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Zeitfahrer Tony Martin : Neuanfang hinter Gnadenwald

  • -Aktualisiert am

Ein letztes Mal vorneweg: Die Beziehung zu seinem Team ist für Tony Martin nicht mehr zu kitten. Bild: dpa

Die Rad-WM ist für Tony Martin nur eine Etappe auf dem Weg in eine „schöne Zukunft“ als Radprofi im reifen Alter. In Innsbruck strebt der viermalige Zeitfahrweltmeister dennoch das Podium an.

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          Ein Abend mit Live-Musik, deftig tirolerisch. Im Quartier des deutschen Nationalteams, etwa 50 Kilometer von Innsbruck entfernt, herrscht eine Menge Betrieb – und was auf einer kleinen Bühne im Restaurant von der emsigen Kapelle produziert wird, ist auch in einem Nebenraum, in dem Tony Martin sitzt, noch gut zu hören. Eine Jäger-Stube, Hirschgeweihe an den Wänden, eines direkt über Martin, und nebenan tobt die Fröhlichkeit: „Ein Prosit der Gemütlichkeit“.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Martin war selbst mal ein Platzhirsch, vor allem im Zeitfahren. Das ist seine Spezialdisziplin als Radrennfahrer: viermal Weltmeister, zuletzt 2016. Und nun der Versuch, wieder etwas zustande zu bringen im Kampf gegen die Uhr. Kein leichtes Unterfangen aber für Martin oder Jungstar Maximilian Schachmann, den anderen deutschen Starter an diesem Mittwoch (ab 14 Uhr bei Eurosport, ab 16 Uhr im ZDF) bei den Straßen-Weltmeisterschaften in Innsbruck. 52,5 Kilometer, flacher Beginn, dann aber hügeliges Terrain, inklusive eines happigen Anstiegs zu einem Ort namens Gnadenwald.

          Martin, 33 Jahre alt, sagt, dass das extrem schwer sei, „das kommt mir überhaupt nicht entgegen“. Als die großen Favoriten gelten der Australier Rohan Dennis und der Niederländer Tom Dumoulin. Martin hofft, sich trotz der anspruchsvollen Strecke auf das Podium katapultieren zu können. Er sagt: „Ein Medaillenrang sollte das Ziel sein.“

          Harte Probe der Beziehung zum Rad

          Noch immer wird er getrieben von dem Anspruch, bei den Besten mitzumischen. Obwohl manches in der jüngeren Vergangenheit nicht nach Wunsch verlaufen war. Martin und das Rad: eine Beziehung, die auf eine harte Probe gestellt wurde. Zum Beispiel im Sommer, durch einen schweren Sturz bei der Tour de France. Martin hatte eine Wirbelfraktur erlitten, er stieg erst bei der Tour of Britain Anfang September wieder in den Rennbetrieb ein. Immerhin: Der Körper spielt, wie es scheint, wieder mit. „Alles bestens“, behauptet Martin, „ich stehe ganz gut da. Ich verstecke mich nicht hinter meiner Verletzung.“

          Die Ambitionen bleiben: Tony Martin will vorne mitmischen.
          Die Ambitionen bleiben: Tony Martin will vorne mitmischen. : Bild: dpa

          Eine Art Aufbruch im Frühherbst, nicht nur durch einen ernsthaften sportlichen Wettbewerb, sondern auch durch einen Wechsel des Arbeitgebers. Martin hatte unlängst bekanntgegeben, das Team Katuscha-Alpecin nach dieser Saison zu verlassen, inzwischen ist er bei einer neuen Equipe untergekommen, für zwei Jahre. Noch seien ein paar Kleinigkeiten zu klären, sagt Martin, er will deswegen den Namen seiner künftigen Mannschaft noch nicht nennen. Möglich, dass er bei dem niederländischen Team LottoNL-Jumbo angeheuert hat, für das unter anderen der Slowene Primoz Roglic fährt, Vierter der Tour 2018. „Ich möchte mir eine schöne Zukunft aufbauen“, sagt Martin, Radprofi in reifem Alter. Wobei die Olympischen Spiele 2020 in Tokio keinesfalls das Ende sein müssen für ihn.

          Bei seinem bisherigen Team war Martin nicht wie geplant in Schwung gekommen, über die Probleme aber spricht er im Detail nicht. Nur so viel: Es gebe manches, „das nicht mehr gekittet werden kann“. Sein Manager Jörg Werner betont, dass es ein „kompletter Neuanfang“ sei für Martin. Ein bisschen zählt dazu nach dem Malheur im Juli schon das Innsbrucker Intermezzo, das für Martin – ohne dass er das unbedingt gewollt hätte – in jedem Fall klangvoll eingeleitet worden ist.

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