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Zum Tode Hans Hansens : Behutsamer Brückenbauer

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Bedeutender Sportfunktionär: Hans Hansen Bild: AP

Hans Hansen ist als „Mann der Basis“ und als Verfechter der leisen Töne geschätzt worden. Viele Initiativen beruhten auf seinem Antrieb. Am Mittwoch verstarb der „Vereinigungspräsident“ des deutschen Sport im Alter von 81 Jahren.

          Hans Hansen zählte nach dem Zweiten Weltkrieg zu denjenigen, die die Basis für den sportlichen Wiederbeginn legten. 1946, als Zwanzigjähriger, Mitbegründer des Kreissportverbandes Flensburg, arbeitete er sich mit Fleiß und Kompetenz bis an die Spitze des deutschen Sports: 1986 wurde der Segler und Tennisspieler aus Leidenschaft Präsident des damaligen Deutschen Sportbundes (DSB).

          Aus dem Schatten seiner großen Vorgänger Willy Weyer und Willi Daume zu treten gelang ihm in seiner stillen, leisen Art, die manche als Führungs- und Entscheidungsschwäche auslegten, lange nicht. In seiner achtjährigen Amtszeit - 1994 folgte ihm Manfred von Richthofen - erwarb er sich den Ruf als „Mann der Basis“. Doch seinem Nachfolger hinterließ er viele offene Fragen aus den sportpolitischen Folgen der deutschen Wiedervereinigung 1990, Stichworte Doping, Stasi, Finanzierung.

          Zahlreiche wichtige Stationen als Funktionär

          Viele Initiativen für den Breiten- und Leistungssport sind mit Hansens Namen verbunden. Dabei konnte er sich auf seine Verbindungen zur Politik verlassen. Zunächst als Journalist und Kaufmann tätig, wechselte Hansen 1963 in den schleswig-holsteinischen Landtag, wo das CDU-Mitglied lange Jahre als Pressechef amtierte und nach der Barschel-Affäre bis Mai 1988 kurzzeitig auch die Funktion des Regierungssprechers innehatte.

          Wichtige Stationen seiner Funktionärslaufbahn waren der Vorsitz im Fußballverband von Schleswig-Holstein (1966 bis 1974) sowie seine Aufnahme in den Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes 1967 (bis 1986); die Liebe zu seinem alten Beruf als Journalist lebte er bei seinen Einsätzen als Pressesprecher der Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 1974 sowie bei Olympia 1976 in Montreal und 1988 in Seoul aus.

          Doping- und Stasi-Problematik als heikles Thema

          Seine erste Amtszeit an der DSB-Spitze war durch heftige Auseinandersetzungen gekennzeichnet. So führten Kompetenzstreitigkeiten 1989 zum Rücktritt des profilierten DSB-Generalsekretärs Karl-Heinz Gieseler. Neben personalpolitischen Querelen machte Hansen auch die Diskussion um die Gemeinnützigkeit der Vereine zu schaffen, die letztlich mit dem Vereinsförderungsgesetz positiv entschieden wurde. Der harmoniebedürftige Hansen war stets bestrebt, Spannungen zwischen Breiten- und Leistungssport zu befrieden.

          Seine unangefochtene Wiederwahl 1990 bewies eine gewachsene, solide Vertrauensbasis. Die zweite Amtszeit des Norddeutschen wurde gekennzeichnet durch das Ende der DDR und die Aufnahme der fünf ostdeutschen Landessportbünde in den DSB. Hansen räumte selbst Defizite bei der „inneren Vereinigung“ ein. Auch der „Goldene Plan Ost“ zum Aufbau den Sports auf dem Gebiet der früheren DDR kam nicht wie gewünscht voran. Zu einem heiklen Dauerthema entwickelte sich die vom DSB unterschätzte, bis heute nicht gelöste Doping- und Stasi-Problematik.

          „Einsatz für Sport und Land bleibt unvergessen“

          Hansen versuchte, behutsam aufzuklären und zu integrieren, was wohl nicht immer der richtige Weg war. Klarheit und Strenge haben bisweilen gefehlt. Schließlich musste er seinen Platz räumen, ohne den Brückenschlag zwischen Ost und West durch den Sport geschafft zu haben. Von der Wiedervereinigung ein bisschen überfordert, bilanzierte Hansen, seine acht Jahre als erster Mann des DSB hätten sich trotz einer „Menge Ärger“ gelohnt.

          Bis 2001 war er noch Präsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein, dann zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Der Mann, für den Sport der wichtigste Lebensinhalt war, ist am Mittwoch im Alter von 81 Jahren gestorben. „Hans Hansen hat die Erfolgsgeschichte des Sports in Schleswig-Holstein geschrieben. Sein Einsatz für den Sport und für unser Land bleibt unvergessen“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). „Hans Hansen hat längst einen angemessenen Platz im Geschichtsbuch des deutschen Sports“, sagte der ehemalige DSB-Präsident Manfred von Richthofen.

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