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WM in Melbourne : Deutsche Schwimmer gehen unter

  • Aktualisiert am

Fiel aus allen Wolken: Antje Buschschulte Bild: dpa

Frust und Depression pur: Die deutschen Schwimmer erlebten einen rabenschwarzen WM-Tag. Antje Buschschulte und ihr Lebensgefährte Helge Meeuw zeigten eine schwache Leistung. Eine deutsche Weltrekordlerin scheiterte gar schon im Vorlauf. Es gab indes auch kleine Lichtblicke.

          3 Min.

          Die deutschen Schwimmer sind am zweiten Tag der WM in Melbourne förmlich untergegangen. Erfolgsgarantin Antje Buschschulte schied über 100 m Rücken ebenso im Halbfinale aus wie ihr Lebensgefährte Helge Meeuw. Peinlicher Tiefpunkt war das Vorlauf-Aus von Weltrekordlerin Janine Pietsch. „Ich kann mir das nicht erklären“, meinte Buschschulte völlig frustriert und fasste die Ratlosigkeit im Lager des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) nach der desolaten Vorstellung in Worte. „Ich hatte hinten raus Gummimuskeln. Es ist das erste Mal, dass ich bei einem großen Wettkampf nicht in das Finale komme auf einer Hauptstrecke. Das ist echt hart“, sagte Buschschulte.

          Besser machten es zumindest die Wasserspringerinnen Heike Fischer aus Leipzig und Ditte Kotzian aus Berlin mit Synchron-Silber vom 3-Meter-Brett sowie die Wasserballer, die durch ein 6:3 gegen die Vereinigten Staaten erstmals seit Platz fünf 1991 in Perth bei einer WM wieder unter den besten acht Mannschaften der Welt stehen.

          Pietsch flüchtete wortlos

          DSV-Sportdirektor Örjan Madsen ist in Australien nun als Psychologe gefordert, nachdem schon am ersten Wettkampftag vor allem die Frauen-Freistilstaffel als Vierte schwer enttäuscht hatte. „Wir dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Die WM ist noch lang“, meinte der Norweger: „Manchmal platzt der Knoten eben später.“ Doch nach zwei Tagen ohne Erfolg drohen Stimmungstief und Leistungsblockade. Madsen: „Je mehr Tage verstreichen, ohne dass schnell geschwommen wird, um so schwieriger wird es.“ Einziger Lichtblick am Montag in der Rod-Laver-Arena war der Auftritt von Paul Biedermann (Halle), der über 200 Meter Freistil in 1:48,43 Minuten als Siebter ins Finale einzog. Dort bekommt er es mit dem amerikanischen Superstar Michael Phelps zutun.

          „Desolate Leistung”: Helge Meeuw
          „Desolate Leistung”: Helge Meeuw : Bild: dpa

          Buschschulte, bei der WM 2005 in Montreal noch Zweite, kam in 1:01,71 Minuten auf ihrer Paradestrecke 100 Meter Rücken nicht über Rang 13 hinaus. „Ich war hochmotiviert und gut drauf. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, meinte die sonst so stabile Magdeburgerin. 50-Meter-Weltrekordlerin Pietsch hatte es als 21. gar nicht erst ins Halbfinale geschafft und war anschließend wortlos geflüchtet. „Ich denke, sie hatte Angst, sich zu blamieren“, suchte Bundestrainer Manfred Thiesmann nach Gründen für ihren Leistungseinbruch. In 1:02,72 Minuten blieb die Blondine aus Ingolstadt mehr als anderthalb Sekunden über ihrer Bestmarke.

          „Das war eine desolate Leistung“

          Meeuw schimpfte nach Platz 15 wie ein Rohrspatz. „Ich bin schwer betroffen. Das war eine desolate Leistung“, sagte der Wiesbadener, der in 55,37 Sekunden fast zwei Sekunden über seinem Europarekord blieb. „So ein Käse, es ist echt traurig. Ich bin hinten gestorben, und vorne ging auch nichts. Wenn ich mir die Zeiten anschaue, habe ich gedacht, das schwimme ich einarmig.“ Der Wuppertaler Steffen Driesen (54,97) verpasste als Neunter knapp den Endlauf. „Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken“, sagte er anschließend. Vorzeitig auf der Strecke blieben über 100 Meter Brust auch die Hamburgerin Birte Steven in 1:09,46 als 14. und Janne Schäfer aus Wolfsburg (1:10,32) auf Rang 16.

          Die Finals fanden ohnehin ohne deutsche Beteiligung statt. Die Australierin Lisbeth Lenton sorgte über 100 Meter Schmetterling in 57,15 Sekunden für einen Heimsieg. Der Amerikaner Brendan Hansen verteidigte
          ebenso erfolgreich seinen Titel über 100 Meter Brust (59,80) wie der Südafrikaner Roland Schoeman über 50 Meter Schmetterling (23,18) und die Amerikanerin Katie Hoff über 200 m Lagen (2:10,13).

          Wasserballspieler happy

          Beim Springen mussten sich die Vize-Europameisterinnen Fischer und Kotzian mit 318,45 Punkten nur den Chinesinnen Guo Jingjing und Wu Minxia (355,80) geschlagen geben und erfüllten mit insgesamt vier Medaillen das Wunschergebnis. „Nach unseren Einzelwettkämpfen waren wir sehr enttäuscht, deshalb hatten wir uns nochmal viel vorgenommen. Das hat geklappt“, erklärte Fischer, die ihrer Mutter und Trainerin Margit erleichtert um den Hals fiel. „Es ist ein wunderschönes Gefühl“, sagte Fischer.

          Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm lobte nach dem 6:3 gegen die Vereinigten Staaten sein Team - und sich selbst. „Nach dem schwachen Spiel gegen Italien haben die Jungs große Moral gezeigt. Vor allem unser
          Torhüter Alexander Tchigir war überirdisch“, sagte Stamm und fügte mit Blick auf gelungene taktische Umstellungen schmunzelnd hinzu: „Auch der Trainer war Weltklasse.“ Im Viertelfinale am Mittwoch (13.
          00 Uhr MESZ) wartet in Olympiasieger Ungarn aber ein scheinbar übermächtiger Gegner.

          Vier Fragen an DSV-Sportdirektor Örjan Madsen:

          Was läuft bisher falsch bei den deutschen Schwimmern in Melbourne?

          Ich muss realistisch sagen, dass die Erwartungen an den beiden ersten Tagen nicht erfüllt wurden. Das war mittelmäßig. Ich denke, dass wir nicht das gezeigt haben, was wir drauf haben.

          Worin sehen Sie die Ursache?

          Sie schwimmen zu langsam. Sie schwimmen langsamer, als wir es erwartet haben. Wenn alle sagen, dass sie gut drauf und gut vorbereitet sind und es trotzdem nicht läuft, dann muss man anfangen nachzuschauen. Aber voreilige Schlüsse will ich nach zwei Tagen nicht ziehen. Aber bei einigen sieht es so aus, als ob sie Sand im Getriebehaben.“

          Wie könnte der Knoten platzen?

          Ich weiß ja, was sie trainiert haben. Es kann gut werden, wenn sie frei sind im Kopf und sich nicht verstecken. Aber es gibt keine Begründung, die für alle gilt.

          Was können Sie jetzt tun?
          Darauf hinwirken, dass wir jedes Rennen abhaken und uns neu fokussieren.

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