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Wladimir Klitschko : Der Vorkampf

  • -Aktualisiert am

Größer und stärker: Wladimir Klitschko gilt gegen Bryant Jennings als klarer Favorit Bild: Reuters

Wladimir Klitschko kämpft im Madison Square Garden (ab 5 Uhr MESZ) - und das Interesse bleibt dünn. Das hängt vor allem mit seinem namenlosen Gegner zusammen. Und mit der Show, die Las Vegas in acht Tagen bietet.

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          Als die Schauspielerin Hayden Panettiere am Mittwochmorgen in New York endlich im richtigen Fernsehstudio und vor den richtigen Fernsehkameras saß, war sie froh. Sie hatte sich verirrt. Dabei war die Hauptdarstellerin der TV-Serie „Nashville“ extra nach New York gekommen, um einem interessierten Millionenpublikum in ganz Amerika zu erklären, warum ihr Lebensgefährte mit 39 Jahren ein so viel besserer Boxer als in jüngeren Jahren ist: „Dass er jetzt Vater ist, hat ihn noch aggressiver und noch gefährlicher gemacht“, sagte sie über Wladimir Klitschko.

          Die beiden leben zusammen in Florida und haben seit Ende 2014 eine gemeinsame Tochter. Der Moderator fand den Impuls einleuchtend: „Er kämpft jetzt für etwas, nicht für sich selbst“, sagte Michael Strahan, der sich einst bei den New York Giants in der National Football League als zupackender Verteidiger einen Namen gemacht hatte und schon mehrfach verheiratet war.

          Rückkehr nach sieben Jahren

          Um was es sich bei diesem „etwas“ handeln könnte, wurde in dem Interview dann doch nicht verbindlich geklärt. Zumal Klitschko selbst, der in der Nacht zum Sonntag (ab 5 Uhr MESZ/ live in RTL) als Zugnummer einer Boxveranstaltung den riesigen Madison Square Garden füllen soll, nicht anwesend war. Es ist ein schwieriges Unterfangen, das aus eigener Kraft hinzubekommen - in dem gespreizten Bemühen, eine flauschige Beziehung zu New York und seiner Boxtradition herzustellen. Der Slogan für die Werbeplakate könnte nicht harmloser klingen: „The Champion Returns“. Denn zum letzten Mal stand dieser Champion 2008 an gleicher Stelle im Ring.

          Gewiss, sie reden und schreiben über Klitschko. Im Fernsehen und in den Zeitungen. So kurz vor dem mit Spannung erwarteten und auf einen Umsatz von 300 Millionen Dollar taxierten Kampf zwischen den beiden Weltergewichtlern Floyd Mayweather und Manny Pacquaio hat Profiboxen schließlich wieder viele hellhörig gemacht. Dass mehr Leute über den langersehnten Showdown der leichten Männer am 2. Mai in Las Vegas reden, stört den Ukrainer nicht. Im Gegenteil. Klitschko spielte im Vorfeld bewusst auf den Giganten-Gipfel an - ohne jedoch seine eigene Rolle dabei zu vergessen. „Es ist großartig, dass beide Kämpfe innerhalb einer Woche stattfinden. Das wird junge Leute anspornen, anstatt Blödsinn zu machen, in ein Box-Gym zu gehen, um zu versuchen, der nächste Floyd, Manny, Klitschko oder Jennings zu werden.“

          Unbekannter Gegner

          Seinem Kampf fehlt es an Glitzer. Die „New York Times“ versucht so Interesse bei den Lesern zu wecken: „Wladimir Klitschko sucht Anerkennung für sich selbst und die Ukraine.“ Doch kaum jemand kann mit seinem Gegner Bryant Jennings etwas anfangen. Die Kampfbilanz des 30-Jährigen aus Philadelphia mit 19 Siegen in 19 Kämpfen ist nicht wirklich beeindruckend. Jedenfalls nicht im Vergleich zu der von Klitschko (63:3). Seinen ersten Weltmeisterschaftsgürtel gewann der 39-jährige Ukrainer vor fünfzehn Jahren. Selbst vor elf Jahren, als Klitschko zum letzten Mal einen Kampf verlor - gegen den Amerikaner Lamon Brewster - wusste der Herausforderer Jennings so gut wie nichts über die Sportart und eines seiner Aushängeschilder: „Ich hatte keine Ahnung, wer er war.“

          Jennings war in einem wirtschaftlich angeschlagenen Viertel aufgewachsen, lebte allein und arbeitete für eine Firma, die Verwaltungs- und Bürogebäude reinigt und instand hält. Er war gut in diesem Metier. „Wir hatten acht Stunden Zeit für den Job in einem Gebäude. Ich war mit meiner Arbeit in anderthalb Stunden fertig.“

          Kampf gegen Bryant Jennings : Wladimir Klitschko will seine 27. Titelverteidigung

          Erst 2009 geriet er in einem Gym in Philadelphia in die Fänge von Trainer Fred Jenkins („Ich habe sein Talent gesehen, ehe er das überhaupt kapiert hat“). Und so begann - im Alter von 25 Jahren - eine neue Karriere. Finanziell lohnt sich der Kampf im Madison Square Garden für den Außenseiter. Nicht zu reden von dem Maß an Selbstbestätigung, das ein solcher Kampf mit sich bringt. So witzelte Jennings vor ein paar Tagen: „Ich mache vielleicht ein Selfie vor der Halle.“ Dort, wo die riesige Werbung hängt, mit der man auf den Weltmeisterschaftskampf um die Gürtel von gleich drei Verbänden, WBA, WBO und IBF, um Aufmerksamkeit buhlt. Er sagt: „Ich musste viele Hindernisse aus dem Weg räumen. Es ist schon eine Leistung, dass ich es dort überhaupt rausgeschafft habe und jetzt hier bin.“

          Chancenlos bei den Buchmachern

          Auf ein Publikum, das sich für die Sportart interessiert, wirkt Jennings, der gut und gerne Linebacker im Profi-Football hätte werden können, nur in Maßen reizvoll. Er ist ein Typ, den man einigermaßen glaubwürdig anpreisen kann als den „besten puren Athleten, dem Klitschko in seiner gesamten Karriere gegenüberstand“. So verkauft Boxpromoter Gary Shaw seinen Kämpfer, nachdem er vor ein paar Monaten eine vielversprechende, aber kurze Ehe mit dem Boxstall des berühmten New Yorker Rappers Jay-Z aufkündigte.

          Schlagkräftige Überzeugungsarbeit: Klitschko in der Vorbereitung auf seinen Kampf
          Schlagkräftige Überzeugungsarbeit: Klitschko in der Vorbereitung auf seinen Kampf : Bild: dpa

          Aber wer glaubt, dass ausgerechnet dieser Schwergewichtler das Zeug dazu haben sollte, den zehn Zentimeter größeren und erfahreneren Klitschko aus Amt und Würden zu jagen, braucht schon sehr viel Einbildungskraft. Jennings scheint sie zu haben: „Mein Vorteil ist Jugend. Ist Schnelligkeit.“ Die Buchmacher in Las Vegas sind da ganz anderer Meinung. Auf die wirkt der Herausforderer schlichtweg chancenlos.

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