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Zehnkampf : Die neue Zeitrechnung hat begonnen

Der beste Hürdensprinter im Feld der Mehrkämpfer: Damian Warner Bild: dpa

Nachdem jahrelang zwei Amerikaner alle Goldmedaillen gewannen, scheint nun die Zeit reif für einen Kanadier: Damian Warner – ein Sprinter-Springer-Typ wie Ashton Eaton.

          Das rote Leibchen, das ihn als „Leader“ ausweist, braucht Damian Warner eigentlich gar nicht mehr ausziehen. Beim Mehrkampf-Meeting in Götzis am Wochenende startete der Kanadier schon als Titelverteidiger, sprintete zum Auftakt in 10,35 Sekunden so schnell wie kein Zweiter über 100 Meter und gab die Führung auch bis ins Ziel des 1500-Meter-Laufs eineinhalb Tage später nicht mehr ab. Souveräner Sieger in 8591 Punkten, Weltjahresbestleistung und das stärkste Resultat eines Zehnkämpfers beim traditionellen Saisonauftakt in der Marktgemeinde in Vorarlberg seit 2011, als der Amerikaner Trey Hardee 8689 Punkte sammelte.

          Es ist Warners dritter Sieg in Götzis nach 2013 und 2016, und mit dieser Leistung hat sich der 27-Jährige nicht nur in die Ahnengalerie des berühmten Mehrkampf-Meetings ganz weit oben eingereiht, sondern er hat auch Ansprüche auf den vakanten Titel des „Königs der Athleten“ angemeldet. Zuletzt hatten Amerikaner den Zehnkampf bestimmt, wenn es darauf ankam, und die wichtigen Titel abgeräumt. Erst beherrschte Hardee die Szenerie. Der knapp zwei Meter große 100-Kilo-Kraftprotz aus den Südstaaten, der vor allem mit Kugel, Diskus und Speer auftrumpfte, wurde 2009 und 2011 Weltmeister und holte 2012 in London Olympia-Silber. Dort musste der Texaner seine Vormachtstellung an Ashton Eaton abgeben, der sie nicht mehr hergab.

          Rücktrittsgrund: „Fehlende sportliche Ziele“

          Der vier Jahre jüngere und deutlich elegantere Athlet aus Oregon, nicht nur von seiner Herkunft ein Gegenentwurf zu Hardee, ging als überragender Läufer und Springer in der Geschichte ein und konnte sich deshalb eher durchschnittliche Wurfergebnisse leisten. Eaton gewann 2013 und 2015 den WM-Titel und verbesserte dabei in Peking mit 9045 Punkten seinen eigenen Weltrekord um sechs Punkte – was ihm stolze 100.000 Dollar Extraprämie einbrachte. 2012 und 2016 krönte er seine Karriere mit Olympia-Gold. Danach gab er gemeinsam mit seiner kanadischen Ehefrau Brianne Theisen-Eaton, die zweimal WM-Zweite im Siebenkampf war und zum Abschluss in Rio Olympia-Bronze holte, mit nicht mal 30 Jahren den Rücktritt bekannt. Als Grund gaben die Eatons „fehlende sportliche Ziele“ an. Dagegen hat Hardee den Zehn-Kampf zwar noch nicht aufgegeben, nach einigen Verletzungen aber zuletzt den Anschluss verloren.

          Hoch und weit: Warner im Weitsprung Bilderstrecke

          Zeit also für Damian Warner, das Zepter zu übernehmen. Von Statur und Können ähnelt der Kanadier dem großen Mehrkampf-Vorbild. Auch er ist ein klassischer Springer-Sprinter-Typ, der mit seinem 83 Kilogramm Wettkampfgewicht auf 1,84 Meter Größe nicht übermäßig wuchtig erscheint und fast ein Zwilling von Eaton sein könnte, der 84 Kilo auf 1,85 Meter verteilte. In Götzis gewann Warner am Wochenende neben dem Sprint auch die Disziplinwertungen im Weitsprung (7,85 Meter) und Hürdenlauf (13,54 Sekunden). Über 400 Meter (47,49) belegte er Rang zwei.

          Nach seinem souveränen Gesamtsieg vor dem Niederländer Eelco Sintnicolaas (8539) und dem Deutschen Rico Freimuth (8365) sprach der stets unangestrengt wirkende Warner von einem „harten Kampf“. Obwohl er seinen Hausrekord von 8695 Punkten um rund 100 Zähler verfehlte, ist der Athlet aus London (Ontario) vor der WM in London (Großbritannien) nun bereit für seinen ersten ganz großen Coup.

          Drei Medaillen bei Großereignissen hat er schon gewonnen, dreimal nun den Prestige-Wettkampf in Vorarlberg gewonnen. „Götzis ist mein Lieblings-Meeting“, sagte er. Seinen wichtigsten Sieg errang er dabei schon in der dritten Disziplin. Zwar belegte er im Kugelstoßen mit gut 14 Metern nur den 18. Rang. Doch er hatte immerhin den Sektor getroffen. 2015 war ihm dies dreimal misslungen: null Punkte. Danach machte er trotzdem weiter und stellte mit 7893 Punkten den inoffiziellen Weltrekord im Neunkampf auf. Das hatte nicht mal Ashton Eaton geschafft.

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