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Wölfe reißen Pferde : Tödlicher Tierschutz

  • -Aktualisiert am

Der Wolf greift Pferde an. Bild: dpa

Bislang glaubte man, dass sich Wölfe nicht an eine Herde Großpferde wagen würde. Doch genau das ist nun geschehen – mit fatalen Folgen. Für die Pferdeleute fühlt es sich an, als schaute die Politik tatenlos zu.

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          Reiter, Züchter, Pferdehalter sind in Aufruhr. Dass vor einigen Tagen in Niedersachsen, im Zuchtgebiet der Hannoveraner, ein Wolfsrudel eine Herde von zehn Tieren auf der Weide angegriffen und zwei Jungpferde gerissen hat, ist eine furchtbare Neuigkeit für sie. Bisher gingen alle davon aus, dass die Raubtiere sich an eine Herde Großpferde nicht wagen würden – nun ist es im Raum Nienburg passiert.

          Auf der Flucht vor den Angreifern brachen die Pferde durch den – ordnungsgemäßen – Weidezaun. Schon an Ort und Stelle wurde einer der Jährlinge durch Bisse in die Kehle getötet, ein anderer starb auf der Flucht. Ein drittes Pferd wurde so schwer verletzt, dass man noch nicht weiß, ob es gerettet werden kann. Das Ereignis fand im Territorium des „Rodewalder Wolfes“ statt, der gelernt hat, Schutzzäune zu überwinden, der sogar Rinder auf der Weide reißt und dies seinen Rudelmitgliedern beibringt. Er war zwar – eine Ausnahme – monatelang zur Jagd freigegeben, aber die Aktion, die von höchster Stelle im Umweltministerium betrieben wurde, blieb erfolglos.

          Offener Brief an Umweltminister

          In einem offenen Brief an Umweltminister Olaf Lies hat sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), die nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für den Breitensport und die Zucht zuständig ist, mit niedersächsischen Interessenvertretungen zusammengetan und fordert, dass endlich effektiv gehandelt wird. Eine lange angekündigte Verordnung des Landes zum Wolfsmanagement kommt nicht voran – zumal Kritiker sich auf EU-Recht berufen, nach dem der Wolf grundsätzlich nicht gejagt werden darf. Doch selbst wenn die Verordnung wie geplant erlassen werden sollte, gelten darin Großpferde-Herden als wehrhaft, was sich nun als Irrtum herausgestellt hat.

          Für die Pferdeleute fühlt es sich an, als schaute die Politik tatenlos einer Konstellation zu, die sich immer mehr zuspitzt. Zum Schock, zu der Ohnmacht und dem emotionalen Verlust kommt für die Betroffenen der wirtschaftliche Schaden. Dabei sind die Besitzer sogar verpflichtet, ihren Pferden regelmäßige Bewegung, also auch den Weidegang, zu ermöglichen. Eine in diesem Fall tödliche Tierschutz-Maßnahme.

          Der Wolf, so die Forderung der Pferdeleute, die mit anderen Weidetier-Haltern in einem Boot sitzen, soll ins Jagdrecht aufgenommen werden, der Mensch soll in die Bestände aktiv eingreifen können, um sie zu kontrollieren. Und um zu verhindern, dass diese Raubtiere jegliche Scheu, aktuell vor Großtier-Herden und womöglich eines Tages vor Menschen, verlieren. Allein die Unfallgefahr, die es bedeutet, wenn Pferde von der Weide womöglich auf eine befahrene Straße fliehen, müsste die Behörden zum raschen Handeln zwingen. Allein – es wird weiter gezögert. Möglich, dass die seit Jahren höchst emotional geführte Debatte, die man grob auf eine Konfrontation zwischen Landbewohnern und Städtern herunterbrechen kann, den Fortgang bremst.

          Warum aber soll es erträglicher sein, dass Weidetiere, die nicht fliehen können, von Wölfen zerrissen werden, als dass die Ausbreitung der Wölfe durch Jäger kontrolliert wird? Angesichts des blutigen Geschehens muss festgehalten werden: Es sollte in unserer vom Menschen kultivierten Landschaft Platz für alle sein. Aber kein Platz für unerbittliche Romantik.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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