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Zehnkämpfer Kazmirek : „Achtkampf ist kein Begriff“

Könner mit Stab: Kai Kazmirek Bild: dpa

Die Königsdisziplin ohne Diskuswurf und Stabhochsprung? Kai Kazmirek war Olympia-Vierter im Zehnkampf und Sieger in Götzis. Der 26-Jährige im Gespräch über Vielfalt und Reformideen.

          1 Min.

          Der einstige Weltklasseathlet und heutige Präsident des deutschen Zehnkampfteams, Paul Meier, hat vorgeschlagen, bei den Olympischen Spielen 2024 nur noch Achtkampf anzubieten. Durch die Reduktion soll die Attraktivität des Wettkampfs gesteigert werden. Was halten Sie davon?

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Ich finde es ziemlich abwegig und nicht durchdacht. Die meisten Leute lieben Zehnkampf, weil er so ist, wie er ist. Unser Zehnkampf-Präsident hat so etwas nicht vorzuschlagen. Wir sind die Athleten, er ist nur Funktionär. Er sollte unsere Interessen vertreten. Das tut er so nicht.

          Sind Sie denn Mitglied im Zehnkampfteam?

          Ja schon. Aber wenn man solche Äußerungen hört, überlegt man echt, ob man drinbleiben soll.

          Meier will auf Diskus und Stab verzichten, weil diese Disziplinen zu komplex und zu teuer sind und deshalb einen Teil der Welt ausschließen.

          Diskus und Stabhochspringen sind die spannendsten Disziplinen und auch die sehenswertesten. Gerade ohne die beiden Disziplinen wäre der Mehrkampf ein unvollendeter Wettkampf.

          Schwierige Disziplin Diskuswerfen: technisch sauber arbeiten
          Schwierige Disziplin Diskuswerfen: technisch sauber arbeiten : Bild: dpa

          Aber schwierig sind die beiden Disziplinen schon.

          Im Diskus und im Stabhochspringen entscheidet sich oft, wer vorne mit dabei ist. Und man sieht immer wieder, dass die Leute, die technisch sauber arbeiten, auch insgesamt gut sind.

          Würden Sie denn am Zehnkampf gar nichts ändern?

          Man kann Kleinigkeiten sicher verbessern. Insgesamt hat die ganze Leichtathletik ein Problem, aber der Zehnkampf ist gut aufgestellt. Wir haben keine Doping-Fälle und wir nähern uns von den Leistungen in Deutschland gerade wieder den großen Zeiten. Und in Götzis und Ratingen haben wir tolle Meetings, die auch vom Publikum gut angenommen werden.

          Also ist alles super?

          Alles ist natürlich nicht super. Aber ich würde keine Disziplin rausnehmen. Natürlich kann man drüber reden, ob man die Pausen zwischendurch verkürzt. Aber da stellt sich die Frage: Möchte man Leistung sehen? Dann muss man den Athleten auch Pausen lassen. Man muss eben ein Rahmenprogramm bieten, um die Lücken zu füllen.

          Sieht sich nicht als König ohne Reich: Kai Kazmirek
          Sieht sich nicht als König ohne Reich: Kai Kazmirek : Bild: dpa

          Meier sprach davon, die einstigen „Könige der Athleten“ seien heute Könige ohne Reich. Fühlen Sie sich so?

          Definitiv nicht.

          Würden Sie als Achtkämpfer antreten?

          Mich würde die Reform ja nicht mehr treffen. Bis Olympia 2024 bin ich raus. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Jugend sagt: „Boah, toll.“ Zehnkampf ist ein Begriff. Achtkampf nicht.

          Das Gespräch führte Achim Dreis

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