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Michael Schumacher : Bewunderung für die lebende Legende

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Mythos Schumacher: „Außergewöhnlich, historisch, grandios” Bild: dpa

Michael Schumacher wird europaweit gefeiert: In der Mixtur aus Bewunderung und Anerkennung überschlägt sich die internationale Presse mit Superlativen.

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          Michael Schumacher wird uneingeschränkt gefeiert. „Außergewöhnlich. Historisch. Grandios. Sämtliche Superlative gehen einem aus, um den fünften Weltmeisterschaftstitel von Michael Schumacher zu würdigen.“

          So bringt die französische Tageszeitung „Le Figaro“ Bewunderung und Anerkennung für den 33-jährigen Kerpener auf einen gemeinsamen Nenner. Ganz außergewöhnlich reagiert auch Frankreichs größte Sportzeitung „L'Equipe“: Sie feiert Schumacher mit großem Aufmacher über drei Viertel der Titelseite.

          Für Landsmann Richard Virenque und seine Siegesfahrt bei der Tour de France auf den berüchtigten Mont Ventoux bleibt nur im unteren Viertel Platz. „Schumi stößt zu den Legenden. Er geht in den Pantheon der Sportgrößen ein“, schreibt das Blatt, das dem Deutschen die ersten vollen sieben Seiten widmet.

          Auf Händen getragen: Michael Schumacher
          Auf Händen getragen: Michael Schumacher : Bild: dpa

          Ansturm auf Hockenheim-Tickets

          Der Ferrari-Pilot wird von allen Blättern zumindest auf einer Stufe mit dem Argentinier Juan Manuel Fangio gesehen. „Schumacher erreicht den Mythos eines Juan Manuel Fangio“, schreibt Spaniens „Marca“ und Italiens „La Gazzetta dello Sport“ betont: „Legendär: Schumi ist wie Fangio. Schumacher ist kein Pilot, er ist ein Kannibale.“

          Die ganz große Weltmeister-Fete soll in Hockenheim steigen. Dort hat ein Ansturm auf die Karten für den Großen Preis von Deutschland am Sonntag eingesetzt. „Bei uns laufen die Telefone heiß, weil alle Leute mit dem Weltmeister Party feiern wollen“, sagte Hartmut Tesseraux, der Sprecher der Hockenheimring GmbH.

          „Ich freue mich auf meine Kinder“

          Doch der wollte nach dem schnellsten Titel am Montag nur noch eins: „Jetzt freue ich mich auf meine Kinder.“ Die offizielle Titelparty von Schumacher und Ferrari soll nach Angaben seines Managers Willi Weber am Sonntag in Speyer stattfinden.

          Zuvor läuft die Weltmeister-Vermarktung an. Während sich der Champion zwei Tage zu Hause erholt, beginnt die Produktion der 100.000 Weltmeister-Kappen. Sie sollen demnächst im Rahmen einer Benefiz-Aktion in 2000 Bäckerei-Filialen zum Preis von 25 Euro verkauft werden.

          Einnahmen von 600 Millionen Euro

          Erst der WM-Titel, dann das Geschäft. Etwa 350 neue Produkte der eigenen Kollektion sollen bis zum Heimrennen am Sonntag in Hockenheim auf den Markt kommen. Nach ersten Schätzungen ist der fünfte WM-Titel im Merchandising-Bereich vermutlich 10 Millionen Euro wert. Nach neuesten Hochrechnungen italienischer Medien werden sich Schumachers Gesamteinnahmen nach Ablauf seines Ferrari-Vertrages 2004 auf rund 600 Millionen Euro belaufen.

          Aber auch der völlig ungeplante Abend in Magny-Cours hatte was. Erst gab es ein internes Essen im Restaurant „La Renaissance“, verborgen hinter hohen Hecken. Dann wurde dort ein Zimmer ausgeräumt, Stereoanlage und Lichtorgel herbeigeschafft. Der Weltmeister drängte die Kollegen auf die Tanzfläche und feierte feucht fröhlich bis spät in die Nacht.

          Huldigungen von allen Seiten

          Schumacher wird auch nach dem schon im elften Rennen entschiedenen Titelkampf nicht nachlassen. „Es gibt keine Zahl, die mich herausfordert, es gibt nur wieder jedes Rennen aufs Neue. Es ist nicht so, als hätte ich alles erreicht“, blickte der 33-Jährige nach vorne. „Ganz oben“ hört man das gern: „Schumacher ist ein großer Champion“, schwärmte Fiat-Besitzer Gianni Agnelli und fügte hinzu: „Jetzt hoffe ich, dass er den Rekord von Fangio übertrifft und zum größten Piloten aller Zeiten wird.“

          Bereits nach dem fünften Titel konnte sich der Kerpener vor Superlativen kaum retten. „Schumacher ist der Allergrößte“, fand Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Fast alle Rekorde hat Schumacher gebrochen, doch auf eine Stufe mit Fangio wollte er nicht. „Der Mann hat in meinen Augen zu seiner Zeit so viel mehr erreicht, als ich das je könnte“, meinte der 61-malige Grand-Prix-Sieger.

          „Ich bin ein ganz normaler Mensch“

          Ob er denn jetzt eine lebende Legende sei, wurde er gefragt: „Ich bin ein ganz normaler Mensch, der ein bisschen schneller Autofahren kann als andere.“ Und wieder: „Das Team ist die Legende.“

          Nachdem sich Schumacher die WM mit 62 Punkten Vorsprung gesichert hatte, gab es ein doppeltes Happy-End: Di Montezemolo kündigte an, nun doch nicht mehr an Rücktritt zu denken. „Dieser Sieg und diese enge Beziehung zu den fantastischen Leuten hier drängen mich dazu, noch vieles mehr zu schaffen, noch fünf große Jahre mit Ferrari“, zitierte die „Gazzetta“ den Präsidenten.

          Weitermachen für das nächstjährige Auto

          In dieser Saison wollen die Roten weitermachen wie bisher. Zunächst ist der erneute Gewinn der Konstrukteurs-WM, wo Ferrari ebenfalls haushoch mit 62 Punkten Vorsprung vor Williams-BMW führt, im Visier. Dann gilt alle Konzentration der technischen Entwicklung. „Es ist eine unserer Stärken, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben“, erklärte Teamchef Todt.

          „Alles was wir jetzt für das 2002- Auto tun, tun wir auch für das nächstjährige Auto. Es wäre das schlechteste, wenn wir jetzt mit der Entwicklung aufhören sollten.“

          Noch rund 20.000 Tickets zu haben

          Vorerst hoffen die Veranstalter in Schumachers Heimat, ordentlich von den Erfolgen des Kerpeners profitieren zu können. In der Vorwoche war spekuliert worden, dass nur eine WM-Entscheidung in Hockenheim den Absatz ankurbeln würde.

          Jetzt kommen die Fans offenbar dennoch in Scharen. Erstmals seit Jahren gibt es für den Grand Prix wieder Tageskarten, nachdem vor dem Wochenende noch rund 20.000 der 120.000 Tickets zu haben waren. Die Kapazität des umgebauten Rings ist in diesem Jahr um rund 40.000 höher als bisher.

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