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Zehnkämpfer Bechmann : Eine kleine Chance für Tokio

  • Aktualisiert am

Schmerzhafte Landung: Bechmann beim Weitsprung in Götzis Bild: dpa

Nach vielen Rückschlägen muss Zehnkämpfer Andreas Bechmann in Ratingen seine Bestleistung steigern, um noch eine Olympiachance zu haben. Siebenkämpferin Carolin Schäfer sagt ihre Teilnahme ab.

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          Andreas Bechmann bleibt realistisch: „Mit zwei Handicaps in einen Zehnkampf zu gehen und zu erwarten, die Olympianorm zu knacken, wäre vermessen“, sagt der 21 Jahre alte Leichtathlet von Eintracht Frankfurt.

          Trotzdem glimmt in dem Allrounder noch ein kleines bisschen Hoffnung auf den Satz nach Tokio, wenn er an diesem Wochenende im entscheidenden Meeting von Ratingen an den Start geht. „Im Zehnkampf ist alles möglich“, sagt der deutsche Hallenmeister. Warum also nicht versuchen, über die vorgegebenen 8350 Punkte zu springen?

          Was für einen ehrgeizigen Sportler selbstverständlich klingt, ist es in diesem Fall keineswegs. Andere hätten in seiner Situation wohl aufgegeben, sich vorzeitig aus der Saison zurückgezogen, um 2022, wenn die Europameisterschaften in München und die Welttitelkämpfe in Eugene anstehen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Denn Bechmann hat in diesem Jahr schon eine längere Leidensgeschichte hinter sich.

          In Polen mit Coronavirus infiziert

          Begonnen hatte sie im März bei den Hallen-Europameisterschaften in Torun, wo der Hesse mit 5995 Punkten im Siebenkampf den siebten Platz belegte. Wie bei mehr als 50 anderen Teilnehmern in Polen wurde auch bei ihm kurz darauf eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert. Bis heute ärgert es Bechmann, dass die Ursachen dafür nicht richtig aufgearbeitet wurden. Ihn selbst und seine Eltern, auf die er die hoch ansteckende B-Mutante übertrug, erwischte es schlimm. Mit schweren Symptomen wie Fieber und Schüttelfrost lag er eine Woche lang im Bett. Als er 14 Tage später erste Spaziergänge unternahm, „war ich schon nach 20 Minuten außer Atem“.

          Mit intensiver medizinischer Begleitung fing er Mitte April wieder mit dem Training an, das Ziel vor Augen, sich beim Wettkampf Ende Mai im österreichischen Ort Götzis zumindest für die U-23-Europameisterschaften in Tallinn zu empfehlen.

          Obwohl er nach nur sechs Wochen rechtzeitig fit war, sollte das misslingen. Am ersten Tag spürte er nach dem zweiten Weitsprung Schmerzen im linken Fuß. „Wahrscheinlich bin ich da beim Absprung reingestaucht“, aus seiner Sicht eine Folge des krankheitsbedingten Rückstands im Techniktraining. Trotzdem kämpfte Bechmann tapfer weiter, bewies mit einer Zeit von 48,18 Sekunden auf der Stadionrunde, dass die Form stimmte. „400 Meter sind ein guter Gradmesser dafür“, sagt Bechmann. Einen Tag später allerdings musste er noch vor dem Hürdenlauf enttäuscht aufgeben. Untersuchungen ergaben ein traumatisches Knochenmarködem im Sprunggelenk. Eine Verletzung, die, wie der Rekonvaleszent selbst sagt, eigentlich viel Zeit zum Heilen braucht. Mit konservativer Behandlung tastete er sich Schritt für Schritt zurück zur Vollbelastung. Fast schon etwas überraschend hielt der Fuß das aus.

          „Alles kann, nichts muss“

          Das Ticket für die U-23-EM musste er abschreiben. Obwohl dieser Wettkampf erste Anfang Juli ansteht und die Kandidaten in den Einzeldisziplinen noch bis Ende des Monats darum kämpfen dürfen, hat der Deutsche Leichtathletik-Verband die Qualifikationen für die Mehrkämpfer auf Götzis und das Meeting in Bernhausen Anfang Juni beschränkt. „Ich weiß nicht, warum das so ist“, sagt Bechmann „Aber ich möchte auf jeden Fall in diesem Jahr noch einen Zehnkampf durchziehen.“ Wegen der Spiele in Japan sei Ratingen dafür „alternativlos“.

          Der persönliche Bestwert des Management-Studenten, der nach seinem geplanten Bachelor-Abschluss im Herbst ein eigenes Start-up-Unternehmen führen wird, resultiert aus dem Jahr 2019 und liegt bei 8132 Punkten. „Wenn ich gut in den Wettkampf komme“, sei die Olympianorm gar nicht so weit weg. Aber der Athlet von Jürgen Sammert will sich auf keinen Fall unter Druck setzen. „Alles kann, nichts muss“ – dieses Motto hat er sich schon länger gegeben. Er sei für sein Metier noch jung. „In drei Jahren sind schon die nächsten Olympischen Spiele.“

          Carolin Schäfer sagt Start in Ratingen ab

          Die EM-Dritte Carolin Schäfer hat ihren Start bei der letzten Olympia-Qualifikation am Wochenende in Ratingen abgesagt. Die Folgen ihrer Corona-Impfung habe sie zwar überwunden, doch der Wettkampf komme für die Siebenkämpferin zu früh, teilte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit. Die 29-Jährige Medaillenkandidatin von Eintracht Frankfurt konnte wegen Nebenwirkungen einer Corona-Impfung bereits Ende Mai nicht am Mehrkampfmeeting in Götzis/Österreich teilnehmen. „Bis zuletzt haben wir alles versucht“, ließ Schäfer mitteilen. „Die Vorbereitung auf Ratingen lief soweit nach Plan, aber um dort leistungsfähig zu sein, mussten wir natürlich wettkampfnah trainieren.“ In den letzten Einheiten habe sie aber gemerkt, dass es für einen Start in Ratingen noch nicht reiche. Die Norm für die Sommerspiele in Tokio von 6420 Punkten hat die Olympia-Fünfte schon 2019 übertroffen, so dass ein sogenannter Leistungsnachweis mit 6250 Punkten in Ratingen genügt hätte. Ihre persönliche Bestleistung von 6836 Punkten hatte sie 2017 aufgestellt. Wie bei der Nominierung für die Tokio-Spiele nun verfahren wird, teilte der DLV nicht mit.

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