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WM-Qualifikation im Basketball : Nicht einmal der komplette zweite Anzug

  • -Aktualisiert am

Improvisationskunst ist gefragt: Gordon Herbert Bild: dpa

Bundestrainer Herbert fehlen in der WM-Qualifikation gegen Finnland fast alle EM-Medaillengewinner. Doch er versteht es, das Beste daraus zu machen. Und von den anderen ist auch einiges zu erwarten.

          3 Min.

          Es ist knapp zwei Monate her, dass die deutsche Basketballnationalmannschaft bei den Europameisterschaften in Berlin gegen Polen das kleine Finale gewann und sich die Bronzemedaille sicherte. Mit teilweise begeisternden Vorstellungen schafften es die Korbjäger, die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Sportart signifikant zu erhöhen.

          Im Mittelpunkt des Interesses standen Kapitän Dennis Schröder und der vielseitige Jungstar Franz Wagner, die in der nordamerikanischen Profiliga NBA ihr Geld verdienen. Jetzt tritt die Auswahl von Bundestrainer Gordon Herbert erstmals wieder an. Auf dem Programm stehen die WM-Qualifikationsspiele gegen Finnland an diesem Freitag (19.00 Uhr bei MagentaSport) in Bamberg und am Montag (18.00 Uhr bei MagentaSport) in Slowenien.

          Aber die deutsche Mannschaft, die schon beim Bronzemedaillengewinn nicht in Bestbesetzung auflief, kommt stark gerupft daher. Die NBA-Profis stehen während der Saison grundsätzlich nicht zur Verfügung. Dazu fehlen auch die Spieler der Euroleague-Teams, denn die europäische Königsklasse pausiert während der Nationalmannschaftsfenster nicht.

          Neu-Bayer: Niels Giffey
          Neu-Bayer: Niels Giffey : Bild: dpa

          So stehen für die Profis von Alba Berlin und Bayern München nicht die WM-Qualifikationsspiele im Fokus, sondern ihr direktes Duell in der Euroleague. Daher findet man mit Justus Hollatz, Christian Sengfelder und dem nachnominierten Jonas Wohlfarth-Bottermann nur drei EM-Teilnehmer im Kader.

          Im ursprünglichen Aufgebot, das am 26. Oktober bekanntgegeben wurde, stand mit Niels Giffey noch ein weiterer Bronzemedaillengewinner. Aber in dieser Woche wechselte der Flügelspieler aus dem spanischen Murcia zu Bayern München, womit er nicht für die Nationalmannschaft zur Verfügung steht. Für den Bundestrainer ist dies natürlich eine unangenehme Situation, aber Ergebnisdruck besteht angesichts der tabellarischen Ausgangssituation nicht.

          Seit der überraschenden Auftaktniederlage gegen Estland ist das Team ungeschlagen und dürfte sich wahrscheinlich auch ohne weiteren Sieg für die Weltmeisterschaften im nächsten Jahr qualifizieren. Sollten wirklich alle anderen Ergebnisse gegen die deutsche Mannschaft laufen, müsste noch ein Erfolg her. Ziel ist es, schon jetzt den letzten rechnerischen Zweifel zu beseitigen.

          Dafür steht nicht einmal der komplette zweite Anzug zur Verfügung, denn Gordon Herbert musste einige krankheits- und verletzungsbedingte Absagen hinnehmen. Bislang setzte der Kanadier 28 Spieler in den Qualifikationsbegegnungen ein. Diese Zahl könnte in den beiden anstehenden Partien auf mehr als 30 anwachsen. Die nachberufenen Lukas Meisner (Hamburg) und Joshua Obiesie (Frankfurt) verzeichneten bislang noch keinen Einsatz, und der erst 18 Jahre alte Ludwigsburger Jacob Patrick ist sogar noch komplett ohne A-Länderspiel-Erfahrung.

          Trotzdem spricht Vieles dafür, dass die deutsche Mannschaft den noch theoretisch notwendigen Sieg holen wird. Der Bundestrainer, dessen Arbeit nach dem EM-Medaillengewinn zu Recht gewürdigt wurde, macht auch in der WM-Qualifikation, die wegen der fehlenden Stars deutlich weniger Aufmerksamkeit generiert, einen guten Job.

          Gordon Herbert akzeptiert die oftmals schwierige Personalsituation und macht in der Regel das Beste daraus. Zudem unterstreichen die positiven Ergebnisse das Potenzial im deutschen Basketball. Die Spitze mit sechs NBA-Spielern thront auf einer starken Pyramide, die in der Lage ist, das Fehlen der beiden obersten Schichten zu kompensieren.

          Anzeichen einer Entspannung

          Optimisten haben Hoffnung, dass in Zukunft zumindest die Euroleague-Spieler wieder dabei sind. Es gibt erste Anzeichen einer Entspannung zwischen der FIBA, die als Zusammenschluss der nationalen Verbände für die Nationalmannschaften verantwortlich zeichnet, und der ULEB, die als Vertretung der Ligen den besten kontinentalen Vereinswettbewerb organisiert.

          Erstmals zeigte sich jetzt die Euroleague bereit, mit Rücksicht auf den FIBA-Kalender ein Spiel zu verlegen. Das italienische Derby zwischen Mailand und Bologna wurde vom 11.11. auf den 9.11. vorverlegt. Damit wurde die Überschneidung mit dem WM-Qualifikationsspiel Italien gegen Spanien aufgehoben.

          Zwar wurde die Kommunikation zwischen beiden Lagern in den vergangenen beiden Jahren erheblich intensiviert, aber es könnte konkrete wirtschaftliche Interessen für das Entgegenkommen geben. Die Fernsehrechte in Italien liegen für beide Wettbewerbe beim gleichen Anbieter, und neben dem Euroleague-Derby ist auch das Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft von immensem Interesse, denn die Spanier sind Europameister und werden vom Italiener Sergio Scariolo gecoacht, der gleichzeitig auch als Trainer von Virtus Bologna fungiert. So bleibt abzuwarten, ob diese Geste der Beginn eines neuen Verständnisses ist oder nur ein Sonderfall bleiben wird.

          Der Autor war zweimal Trainer des Jahres in Deutschland.

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