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Kein Erfolg für den Golf-Star : Die schlechten Tage des Tigers

  • -Aktualisiert am

Bei den US Open nicht vorne mit dabei: Tiger Woods Bild: AFP

„Wenn es so kalt ist, schmerzt alles“: Die US Open in Pebble Beach bereiten Tiger Woods und Phil Mickelson kein Vergnügen – von ihrer sonst so gerühmten Präzision war nur wenig zu sehen.

          An den Fans hat es nicht gelegen. Sie feierten jeden gelungenen Schlag, jedes Birdie mit frenetischem Jubel, mit einer Begeisterung, die nur die beiden Publikumslieblinge entfachen können. Doch am Samstag bei der 119. US Open in Pebble Beach hörte man bei den Zuschauern, die Tiger Woods und Phil Mickelson wie überall in Massen folgten, leider immer wieder verzweifeltes, kollektives Stöhnen, wenn der Ball im tiefen, dichten hohen Gras am Rande der Spielbahnen landete oder auf dem Grün das Loch verfehlte.

          Woods gelangen am Samstag zwar fünf Birdies, die aber nur fünf Bogeys wettmachten. Nach einer Par-Runde von 71 Schlägen lag Woods vor der Schlussrunde am Sonntag mit insgesamt 213 Schlägen schon elf Schläge hinter dem Spitzenreiter und späteren Überraschungssieger, seinem amerikanischen Landsmann Gary Woodland. Nach einer 69er-Runde zum Abschluss am Sonntag belegte Woods mit 282 Schlägen (-2) den geteilten 21. Rang.

          Noch schlimmer erwischte es Mickelson, der etliche Birdie-Chancen ungenutzt ließ. Er verzog am 18. Loch seinen Abschlag in den Pazifik. Nach einem Triple-Bogey und einer Runde von 75 Schlägen wies er gar 14 Schläge Rückstand auf den Spitzenreiter auf. Noch nie in der Geschichte der seit 1895 ausgetragenen US Open konnte ein Spieler am Schlusstag ein Defizit von mehr als sieben Schlägen wettmachen. Mickelson verabschiedete sich nach einer 72-er Runde zum Abschluss mit einer Gesamtbilanz von 288 (+4) auf Rang 52 vom dritten Major des Jahres.

          Schnelle Schläge, schwierige Starts

          Beim Kampf um den Siegespreis von 2,25 Millionen Dollar hatte Woodland, in der Weltrangliste auf Rang 25 geführt, die beste Ausgangsposition. Der 35 Jahre alte Profi aus Kansas ging mit einem Schlag Vorsprung vor dem Engländer Justin Rose, den US-Open-Champion von 2013, und mit vier vor dem amerikanischen Titelverteidiger Brooks Koepka auf die Schlussrunde. Und er verteidigte seine Führung nicht nur mit Bravour, er baute sie sogar noch aus.

          Die Zahlen sprechen für ihn: Der souveräne Überraschungssieger Gary Woodland mit Pokal vor dem Scoreboard

          Der Außenseiter siegte völlig überraschend mit 271 Schlägen (68+65+69+69) vor seinem Landsmann Koepka (274/69+69+68+68), der bei vier der vergangenen acht Majors triumphiert hatte. Den dritten Rang teilten sich Xander Schauffele und Chez Reavie (beide USA), Jon Rahm (Spanien) sowie Olympiasieger Rose, die alle auf jeweils 277 Schläge nach vier Runden kamen. Martin Kaymer (Mettmann), der nach einer schwachen zweiten Runde alle Chancen auf eine Topplatzierung verspielt hatte, verbesserte sich mit einer 70er-Schlussrunde und insgesamt 285 Schlägen immerhin noch um sechs Plätze auf Rang 35. 

          Woodland hatte bei seinen 27 bisherigen Major-Teilnahmen nie ein Top-Ten-Resultat verbuchen können. „Ich habe mein ganzes Leben so hart gearbeitet. Ich bin von wunderbaren Menschen umgeben. Ich liebe Golf, das ist ganz speziell“, sagte Woodland. „Er hat super gespielt“, lobte auch der Weltranglistenerste Koepka seinen Kontrahenten.

          Mickelson dagegen war schon am Samstag bedient: „Heute war der Tag, an dem ich eine niedrige Runde hätte spielen müssen. Ich habe gut genug gespielt, um das zu schaffen. Ich hatte viele Gelegenheiten. Aber ich habe schlecht geputtet. Und dann hatte ich auch noch ein katastrophales Finish“, fügte der Linkshänder an, dem es auch an seinem 49. Geburtstag nicht gelang, im 28. Anlauf endlich einmal die Meisterschaft seines Heimatlandes zu gewinnen.

          Der Amerikaner Phil Mickelson scheiterte beim fünften Versuch, den Karriere-Grand-Slam zu vollenden.

          Vor sechs Jahren hatte der Südkalifornier aus San Diego die British Open in Muirfield (Schottland) gewonnen – und nun scheiterte er beim fünften Versuch, den Karriere-Grand-Slam, den Sieg bei jedem der vier Traditionsturniere, zu vollenden. „Lefty“ bleibt ein kleiner Trost. Im nächsten Jahr, in der Woche seines 50. Geburtstages, findet die US Open im Winged Foot Golf Club in Mamaroneck im Bundesstaat New York statt, auf einem Platz, der ihm liegt. Vor 13 Jahren war Mickelson in diesem Traditionsklub mit einem Schlag Vorsprung auf das letzte, das 72. Loch gegangen und hatte mit einem Doppelbogey den Sieg verspielt, einer von sechs zweiten Plätzen bei den US Open.

          Dass Mickelson noch lange nicht an ein Karriereende denkt, zeigt, wie weit er den Ball immer noch schlagen kann. Er hat durch intensives, spezielles Training seine Schlägerkopfgeschwindigkeit im Schnitt um sechs auf 121,26 Meilen in der Stunde gesteigert und liegt damit im Ranking der PGA Tour auf Rang 15, nur knapp hinter dem 30 Jahre alten Nordiren Rory McIlroy (121,50), der auf Rang neun mit fünf Schlägen Rückstand ins Clubhaus kam.

          Der zahme Tiger

          „Ich hatte einen schrecklichen Start“, bilanzierte Woods, „dann habe ich mich zurückgekämpft und habe noch eine Chance auf den Sieg.“ Aber diese Zuversicht teilte kaum jemand. Obwohl der Weltranglistenfünfte vor 19 Jahren bei seinem US-Open-Triumph in Pebble Beach den Platz und die Konkurrenz bei seinem Rekordsieg mit 15 Schlägen Vorsprung fest im Griff hatte – diesmal erinnerte wenig an die einstige Dominanz und auch nichts an jenen Tiger, der Anfang April seinen fünften Masters- und 15. Major-Titel gewonnen hatte. Woods wirkte an dem wolkenverhangenen Tag bei Temperaturen um die 14, 15 Grad nicht so geschmeidig, was sich vor allem auf seine sonst so gerühmte Präzision bei den Schlägen mit den Eisen auswirkte.

          Er verfehlte sieben Grüns, ganz ungewöhnlich für den langjährigen Primus. Deutlich zu sehen waren bei ihm im Nacken angebrachte schwarze Kinesio-Tapes, hochelastische Pflaster, die Muskel oder Gelenke stabilisieren sollen, ohne die Beweglichkeit einzuschränken.

          „Wenn es so kalt ist wie heute, schmerzt alles. Irgendwie müssen die Kräfte absorbiert werden, mal geht es in den Lendenwirbelbereich, mal in den Nacken oder gar in die Knie. Ich spüre jeden Schlag. Aber das wird wohl immer so bleiben“, erläuterte Woods am Samstag, wie sich die beim Golfschwung entstehenden Fliehkräfte auf seinen Körper auswirken. Woods ist 43 Jahre alt, hat vier Knie- und vier Rückenoperationen hinter sich. Da gibt es gute und schlechte Tage. Die von Pebble Beach fallen in die zweite Kategorie.

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