogen mit Ferrari-Fahnen durch den Ort zum Ferrari-Werk und zum Kirchplatz, wo Pfarrer Don Bernasconi zum Zeichen des Sieges die Kirchengkocken läutete. „Schumi jetzt bist Du eine Legende“, bejubelten die Fans den Deutschen, der die „Rote Göttin“ zum überlegendsten WM-Sieg bisher gesteuert hat.

          In den Metropolen wie Rom, Mailand, Neapel und Turin feierten die Tifosi mit hupenden Autocorsi den Sieg. Mit Ferrari-Fahnen, Fanfahren und Trillerpfeifen zogen sie durch die Straßen auf die großen Plätze. An den Urlaubsstränden Italiens stiegen hunderte von spontanen Ferrari-Partys. Überall hatten die Strandbars Fernseher aufgestellt, um die sich die Sonnenanbeter am Sonntagnachmittag scharten.

          Chef nicht überrascht

          Als der Rheinländer nach dem Sieg in Magny-Cours gerührt seinem Team dankte und „ich liebe Euch alle“ rief, kannte der Jubel der Tifosi keine Grenzen mehr. Den in den ersten Jahren als kalt und leidenschaftslos betrachteten Deutschen sehen die Italiener nun endgültig als einen der ihren an.

          „Das Auditorium Enzo Ferrari in Maranello ist beinahe explodiert“, berichtete das italienische Fernsehen am Sonntag, als 600 treue Ferrari-Fans vor der Großbildleinwand aufschrieen und es keinen mehr auf den Stühlen hielt.

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