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WM-Kampf gegen Joshua : Diesmal ist Klitschko nur Außenseiter

  • -Aktualisiert am

„Beide sind 1,98 Meter groß, beide haben glänzende Manieren“: Wladimir Klitschko (rechts) und Champion Anthony Joshua. Bild: AP

Seit 2015 stand Wladimir Klitschko nicht mehr im Ring. Nun tritt er zum ersten Mal seit langem als Herausforderer an – vor 90.000 Fans. Und sein Gegner ist ein ganz heller Junge mit blitzenden Augen.

          Was spricht eigentlich dafür, dass Wladimir Klitschko am 29. April wieder Box-Weltmeister im Schwergewicht wird? Herzlich wenig, oder stehen die Chancen doch fünfzig zu fünfzig, wie der Ukrainer am Donnerstag in wohlkalkulierten Worten hochrechnete? Zum ersten Mal seit zehn Jahren tritt er als Herausforderer an. Diese Rarität hat er seiner Niederlage im November 2015 gegen den Engländer Tyson Fury zu verdanken. Auftritte im Ring seitdem? Fehlanzeige.

          Im Londoner Wembley-Stadion will der Altmeister sich Renommee und Titel gegen Furys Landsmann Anthony Joshua zurückholen. Der ist 14 Jahre jünger als Klitschko, Olympiasieger von London 2012, IBF-Weltmeister und ein ganz heller Junge mit blitzenden Augen, wie man sich im Atrium von Klitschkos Haussender RTL überzeugen konnte. Es stimmt ausnahmsweise, wenn die Promoter sich darin überbieten, dieses Duell des jungen, hungrigen Löwen als größten Schwergewichtskampf des letzten Jahrzehnts anzupreisen.

          „In diesem Kampf geht es um alles, nicht nur um die IBF-und WBA-Titel, sondern auch um Hoffnung, Träume und sogar Karrieren“, sagt Eddie Hearn, der Promoter Joshuas. Klitschko – im April wird er 41 Jahre alt sein – kommt nahezu ins Schwärmen, wenn die Rede auf seinen Gegner von morgen kommt. Er meint, eine Kopie seiner selbst zu erkennen. Ein Athlet auf Augenhöhe, wortgewandt wie einst Muhammad Ali, allerdings unter Verzicht auf Mätzchen jeglicher Art.

          Beide sind 1,98 Meter groß, beide haben glänzende Manieren. Kein Futter für den Boulevard, stattdessen die Betonung des sportlichen, global wahrgenommenen Gipfeltreffens. Deshalb haben sie schon Pressekonferenzen in New York und London abgehalten. Die 90.000 Eintrittskarten waren im Nu vergriffen. Auf dem Schwarzmarkt werden die teuersten Karten in der Preislage von 2000 Pfund inzwischen für 50.000 Pfund gehandelt.

          Klitschko in der Außenseiterrolle? Er fühlt sich an die Anfänge seiner Karriere erinnert, als er der Jäger war und nicht der Gejagte, wie über Jahrzehnte hinweg. Er sei geradezu besessen vom Gedanken, wieder der zu sein, der er einmal war, also Champion aller Klassen. „Kommt der Kampf für ihn zu früh, kommt er für mich zu spät?“ Es ist die Reflexion eines Altmeisters, der schon 358 Runden im Ring gestanden hat, 29 Mal um den WM-Gürtel gekämpft hat. Für Joshua wird der Termin in London erst der 19. Auftritt als Profi sein.

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