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Rad-WM : Eine zu harte Nummer

  • -Aktualisiert am

Tony Martin im Zeitfahranzug: Dem Deutschen gingen beim schweren Anstieg die Kräfte aus. Bild: AFP

Im Zeitfahren der Rad-WM muss sich Tony Martin mit Rang sieben begnügen. Die angestrebte Medaille hat er damit klar verfehlt. Gold geht an einen Australier.

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          Und nichts als die reine Wahrheit: ein ehrliches Rennen, ohne Taktieren, einfach Kopf runter und los stampfen, und der Beste ist in der Regel auch der Schnellste. So ist das auch an diesem Mittwoch gewesen, zwischen Rattenberg und Innsbruck, auf einer etwas mehr als 52 Kilometer langen Strecke. Herausforderung Zeitfahren: ein Kampf gegen die Uhr, gegen den Schmerz manchmal, gegen den inneren Schweinehund, bei dem man sich sozusagen das letzte Korn aus dem Körper quetschen muss.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Es hatte am frühen Nachmittag mit einem Niederländer begonnen, mit Wilco Kelderman, und es endete mit einem Niederländer, mit Tom Dumoulin. Der Letzte, der sich in Rattenberg, der kleinsten Stadtgemeinde Österreichs mit etwa 400 Einwohnern, in den Wettbewerb katapultiert hatte, war aber diesmal nicht der Erste, wie vor einem Jahr in Bergen in Norwegen. Dumoulin wurde bei den Weltmeisterschaften am Mittwoch in Innsbruck deutlich von dem „fliegenden“ Rohan Dennis geschlagen. Eine bemerkenswerte Darbietung des Australiers.

          Das hatte man einst auch von Tony Martin gekannt. Doch die glorreichen Zeiten liegen schon ein bisschen zurück. Und am Mittwoch klappte es für den Mann, der bereits viermal das Regenbogentrikot erobert hatte, noch nicht mal mit der angestrebten Medaille. Martin, 33 Jahre alt, wurde in Innsbruck in einer Disziplin, für die er grundsätzlich ein besonderes Faible hat, lediglich Siebter. „Am Berg sind mir ein bisschen die Beine eingeschlafen“, sagte Martin, „ich hatte Probleme.“ Es sei eher ein „Hochgerette“ gewesen als eine wirkliche Performance. Ein nicht zufrieden stellendes Ergebnis, eine gewisse Enttäuschung für Martin, doch er sagte auch: „Es war eine Leistung, mit der ich klar kommen werde.“

          654 Höhenmeter und eine Steigung von bis zu 14 Prozent

          Eine ziemlich harte Nummer: 654 Höhenmeter, mit einem happigen Anstieg zwischen Fritzens und Gnadenwald. Fünf Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,1 Prozent, zwischendurch waren es sogar 14 Prozent. Da waren die Kletterspezialisten unter den Zeitfahrern gefragt, Männer wie Dennis oder Dumoulin vom deutschen Team Sunweb. Ein eleganter Fahrer einerseits, weswegen er den Beinamen „Schmetterling von Maastricht“ trägt. Doch der Niederländer kommt im Normalfall auch in der Höhe gut zurecht, mit wuchtigem Tritt. Doch ein anderes Kraftwerk war am Mittwoch wesentlich stärker.

          Martin hat mit Erhebungen wie am Mittwoch seine Probleme. Dennoch hatte er darauf spekuliert, in Innsbruck weit nach vorne zu stoßen. Er hatte sich akribisch auf die Tortur in Tirol vorbereitet, war früh angereist und mehrere Male den Parcours abgefahren, er war fokussiert auf die letzte große Prüfung in dieser Saison, die mancher namhafte Radprofi scheute – wegen des anspruchsvollen Kurses oder weil die Form im Herbst nicht mehr auf dem höchsten Level ist. Von Martin war dagegen zu hören: „Ich bin im WM-Modus.“ Aber dann zeigte ihm die WM doch die kalte Schulter. Wie die Tour de France 2018, bei der Martin schwer gestürzt war und sich eine Wirbelfraktur zugezogen hatte. Ein schwieriges Jahr für ihn.

          Ganz anders als bei Schachmann, dem 24 Jahre alten Aufsteiger, der auf einer Wolke zu schweben scheint. Schachmann, unter anderem Gewinner einer Giro-Etappe, schlägt sich auch schon passabel im Zeitfahren, bei dem es kein Aufwärmen im Peloton gibt, keinen Windschatten, nicht eine Sekunde Pause. Bei dem nur eines zählt: voll Stoff, vom ersten Meter an, in einer aerodynamischen Haltung, mit einem Tempo von teilweise mehr als 90 Kilometern pro Stunde. Eine brutale Anstrengung. Aber Schachmann, künftig in Diensten des Teams Bora-hansgrohe, steckt noch in einer Entwicklung. Als Elfter zeigte er am Mittwoch einen respektablen Auftritt. Er sprach von einem guten Rennen. Der forsche Schachmann macht aus seinem Aufenthalt in Tirol immerhin eine Trilogie. Nach Teamzeitfahren und Einzelzeitfahren bestreitet er am Sonntag auch das alpine Straßenrennen, inklusive der so genannten Höll-Runde. Martin hat mit Innsbruck bereits abgeschlossen. Genug der Qual.

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