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Zehnkämpfer Niklas Kaul : Der Weltmeister hüpft ein bisschen im Hof herum

  • -Aktualisiert am

An Speerwerfen ist derzeit nicht zu denken: Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul muss mit der Situation zurechtkommen. Bild: dpa

Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul hat sich mit der Verschiebung der Olympischen Spiele schon arrangiert. Ernsthafets Training ist derzeit nicht möglich. Aber sein junges Alter gibt ihm noch viel Zeit.

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          Einen Sportler wie Niklas Kaul trifft es nur bedingt, dass die Olympischen Sommerspiele von Tokio auf das nächste Jahr verschoben werden. Selbstverständlich hatte sich der Leichtathlet des USC Mainz auf die Wettkämpfe in der japanischen Hauptstadt gefreut, und abgesehen von einer Erkältung während der für ihn ohnehin irrelevanten Hallensaison war er optimal durch die Vorbereitung gekommen. Bis das neuartige Coronavirus auch den Sport zum Erliegen brachte. „Die Form war da, alles hat sehr gut funktioniert“, berichtet er. „Und wenn es so gut läuft wie lange nicht, ist es schon ärgerlich, plötzlich aus dem Training herausgerissen zu werden.“

          Olympia für 2020 aus dem Kalender zu streichen, sei dennoch die einzig richtige Entscheidung gewesen, sagt der im Dezember zum deutschen „Sportler des Jahres“ gekürte Mainzer. „Am Ende hat es ja auch das IOC eingesehen, dass es keinen Sinn hat, an den Spielen festzuhalten.“

          Als junger Athlet noch viel Zeit

          Dass es so kommen würde, hatte er schon am vorvergangenen Wochenende geahnt, als er das Trainingslager in Südafrika, wo er mit seinem Vater Michael Kaul, seiner Freundin, der Siebenkämpferin Mareike Rösing, sowie der seit Herbst zur Mainzer Mehrkampfgruppe gehörenden Siebenkämpferin Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) auf die Saison hinarbeitete, vorzeitig beendete. Damals lag die Zahl der mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen in Deutschland noch zwischen 5000 und 6000.

          „Das klingt nicht nach viel. Aber exponentielles Wachstum ist ein ganz schönes Arschloch“, sagte Kaul. „Wenn das nicht gestoppt wird, dann kommt es richtig dicke.“ Die Entwicklungen in Italien oder Spanien bestätigen diese Einschätzung. Der jüngste Zehnkampf-Weltmeister der Geschichte bedauert die Verlegung der Spiele zwar, denkt dabei aber „vor allem an die Athleten, die am Ende ihre Karriere stehen und für die 2020 die letzte Chance auf Olympia gewesen wäre. Für sie tut es mir leid.“

          Er selbst steht mit seinen 22 Jahren trotz der bereits sensationellen Erfolge und Leistungen noch am Anfang seiner Karriere – „auch wenn der Sport schnelllebig ist und man die Zeit genießen muss, weil man nie weiß, was in vier Jahren ist“.

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          Unter dem Aspekt einer vernünftigen Vorbereitung auf ein solches Ereignis kommt ihm die Entscheidung entgegen. „Das verschafft uns wieder Zeit, uns auf die Sachen zu fokussieren, die ich nicht gut kann“, erläutert Kaul, „und es nimmt mir ein bisschen den Druck. Im Heimtraining kann man schließlich nicht viel machen, was mit wirklichem Zehnkampftraining kurz vor Beginn der Wettkampfphase zu tun hat.“

          Kein Wettkampf in Sicht

          Sein erster Höhepunkt in diesem Jahr wäre, wie schon 2018 und 2019, die Teilnahme am Mehrkampfmeeting im österreichischen Götzis gewesen. Am Mittwoch sagten die Organisatoren dieses für Ende Mai geplante Treffen der Weltklasse erwartungsgemäß ab. „Das ist nur logisch“, sagt Michael Kaul, „es wäre unverantwortlich gewesen, das durchzuziehen. Auch nicht ohne Zuschauer. Weniger wegen der Athleten als zum Schutz der Kampfrichter und Ehrenamtler, die bei solchen Wettkämpfen im Einsatz sind, bei denen es sich häufig um ältere Leute handelt.“

          Der Vater des Zehnkämpfers, der zusammen mit Ehefrau Stefanie als Trainer fungiert, geht davon aus, dass die Europameisterschaften Ende August ebenfalls ausfallen werden. Momentan wäre er schon froh, wenn in absehbarer Zeit die Phase des Heimtrainings endete. „Joggen, Ergometertraining und ein bisschen im Hof herumhüpfen“, fasst er das derzeitige Übungspensum zusammen. „Wir haben ein paar Hanteln und Medizinbälle zu Hause, auch mit dem eigenen Körpergewicht kann man einiges machen.“ Auf diese Weise lasse sich der Fitnesszustand für zwei, drei Wochen halten. Sprints und Techniktraining allerdings seien nicht möglich. „Mehrere Monate lang können wir so nicht arbeiten.“

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