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Zweiter Dopingfall der Tour : Keine Frage des Alters, sondern der Mentalität

  • Aktualisiert am

Er flog beim Einzelzeitfahren auf: Moises Duenas Nevado Bild: REUTERS

Moises Dueñas Nevado ist zehn Jahre jünger als Manuel Beltran, der vergangene Woche überführt wurde. In Nevados Hotelzimmer wurden Dopingmittel gefunden. Das zeigt: Doping ist keine Generationenfrage. Es passe „ins Bild“, dass wieder ein Spanier erwischt wurde, sagte Gerolsteiner-Chef Holczer.

          Die 95. Tour de France schreibt die Skandal-Chronik ihrer jüngsten Vergangenheit fort und fügte mit dem Doping-Fall Dueñas Nevado ein weiteres dunkles Kapital hinzu. Der zweite ertappte Sünder der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hat alle Hoffnungen auf ein sauberes Rennen zunichtegemacht und könnte als erster Fahrer der Tour-Geschichte mit einer Haftstrafe wegen Dopings belangt werden.

          Kurz vor dem Start der 11. Etappe in Lannemezan wurde bekannt, dass der Spanier Moises Dueñas Nevado nach dem von Stefan Schumacher gewonnenen Zeitfahren rund um Cholet am vergangenen Dienstag positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet worden war. Bei einer Razzia in seinem Hotelzimmer stellte die französische Polizei zudem verbotene Substanzen sicher.

          Die Präparate auf dem Hotelzimmer

          Sein britisches Barloworld-Team, das die Tour fortsetzte, suspendierte den bisherigen Gesamt-19. mit sofortiger Wirkung. „Mit diesem Problem muss jetzt jedes Radsport-Ereignis kämpfen. Wir finden die Betrüger“, kommentierte Tour-Direktor Christian Prudhomme die zweite Hiobsbotschaft dieser Rundfahrt nach dem Doping-Fall Manuel Beltran.

          Positiv auf Epo getestet: Moises Duenas Nevado

          Zu diesem Zeitpunkt wusste Prudhomme noch nicht, dass es noch schlimmer kommen sollte: Am Nachmittag wurde bekannt, dass die Kommissare im Hotel Rex in Tarbes bei dem 27-Jährigen Präparate sichergestellt hatten. Der Team-Arzt habe Dueñas Nevado die Medikamente nicht verschrieben, teilte dessen Equipe mit. „Wir sind absolut fassungslos über das, was geschehen ist, und über das Verhalten eines unserer Fahrer“, sagte Barloworld-Manager Claudio Corti.

          Dueñas Nevado drohen bis zu fünf Jahre Haft

          Dueñas Nevado habe die Präparate vor allen versteckt. Nun droht dem Spanier eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren und eine Geldbuße von 75 000 Euro. Diese drakonischen Sanktionen sieht das verschärfte französische Anti-Doping-Gesetz im Fall von Besitzstrafbarkeit vor. Es wurde kurz vor Tour-Beginn ratifiziert. „Es ist interessant festzustellen, dass der zweite spanische Fahrer erwischt wurde“, kommentierte Weltverband-Präsident Pat McQuaid.

          Um 9.00 Uhr morgens hatte das Großaufgebot der Polizei zugeschlagen. Beamte und ein Vertreter der französischen Anti-Doping- Agentur AFLD durchsuchten Duenas Nevados Hotelzimmer und nahmen den 27-Jährigen anschließend mit aufs Revier, um ihn stundenlang zu verhören. „Das Team und der Fahrer waren geschockt. Wir haben ihn aus dem Rennen genommen und warten auf die B-Probe“, erklärte Barloworld- Sprecher Claudio Masnata.

          „Das wird wohl so weitergehen“, sagt Bob Stapleton

          Sollte dem Team eine Mitschuld nachgewiesen werden, muss Barloworld eine Strafe von 100.000 Euro an die AFLD zahlen und das Rennen verlassen. Im Fahrerlager und unter den Teamchefs wurde die neuerliche Schreckensmeldung gelassen aufgenommen - von Hektik oder Panik keine Spur: Doping ist fast schon Routine. „Es ist gut, dass Leute rausgefischt werden. Das wird wohl noch so weitergehen“, sagte Columbia-Boss Bob Stapleton der Deutschen Presse-Agentur dpa.

          Vor Dueñas Nevado war nach der 1. Etappe dessen Landsmann Beltran als erster EPO-Konsument der Tour 2008 überführt worden. Damit wandelt die „Große Schleife“ auf den verseuchten Spuren von 2007, als die Spitzenfahrer Alexander Winokurow (Kasachstan) und Iban Mayo (Spanien) sowie der Italiener Cristian Moreni als Dopingsünder entlarvt wurden. Zudem wurde während der Tour der Fall Patrik Sinkewitz bekannt, direkt danach wiesen Fahnder Winokurows Landsmann Andrej Kaschetschkin beim Familienurlaub in der Türkei Fremdblutdoping nach.

          Gerüchte auch um Moreau

          Es passe „ins Bild“, dass mit Duenas Nevado wieder ein Spanier erwischt wurde, sagte Hans-Michael Holczer. Der Gerolsteiner-Chef berichtete, dass zuvor am Ruhetag in Pau jeweils die beiden bestplatzierten Fahrer jeder Equipe einer Blut-Kontrolle unterzogen worden waren. Mit Dueñas Nevado dürfte das Ende der Fahnenstange in Sachen Doping bei dieser Tour noch nicht erreicht sein. So ranken sich um den populären Franzosen Christoph Moreau, den letzten sportlich Überlebenden des Skandal-Teams Festina von 1998, erneut Doping- Gerüchte.

          „Ich bestätige nochmals, dass mein Name nicht auf dieser Liste steht. Mittlerweile müssen wir uns rechtfertigen, wenn wir gewinnen, wenn wir eine Niederlage erleiden oder wenn wir wie ich wegen Schmerzen aussteigen“, sagte der 37 Jahre alte Moreau, der während der 7. Etappe wegen Rückenbeschwerden aufgab, der „L'Équipe“.

          Das Generationen-Argument zieht nicht

          Das Damoklesschwert weiterer Doping-Fälle wird die Tour wohl so schnell nicht los. So soll es laut der französischen Zeitung eine Liste von „fünf Fahrern“ geben, deren Hormonspiegel und Blutbilder erhebliche Auffälligkeiten aufwiesen. Die AFLD sprach von „etwa 20 Profis“, die Test-Ergebnisse nahe am Grenzwert gehabt hätten.

          Hatten Team-Leiter, Organisatoren und Fahrer den Doping-Fall des 37 Jahre alten Beltran noch als Dummheit eines Ewig-Gestrigen abgetan, ist dieses Argument beim zehn Jahre jüngeren Dueñas Nevado nicht mehr stichhaltig. Für Stapleton ist das ohnehin keine Generationsfrage: „Das ist keine Frage des Alters, sondern der Mentalität.“ Als bisher größten Erfolg seiner Karriere hatte Dueñas Nevado 2006 den Gesamtsieg bei der Tour de L'Avenir („Tour der Zukunft“) verbucht.

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