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Zehnkampf : Auf dem Weg zum ganzen Mann

  • -Aktualisiert am

Besser entwickelt als erwartet: Rico Freimuth Bild: dpa

Es ist ein bekannter Name unter Zehnkämpfern: Freimuth. Wo einst die Karriere des Vaters Uwe endete, 1988 in Südkorea, soll nun bei der WM die des Sohnes Rico so richtig beginnen. Beim Zehnkampf in Ratingen zeigt er, dass die Grundlage stimmt.

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          Uwe Freimuth hält sich dezent im Hintergrund, was bei einem Mann von seiner Statur nicht ganz einfach ist. Der frühere Weltklasse-Zehnkämpfer verbirgt auch mit fast 50 Jahren noch einen imposanten Brustkorb unter seinem schwarzen T-Shirt. Beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen sitzt er auf der Gegentribüne, genießt die Atmosphäre und macht Fotos vom Wettkampf. Die Leistungen seines Sohnes Rico begleitet er mit wohlwollendem Interesse, steht auf Nachfrage mit Rat zur Seite, will sich aber auf gar keinen Fall aufdrängen. „Er hat gute Trainer, die machen das schon.“

          Der jüngste Erfolg gibt dieser Einschätzung recht. In Ratingen absolvierte Rico Freimuth aus Halle den besten Zehnkampf seines Lebens, seine Leistungen summierten sich auf 8287 Punkte. Der 23-jährige Athlet wurde damit Zweiter hinter dem Algerier Larbi Bourdaada, übertraf die WM-Norm und qualifizierte sich für den Saisonhöhepunkt Ende August in Daegu. „Ich habe bewiesen, dass ich schon ein halber Mann bin“, sagte er.

          „Überraschend, wie gut der Junge sich schlägt“, meinte auch Uwe Freimuth, der eigentlich seinem anderen Sohn eine größere sportliche Karriere zugetraut hätte. „Hanno hatte ein gesegnetes Talent im Basketball, dem fiel alles zu.“ Rico Freimuths Zwillingsbruder war mit 15 Junioren-Nationalspieler im Basketball, die Karriere schien vorgezeichnet. Doch Hanno Freimuth wollte nicht. Rico dagegen wollte, wenn auch über Umwege. Erst als 16-Jähriger begann er mit der Leichtathletik. Vorher spielte er Fußball, zeigte dabei aber nicht genug Talent. Außerdem fühlte er sich als Randfigur: „Ich wollte kein Statist sein.“

          Er wurde lieber Solist - und Zehnkämpfer wie der Vater, den er als besten Kumpel und Berater bezeichnet: „Mit ihm kann ich stundenlang über Leichtathletik reden.“ Selten jedoch von Angesicht zu Angesicht, häufiger via Skype. Der habilitierte Sportwissenschaftler Uwe Freimuth arbeitet als leichtathletischer Entwicklungshelfer in Vietnam. Der „Hüne von Hanoi“ ist dort Sportdirektor, Cheftrainer und gilt auch als Integrationsfigur. Viele Erfahrungen sammelte er schon früher, schließlich stammt er aus der DDR, war später Nationaltrainer in Malaysia und Landestrainer in Bayern. Als Aktiver hatte Uwe Freimuth 1984 mit 8792 Punkten die zweitbeste Punktzahl eines deutschen Zehnkämpfers erzielt. Seine mögliche Olympiamedaille fiel aber dem DDR-Boykott der Spiele von Los Angeles zum Opfer. 1988 war er dann über den Zenit hinaus und beendete nach Platz 18 in Seoul seine Laufbahn.

          Starker Sprinter, solide Nerven

          Dass Rico Freimuths internationale Laufbahn nun ausgerechnet in Südkorea beginnen wird, wo die des Vaters endete, ist eine hübsche Anekdote der Familiengeschichte. Seine große Zeit sollte eigentlich erst im nächsten Olympiazyklus anbrechen, doch der 1,95 Meter lange, im Vergleich recht schmale Filius hat sich schneller und besser entwickelt als erwartet.

          Rico Freimuths Stärken liegen vor allem im Sprint: In Ratingen begann er mit glänzenden 10,50 Sekunden über 100 Meter, rannte in 48,86 über die Stadionrunde und war in 14,14 über 110 Meter Hürden der schnellste Mann auf dem Platz. Zudem steigerte er sich im Stabhochspringen auf eine neue persönliche Bestleistung von 4,80 Metern. Und dass er auch nervenstark ist, bewies er im letzten Versuch des Speerwerfens, als er das Sportgerät nach zwei durchschnittlichen Versuchen auf 65,04 Meter feuerte - und sich damit die Teilnahme in Daegu sicherte.

          Schon beim Frühjahrs-Meeting in Götzis hatte der Junior mit 8158 Punkten die 8000er-Grenze übertroffen, die beim Zehnkampf das Eingangsportal zur Weltklasse darstellt. „Seitdem wird er ganz anders bewertet“, hat der Senior festgestellt: „Rico ist jetzt auch als Persönlichkeit viel gefestigter.“ Der Schatten des Alten, der die magische Marke 24 Mal übertroffen hat, ist kleiner geworden.

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