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WM-Bilanz : Deutschland schwimmt hinterher

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Wassermann Bild: AP

Der Leistungsschub im Schwimmen hat sich auch nach Olympia in einem beängstigenden Tempo fortgesetzt - allerdings ohne deutsches Zutun. Aus nationaler Sicht war es die schlechteste WM seit der Wiedervereinigung. Bilanz mit Bildergalerie.

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          Die Kanadier haben in Montreal fast perfekte Schwimm-Weltmeisterschaften auf die Beine gestellt. Der Amerikaner Michael Phelps hat die Aura des Außerirdischen verloren. Und der Leistungsschub im Schwimmen hat sich auch nach Olympia in einem beängstigenden Tempo fortgesetzt - allerdings ohne deutsches Zutun. Das sind die drei wichtigsten Botschaften dieser Weltmeisterschaften, die am Sonntag zu Ende gegangen sind. (Siehe auch: Sonderseite: Schwimm-WM 2005)

          Die Stadt am St.-Lorenz-Strom war ein guter, ja charmanter Gastgeber. Die Einheit des Ortes - alle Wettkämpfe fanden auf der Insel St. Helene statt - verlieh der WM eine ungewohnte Dichte. Was fehlte, waren die Zuschauer. Gerade bei den Schwimm-Wettkämpfen blieb die Kundschaft aus, was spürbar auf die Stimmung schlug. Die Veranstalter haben sich verkalkuliert. Schuld daran ist letztlich der Internationale Schwimm-Verband. Er läßt zu, daß die WM-Bewerber mit ihren Budgets wuchern und sich übernehmen. Weil die Ausgaben unanständige Dimensionen erreichen, werden die Preise für Eintrittskarten viel zu hoch angesetzt. Aber es geht hier um Schwimmen; nicht um Fußball oder die Formel 1. Montreal, soviel ist gewiß, wird auf einem Berg Schulden sitzenbleiben.

          Phelps lernte das Verlieren

          Auch Michael Phelps, die Königsfigur des Schwimmens in den vergangenen zwei Jahren, hatte in Kanada nur eine begrenzte Anziehungskraft. Und selbst in seinem Element, dem Wasser, blieb nicht mehr viel übrig von seinem Mythos. Anders als noch vor zwei Jahren in Barcelona, wo der damals 18 Jahre alte Amerikaner wie eine Erscheinung gefeiert wurde, waren es dieses Mal keine Phelps-Spiele; es war ein Fest der Schwimmer. Phelps ist wohl noch immer der beste unter ihnen. Aber für viele ist es ein beruhigendes Gefühl, daß er in Montreal das Verlieren lernen mußte.

          Wassermann Bilderstrecke
          WM-Bilanz : Deutschland schwimmt hinterher

          So waren für die Weltrekorde dieses Mal andere zuständig. Es gab neun neue Bestzeiten. Die rasante Entwicklung des Schwimmens macht keine Pause. Für die Deutschen ist das eine schlechte Nachricht. Denn sie sind dabei, den Anschluß zu verlieren. Ihr sportlicher Ertrag - sechs Medaillen, darunter ein goldene - läßt die Leistungsstärke der Athleten in einem besseren Licht erscheinen, als sie ist. Es waren die "Alten", die die Bilanz gerettet haben: Mark Warnecke, 35 Jahre alt, und Antje Buschschulte, die in diesem Jahr 27 wird. Warnecke wird bei den Planungen für die nächsten Olympischen Spiele in Peking keine Rolle mehr spielen. Antje Buschschulte will sich dagegen auf den langen Weg machen. Ob sie mit 30 noch so schnell schwimmen kann wie jetzt, ist freilich ungewiß. (siehe auch: Schwimm-WM: Aber niemand im Verband sieht Anlaß zum Alarm)

          Mängel bei Einstellung und Trainingszustand

          Dem Verband steht eine Zeitenwende bevor. Er muß aufpassen, daß er nicht noch stärker in den Abwärtssog gerät. Denn was die jungen Schwimmer in Kanada gezeigt haben, taugt nicht als Versprechen für morgen. Helge Meeuw, Marco di Carli und Paul Biedermann, drei der größten Hoffnungen des DSV, sind bei der WM hinterhergeschwommen; nicht nur der Konkurrenz, sondern auch ihren eigenen Bestzeiten. Über die Ursachen für diese Schwäche kann man nur spekulieren. Eine entschlossene Kehrtwende, eine mutige Reform, wie man sie nach dem enttäuschenden Abschneiden in Athen erwartet hat, ist bislang jedenfalls ausgeblieben.

          Zudem gibt es Hinweise, daß die Einstellung und der Trainingszustand mancher Schwimmer nicht so sind, wie sie sein sollten. Wird zuviel gefördert und zuwenig gefordert? Es gibt viel zu tun bis zu den Spielen in Peking 2008. Denn eines Tages soll ein deutscher Schwimmer wieder eine olympische Goldmedaille gewinnen. Die bislang letzte stammt von Dagmar Hase - und das ist 13 Jahre her.

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