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Zukunft des Radsports : Alles hängt vom Fernsehen ab

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„Im Moment liegt das Image des Radsports zwischem einem Gebrauchtwagenverkäufer und einem Investmentbanker”: Jörg Jaksche Bild: ZB

Ist der deutsche Radsport bereits tot? Das öffentlich-rechtliche Fernsehen berät über den Ausstieg aus den Live-Übertragungen, das Stuttgarter Sechstagerennen hat das Handtuch geworfen, und der geständige Dopingsünder Jaksche malt ein düsteres Bild.

          Ist der deutsche Radsport bereits tot? Das öffentlich-rechtliche Fernsehen jedenfalls berät angesichts der jüngsten Dopingfälle über den Ausstieg aus den Live-Übertragungen, das Stuttgarter Sechstagerennen hat das Handtuch geworfen, und der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche erklärt: „Im Moment liegt das Image des Radsports zwischem einem Gebrauchtwagenverkäufer und einem Investmentbanker.“

          Im vergangenen Jahr wurden bereits die Niedersachsen- und die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt abgesagt, die Deutschland-Tour ist auf ein positives Urteil der Fernsehanstalten angewiesen. Davon wird auch abhängen, ob der letzte große Rennstall hierzulande, das Team Milram, sein Engagement fortsetzt.

          „Man muss immer den Medienmix sehen“

          „Wir haben nicht vor, auszusteigen“, erklärt zwar Martin Mischel, der Marketing-Vorstand von Nordmilch. Steigt das Fernsehen aus, will der Sponsor seinen Auftritt im Radsport überdenken. „Man muss immer den Medienmix sehen. Wenn sich die Verhältnisse ändern, wird es eine neue Gesamtbeurteilung geben. Aber das wird erst im nächsten Jahr erfolgen.“

          Pat McQuaid, der Präsident des Internationalen Radsportverbandes (UCI), hat derweil eine längt bekannte Modifikation der Anti-Doping-Regeln angekündigt: Die Möglichkeit, von 2009 an Vier-Jahres-Sperren für Doping-Erstvergehen auszusprechen. Diese Flexibilität nach oben schafft der neue Welt-Anti-Doping-Kodex, der bereits vor einem knappen Jahr in Madrid beschlossen wurde. McQuaid erklärte, er persönlich sei sogar für eine lebenslange Sperre, müsse sich aber dem übergeordneten Regelwerk fügen.

          „Das Rennen hat ja schon öfter gewackelt“

          „Ich möchte diese Betrüger für immer aus dem Sport haben“, sagt der Ire. Damit meint er gegenwärtig den Nürtinger Stefan Schumacher und den Österreicher Bernhard Kohl, beide Gerolsteiner-Profis, denen in während der Tour de France entnommenen A-Proben Spuren des Blutdoping-Mittels Cera nachgewiesen wurden. Kohl will sich an diesem Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien erstmals zu den Vorwürfen äußern.

          Die Bahnrad-Szene reagiert erbost und enttäuscht auf die Absage der Stuttgarter Sixfays, die vom 15. bis 20. Januar hätten stattfinden sollen. Der frühere Profi Gerd Dörich vermutet hinter der Absage auch Kalkül. „Das Rennen hat ja schon öfter aus finanziellen Gründen gewackelt. Vielleicht wurde jetzt auch nur ein Vorwand gefunden, um keine roten Zahlen schreiben zu müssen.“ Auch Frank Minder, Mit-Veranstalter des Bremer Sechstagerennens, vermutet, dass in Stuttgart „die Doping-Affäre als Alibi genommen wird.“ Die Sechstagerennen in Bremen, Berlin, Dortmund und München werden wie geplant stattfinden.

          „Wettbewerbsverstoß, wo es um viel Geld geht“

          Auch die alte Diskussion über Doping als möglichen Betrugs-Straftatbestand ist wieder entbrannt. Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) plädiert dafür, die Gesetzgebung entsprechend zu ändern. Für ihn sei die Einnahme ein „klarer Wettbewerbsverstoß in einer Branche, in der es um sehr viel Geld geht. In der Wirtschaft ist so etwas strafbar. Warum das im Sport anders sein soll, verstehe ich nicht.“

          In einem Interview mit den „Stuttgarter Nachrichten“ erklärte der Politiker, eine reine Sportgerichtsbarkeit reiche im Anti-Doping-Kampf nicht aus. Das aktuelle Radsport-Problem ist so schwäbisch wie noch nie: Schumacher stammt aus Nürtingen, Hans-Michael Holczer, der angeblich von seinen Fahrern schwer getäuschte Gerolsteiner-Teamchef, aus Herrenberg.

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