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Winterspiele 2018 : Olympia braucht München

Eine Stadt mit gelebter Sportlichkeit: München hätte 2018 die Olympischen Spiele verdient Bild: dapd

Vielleicht ist ja Zeit, mal nicht das Geld, sondern das Gefühl zu fragen. Die Stadt hat eine Tradition von gelebter Sportlichkeit, die den kommerzialisierten Spielen gut täte. München braucht Olympia nicht. Olympia braucht München.

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          Am Mittwoch kommt es zu einem ungleichen Duell. Es werden die Olympischen Winterspiele 2018 vergeben: entweder an eine Stadt, die alle Welt kennt; oder an eine, die Olympia braucht, um sich bekannt zu machen. Dennoch gilt nicht München, sondern Pyeongchang als Favorit. Weil Südkorea schon zweimal knapp scheiterte, weil große Konzerne mit viel Geld dahinter stehen; und weil Ostasien wirtschaftlich vor Kraft strotzt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Aber vielleicht ist ja Zeit, mal nicht das Geld, sondern das Gefühl zu fragen. Gerade bei Winterspielen gibt es Olympiaorte, die nur eine Ansammlung von Sportanlagen sind. Besser gesagt: eine Auslagerung. So wie man ein Gewerbegebiet plant, weit draußen, mit guter Verkehrsanbindung, aber nach Feierabend leblos. München ist völlig anders, es hat viel mehr zu bieten. Dazu braucht man als Beweis nicht einmal die Erinnerung an die Sommerspiele von 1972. Die Sportlichkeit der Stadt reicht viel weiter zurück, sie prägt seit Generationen die Gewohnheiten gebürtiger Münchner und ganz schnell auch die der Zugezogenen.

          München, das ist seit hundert Jahren die Metropole gelebter Sportlichkeit. Sie hatte schon früh jenes aktive Lebensgefühl, das Magazin– und Marketing-Leute erst viel später als „Lifestyle“ verkauften. Und einen Bewegungsdrang, der hier längst dazu gehörte, bevor er als Trend mit dem Etikett „Outdoor“ vermarktet wurde. An schönen Wochenenden gibt es kein Halten, dann wird der Münchner zum Nomaden. In Karawanen zieht er hinaus, in Radsätteln und Wanderschuhen, in Zug und Auto, auf Berg, Alm und Piste, zum Klettern, Wandern, Biken, Boarden, Paddeln, Plantschen. Die Seen und Berge Oberbayerns werden dann zum größten Sportplatz Deutschlands.

          Auch in der Stadt selbst ist der Bewegungsdrang sichtbar, etwa auf den Spielwiesen des Englischen Gartens. Am Rande des Parks sind die Surfer auf der Eisbach-Welle zur Touristenattraktion geworden. Nirgendwo sonst kann ein Besucher im Zentrum einer Weltstadt beim Wellenreiten zuschauen. Oder Fotos von Typen in Badekleidung schießen, die sich auf dem Fahrrad, Surfbrett unter Arm, durch den Verkehr schlängeln. Die Stadt unterstützt die Surfer inzwischen, sie passen zum begehrten Image einer reichen, aber jung und unkonventionell gebliebenen Metropole. Ein anderer boomender Natur-Sport, für den man nicht hinaus muss aus der Stadt, ist das Klettern. Nirgendwo gibt es so viele künstliche Wände und Kraxel-Hallen wie in München, laut Alpenverein die „Kletterhauptstadt der Welt“.

          Für das Klettern muss man nicht hinaus aus der Stadt

          Nicht alle haben es so gut wie Wellenreiter und Wandbezwinger: Deren Sportplatz kann nicht einfach zubetoniert und bebaut werden. Die hohen Grundstückspreise in München machen Spielflächen für Sportarten, die viel Platz brauchen, zum kostbaren Gut. Viele Sporthallen werden wegen der zunehmenden Ausdehnung der Unterrichtszeiten nun oft bis in den späten Nachmittag durch die Schulen blockiert – womit die Nutzungszeiten für Sportvereine schrumpfen.

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