https://www.faz.net/-gtl-6kxdd

WTA-Championship : Beliebigkeit an der Tennis-Weltspitze

Weltranglistenplatz 1: Caroline Wozniacki Bild: dapd

In Doha treffen sich die acht erfolgreichsten Tennisdamen. Doch ohne die Glamourgirls der Branche mangelt es dem Turnier an Strahlkraft. Zudem droht in der Weltrangliste schon der zwölfte Führungswechsel in dreißig Monaten.

          2 Min.

          In diesen Tagen versucht die WTA wieder einmal, ihrem Premium-Produkt neuen Glanz zu verleihen. Die Organisation der professionellen Tennisspielerinnen hat sich nach vierzig Jahren von ihrem alten Logo verabschiedet und ein neues präsentiert, das nicht nur graphisch auf der Höhe der Zeit sein soll, sondern angeblich auch „Athletik und Aufregung“ der Damentour symbolisiert. Nebenbei sind die Fans zur Wahl der WTA-Awards aufgerufen, in denen die beliebtesten Spielerinnen – sportlich, modisch oder menschlich – zu küren sind.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und dann ist da noch das Jahresabschlussturnier, bei dem sich die acht besten Damen beim letzten Saisonhöhepunkt messen. Doch so recht angekommen im öffentlichen Interesse sind die WTA-Championships, die an diesem Dienstag in Doha beginnen, noch nicht. Was vor allem am Feld der Teilnehmerinnen liegt, die zwar sportlich zu den besten zählen, was das Tennis zu bieten hat, aber weniger Glanz verbreiten als die Reihe derjenigen, die in den vergangenen Jahren die Branche bestimmt haben.

          Mit den Stars, die derzeit außer Gefecht gesetzt sind oder sich wegen vorheriger Blessuren nicht für das elitäre Turnier haben qualifizieren können, ließen sich andernorts Tennisstadien füllen: Die Williams-Schwestern Serena und Venus, die sich im Vorjahr im Endspiel von Doha gegenüberstanden, fehlen ebenso wegen Verletzungen wie Swetlana Kusnezowa und Justine Henin, die ihre Comeback-Saison frühzeitig beenden musste.

          Weltranglistenplatz 2: Vera Swonarewa

          Einige Spielerinnen gehen angeschlagen ins Turnier

          Ana Ivanovic überwand ihre sportliche Krise zu spät, um noch ins Rennen für Doha einsteigen zu können, und Maria Scharapowa liefert eher abseits des Tennisplatzes aufregenden Gesprächsstoff. Die ehemalige Branchenführerin gab Ende voriger Woche die Verlobung mit dem Basketball-Profi Sasha Vujacic vom NBA-Klub Los Angeles Lakers, bekannt. Ohne die schillernden Persönlichkeiten aber mangelt es dem letzten Saisonhöhepunkt an jener Strahlkraft, die auch über die Tennisszene hinaus Publikum anzieht.

          Dazu kommt, dass einige derer, die es ins Scheichtum Qatar geschafft haben, angeschlagen in den Wettbewerb gehen. Die Russin Elena Dementjewa und die Serbin Jelena Jankovic haben sich von ihren Beschwerden aus der Vorwoche nur leidlich erholt, die Belgierin Kim Clijsters hat wegen einer Fußbehandlung seit ihrem US-Open-Triumph vor sechs Wochen nicht mehr spielen können.

          Überraschender als die pünktliche Genesung war für die Belgierin, dass sie sich überhaupt qualifizieren konnte: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich nach etwas mehr als einem Jahr nach meinem Comeback schon wieder bei den WTA-Championships spielen kann“, sagte die Siebenundzwanzigjährige. Dass der Weltranglistenvierten gerade einmal zehn Turnierteilnahmen genügten, um nach Doha reisen zu dürfen, spricht für ihre Stärke – und die Schwäche der Konkurrenz. In ihrer Gruppe trifft Kim Clijsters auf Vera Swonarewa, Jelena Jankovic sowie auf Viktoria Asarenka, die von Serena Williams' Absage profitierte.

          Wozniacki „sehr stolz, die topgesetzte Spielerin zu sein“

          Einen viel größeren Aufwand als die belgische Tennismutter hat Caroline Wozniacki betrieben, um an die Weltspitze vorzustoßen. 21 Turniere hat die dänische Vielspielerin in dieser Saison schon hinter sich, ein solches Pensum hat sonst nur die italienische French-Open-Siegerin Francesca Schiavone absolviert, die mit Samantha Stosur und Elena Dementjewa die zweite Gruppe komplettiert. Sie sei „sehr stolz, die topgesetzte Spielerin zu sein“, sagte Caroline Wozniacki, die sich seit zwei Wochen Weltranglistenerste nennen darf.

          Sollte sie nach ihrer monatelangen Ochsentour in Doha allerdings ebenso einbrechen wie im Vorjahr, dann könnte sie ihre Spitzenposition schon wieder an die Russin Vera Swonarewa verlieren: Es wäre der zwölfte Führungswechsel in den vergangenen dreißig Monaten. Bei so viel Beliebigkeit an der Weltspitze muss sich die WTA schwertun, ihre glänzenden Werbebotschaften unter die Leute zu bringen.

          Weitere Themen

          Größtes Solar-Rennen der Welt startet Video-Seite öffnen

          Voll elektrisiert unterwegs : Größtes Solar-Rennen der Welt startet

          Der Rennwettbewerb „Bridgestone World Solar Challenge“ gilt weltweit als das härteste Rennen für Solarfahrzeuge. Mehr als 40 Teams starteten aus über 20 Ländern im australischen Darwin, um mit den zurzeit schnellsten solarbetriebenen Autos der Welt quer durch Australien in die südliche Stadt Adelaide zu fahren.

          Süle schlampig – Kimmich schlau

          Deutsche Einzelkritik : Süle schlampig – Kimmich schlau

          Neuer kann keinen geruhsamen Abend genießen, nachdem Can unfreiwillig früh Feierabend hat. Doppeltorschütze Gündogan glänzt als unermüdlicher Antreiber. Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik.

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.