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Kampf gegen Joshua : Klitschkos letzte Chance

Klitschko, mittlerweile 41 Jahre alt, geht nicht als Weltmeister in den Ring, sondern als Herausforderer. Bild: dpa

Nach der Niederlage gegen Brewster ist Klitschko als „Dead man walking“ verspottet worden – nun kehrt er als Herausforderer von Anthony Joshua in den Ring zurück. Dabei wird es jedoch einige Unterschiede geben.

          Es ist ein typischer Klitschko-Kampf. Ein großes Spektakel, eine gewaltige Inszenierung, eine bunte Verpackung. Nur einige kleine Unterschiede gibt es an diesem Samstag. Wladimir Klitschko hat nicht, wie so gern, ein Heimspiel in Deutschland, der Kampf ist keine Produktion seines Haussenders RTL, sondern ein Auswärtsfight gegen den Briten Anthony Joshua im Londoner Wembley-Stadion vor 90.000 Zuschauern. Mehr Auswärtsspiel geht nicht. Und, auch das ist neu und ungewohnt: Klitschko, mittlerweile 41 Jahre alt, geht nicht als Weltmeister in den Ring, sondern als Herausforderer. Als Verlierer seines letzten Kampfes, was so gar nicht zu seinen Ansprüchen passt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Der Ukrainer mit geschäftlichen und privaten Niederlassungen in Deutschland und den Vereinigten Staaten hatte bei den Profis im Jahr 2000 seinen ersten WM-Gürtel nach Version des Verbandes WBO gewonnen, ihn ein paarmal verteidigt, verlor ihn dann aber 2003 in Hannover überraschend durch technischen Knock-out in der zweiten Runde gegen den als zweitklassig eingeschätzten, damals 37 Jahre alten Südafrikaner Corrie Sanders. 2006 holte sich Klitschko die Titel der Verbände WBO und IBF, später auch jenen der ebenfalls renommierten WBA.

          Wladimir Klitschko beim Training in Österreich. Bilderstrecke

          Geschlagene neun Jahre dauerte seine WM-Regentschaft, neun bleierne Jahre für das Schwergewicht – bis ihm im November 2015 der Brite Tyson Fury in Düsseldorf alle Titel abnahm. Auch dies war eine Überraschung – und passte so gar nicht in Klitschkos Selbstbild. Neun Jahre auf dem Thron, da geht man nicht gern als Loser nach Hause, deshalb ist nun der Ehrgeiz groß, mit 41 Jahren und nach 16 Monaten Pause, noch einmal eine große Geschichte zu schreiben und sich die Titel zurückzuholen.

          Bei seiner Niederlage 2004 gegen Lamon Brewster wurde Klitschko als „Dead man walking“ verspottet – diesen Titel will er sich diesmal ersparen. Viel lieber würde er als eine der Legenden des Boxsports für immer aus dem Ring steigen. Doch trotz seiner neun Jahre als Champion wird kein Boxfan auf die Idee kommen, ihn in einem Atemzug mit Kämpfern wie Muhammad Ali, Joe Frazier, Mike Tyson oder George Foreman zu nennen. Dafür war und ist sein Kampfstil zu behäbig, zu unattraktiv, zu langweilig. Dass viele seiner Gegner in diesen neun Jahren mehr an Kirmesboxer erinnerten denn an große Fighter, dafür kann er nichts.

          Klitschko ist in einer Zeit groß geworden, in der das Schwergewichtsboxen seine Klasse und Faszination verloren hat. Seine Titel hat er gegen Fury verloren, der heute nur noch gegen Depressionen kämpft und auch kein Gigant war, aber wenigstens von Körpergröße und Gewicht in einer Liga spielte, was man nicht von jedem Klitschko-Gegner behaupten konnte. Jetzt also Joshua. 1,98 Meter groß auch er, 14 Jahre jünger, seit 2013 Profi, unerfahren, aber schlagstark: 18 Knock-outs in 18 Kämpfen. Ein Gegner vermutlich auf Augenhöhe. Einer, den Klitschko schlagen muss. Verliert er, war Wembley seine letzte große Bühne.

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