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Wintersport : Alles im grünen Bereich

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Ein Häuflein Hoffnung auf dem Chuenisbergli in Adelboden Bild: AP

Problematisch war der Frühwinter für die Wintersportler schon immer. Meist mußte Kunstschnee aus der Kanone den Athleten als weiße Unterlage dienen. Doch in diesem Jahr ist es selbst für die künstlichen Flocken zu warm.

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          Coesfeld, das wäre vor einem Jahr ein Mekka für Wintersportler gewesen. Und das in Westfalen! Schnee, Schnee, Schnee. So viel Schnee, daß Hausdächer und Strommasten die Last nicht tragen konnten. Aber für Langläufer und Biathleten ideale Bedingungen - wenn auch den Skispringern dort eine Schanze und den Alpinen die steilen Hänge fehlten. Und jetzt? Nicht nur ums ländliche Coesfeld herum braune Äcker. Auch dort, wo die Wintersportler außerhalb der Hallen eigentlich zu Hause sind: trübe Aussichten.

          Wer sich das allmorgendliche Wetterpanorama im Bayerischen Fernsehen oder auf 3Sat anschaut, könnte trübsinnig werden: Grün, Braun, Grau. Wenn es die besondere Qualität von Farbfernsehern sein soll, uns die Trostlosigkeit kunterbunt auszumalen, dann wünscht sich der Wintersportler in schwarzweiße Zeiten zurück: viel Schneeweiß und im Kontrast dazu dunkle Baumstämme und Häuserfronten. Aber was noch nicht ist, scheint auch vorläufig nicht zu werden.

          Kunstschnee inmitten einer braunen Landschaft

          Problematisch war der Frühwinter besonders für die Alpinen schon immer. „Criterium de la premiere neige“ - mit dem Slogan „Wettbewerb des ersten Schnees“ wirbt beispielsweise Val d'Isere traditionell für die erste Veranstaltung im Europa nach der Rückkehr der Skirennfahrer aus Nordamerika. Das Motto war immer gewagt, im Grunde kamen die Rennen stets zu früh, um dem Slogan recht zu geben. So hat es in Val d'Isere alle möglichen Szenarien gegeben: ein weißes Kunstschneeband inmitten einer braunen Landschaft ebenso wie tiefverschneite Hänge, aber auch Dauerregen, der bestens präparierte Pisten nach und nach zerstörte.

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          Diesmal ist das Männerrennen schon abgesagt, auch das Damenrennen (16./17. Dezember) wackelt, weil es nicht einmal kalt genug ist, um Kunstschnee zu produzieren. Fast wie ein Hohn klingen da die Meldungen aus Nordamerika. In Beaver Creek fiel das erste Abfahrtstraining aus, weil zuviel Neuschnee gefallen war, in Lake Louise mußten die Abfahrerinnen bei eisigen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad den Berg herunterschwingen. Daß dieser Winter möglicherweise ungewöhnlich würde, hatte sich im Sommer angedeutet. Weil sie nirgendwo Trainingsmöglichkeiten fanden, zog es die deutschen Slalom-Asse gleich in die Wüste: zu einem Lehrgang in die Skihalle von Dubai.

          Versicherung springt ein

          Sterben die alpinen Skirennen in Deutschland aus? Früher, da gab es noch Abfahrten in Pfronten, Schleching, Todtnau. Inzwischen ist für die schnellen Disziplinen der Herren nur noch Garmisch übriggeblieben. Dazu kommt in Ofterschwang und Zwiesel mal hie und da ein Slalom oder Riesenslalom der Damen. Doch in diesem Trend sieht Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV), keine grundsätzliche Talfahrt. Der Klimawandel und steigende Temperaturen schränkten den Rennkalender bislang noch nicht entscheidend ein: „Wir hatten in der Vergangenheit sowohl sehr gute als auch weniger gute Winter - und dementsprechend mehr oder weniger Probleme, unsere Veranstaltungen umzusetzen.“ Absagen bedeuteten für Marketing und Finanzierung des DSV keine Einbußen: „Die Veranstalter versichern sich gegen solche Ausfälle.“

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