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WM in Riga : Eishockeywelt im Umbruch: Die Spitzenteams verjüngen sich

  • -Aktualisiert am

Der neue Gretzky? Sidney Crosby (l.) soll Kanada zum Titel führen Bild: AP

Zehn Wochen nach den olympischen Eishockey-Festspielen von Turin glänzen die Stars der Szene bei der WM durch Abwesenheit. Wenn Schweden in Riga das historische Double anpeilt, fehlen die meisten Goldmedaillengewinner.

          Rene Fasel ist ein Mann mit viel Gespür für die Interessen des Publikums. Als Präsident hat er den Internationalen Eishockeyverband (IIHF) in seiner zwölfjährigen Amtszeit wirtschaftlich in neue Dimensionen geführt und auch das nicht einfache Verhältnis zur nicht dem Verband angehörigen nordamerikanischen Profiliga NHL auf eine partnerschaftliche Basis gestellt. Die Bedeutung des Spiels für die Zuschauer und umgekehrt hat der umtriebige Schweizer dabei aber nie aus den Augen verloren.

          Wenn er an diesem Freitag abend um 21 Uhr Ortszeit in der neuen Arena Riga vor der Partie Lettlands gegen Titelverteidiger Tschechien die 70. Eishockey-Weltmeisterschaft eröffnen wird, wird er sie den lettischen Eishockeyfans widmen. "Sie sind die besten Fans der Welt. Jahrelang reisten sie um den Globus und sorgten friedlich für eine begeisternde Atmosphäre. Jetzt können wir endlich zu ihnen kommen."

          „Die besten Fans der Welt“

          Zum ersten Mal richtet Lettland ein internationales Sportereignis dieser Größe aus. Und es wird die Begeisterung seiner Fans benötigen. Denn das Schaulaufen der Weltstars im Eishockey fand bereits im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Turin statt. Die meisten, die dort um Medaillen und olympischen Ruhm kämpften, werden in Riga durch Abwesenheit glänzen. Entweder weil sie nach der langen NHL-Saison erschöpft sind und keine Energie mehr für die WM haben oder weil sie noch mit ihren Teams in den NHL-Play-offs engagiert sind. So stehen bei Schweden nur vier Goldmedaillengewinner von Turin im vorläufigen Aufgebot. Die Topspieler, allen voran Peter Forsberg, Mats Sundin und Torwart Henrik Lundqvist, haben abgesagt. Angeblich verletzungsbedingt. Anderen fehlt schlicht und ergreifend die Motivation.

          Daß dies nicht unbedingt zum Nachteil eines WM-Turniers gereichen muß, bewiesen die Titelkämpfe von 2002. Damals warteten die bei Olympia von Deutschland blamierten Slowaken mit begeisternden Leistungen auf und holten den Titel, lebte das Turnier zudem von den Leistungen von Rußland, Gastgeber Schweden und dessen Rivalen Finnland. So wird in Abwesenheit der großen Stars auch 2006 der größere Hunger darüber entscheiden, wer den Titel holt. Da haben die in den vergangenen Jahren so häufig auf der Zielgeraden gestoppten Finnen (zuletzt 1995 Weltmeister) und die wieder erstarkten Russen (seit 1993 ohne Gold) sicher die größten Erwartungen.

          Die großen Stars fehlen

          Die Hände darf sich die Schweiz reiben, die mit dem wohl eingespieltesten Team anreisen wird und auf NHL-Goalie David Aebischer und Starverteidiger Mark Streit (beide Montreal) zurückgreifen kann. Olympia hat gezeigt, zu welchen Leistungen die Schweizer fähig sein können. Titelverteidiger Tschechien wird nach dem Rücktritt unter anderen von Jaromir Jagr mit einer stark verjüngten Mannschaft antreten - und trotzdem wieder zum Favoritenkreis zählen. Trainer Alois Hadamcik kann aus dem größten europäischen NHL-Kontingent auswählen (65 Spieler) und wird wie auch die anderen großen Eishockeynationen auf einen Mix aus diesen Spielern und Topstars aus der heimischen Liga setzen. Oder aus der Deutschen Eishockey Liga: Meistertorwart Tomas Pöpperle wird einer von 13 Aktiven bei dieser WM sein, die vergangene Saison in Deutschland spielten. Seine Berliner Mannschaftskollegen Derrick Walser und Micki DuPont zogen mit Team Canada ins Trainingslager nach Weißrußland ein und haben eine realistische WM-Chance.

          In den letzten Jahren war so etwas undenkbar, rekrutierten doch die nordamerikanischen Teams ihren Kader komplett aus NHL-Spielern. Aber auch bei diesen beiden beginnt der Umbruch. Deshalb wird die WM in Riga Bühne für einige der Stars der Zukunft werden. Kanada wird mit dem "neuen Gretzky", dem 18 Jahre alten Sid Crosby aus Pittsburgh, antreten, der in dieser Saison als Neuling 102 Scorerpunkte verbuchte. Er wird sich einmal mehr mit dem zwei Jahre älteren Russen Alexander Owetschkin messen, der wie der ebenfalls hochtalentierte, 19 Jahre alte Jewgeni Malkin (Magnitogorsk) schon im vergangenen Jahr in Wien debütierte, in seinem ersten NHL-Jahr für Washington 52 Tore markierte und Crosby sogar um vier Scorerpunkte übertraf. Die Vereinigten Staaten nominierten Phil Kessel, im vergangenen Jahr überragender Spieler der "U 18"-WM.

          Die Verjüngungskur macht selbst vor dem Gastgeber nicht halt. Zwar dürfen zahlreiche der in die Jahre gekommenen lettischen Eishockey-Weltenbummler das letzte Highlight ihrer Karriere erleben. Aber Trainer Piotr Worobjew, ehemals Klubcoach der Frankfurt Lions, präsentiert einige neue Gesichter. Es wird sich zeigen, ob die grenzenlose Begeisterung ihrer Fans sie tragen oder unter Druck setzen wird. Der Weltmeisterschaft wird sie zweifellos guttun.

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