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Windsurfer Philip Köster : Hinterm Horizont geht’s weiter

  • -Aktualisiert am

Am liebsten alleine mit Wind und Wellen: Philip Köster Bild: dpa

Wie alle Könner des Windsurfens ist Philip Köster Individualist. Wassergefühl ist ihm wichtiger als Image. Trotz seiner Verletzung hat er nichts verlernt und könnte nun einen großen Erfolg einfahren.

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          Das Bett im ziemlich kleinen Apartment ist zu kurz, das W-Lan fehlt, aber Philip Köster lacht: „Meine Füße gucken hinten raus.“ Kaum vorstellbar, dass einem Weltmeister einer anderen Sportart diese Unterkunft angeboten würde. Doch der Windsurfer Köster regt sich nicht auf. Tut er ohnehin selten. Er weiß, dass sein Vater Rolf das regeln wird, so, wie sich Mama Linda um die Finanzen kümmert. Im Alter von 17 Jahren war Köster Weltmeister im Wellenreiten, an diesem Dienstag könnte es wieder so weit sein, zum vierten Mal dann. Für Sylt, den letzten Weltcup-Stopp des Jahres, wäre das eine große Sache. Weil Kösters Story dieses Jahr so gut ist.

          Er hat sich in den vergangenen sechs Jahren kaum unverändert. Der Rummel ist ihm gleich, egal was über ihn geschrieben wird. Köster wollte schon als Teenager am liebsten nur surfen. Daran hat sich wenig geändert. Es gab Medientrainings, um ihm mehr Schärfe, mehr Prägnanz zu geben. Köster hat mitgemacht – und ist er selbst geblieben. Es galt, das sportliche Niveau zu verbessern, irgendwann den Triple-Loop und Dreifach-Salto zu stehen. Doch im September 2016 riss ihm in Australien bei einem Sechs-Meter-Sturz aufs Wasser das Kreuzband im rechten Knie. Operation in Hamburg, Reha auf Teneriffa bei Rafael Nadals Physiotherapeuten.

          Köster ist immer zuversichtlich, keiner, dessen Horizont sich ständig verdüstert. Ein paar Gedanken, wie es weitergehen würde ohne Surfen. „Muss ich jetzt wieder zur Schule gehen?“, sagte er sich, und als nach sechs Wochen die Bewegungsunfähigkeit endete, genoss er die Zeit zu Hause bei den Eltern auf Gran Canaria. „Ich habe das Surfen während der Reha nicht vermisst“, sagt Köster, „aber als sich mein Knie wieder besser anfühlte, wollte ich zurück aufs Wasser.“ Keiner im Weltcupzirkus hat ein besseres Wassergefühl als er. Kein Wunder: Er ist in der Bucht von Vargas aufgewachsen.

          Philip Köster ist wie alle Könner des Windsurfens ein ausgeprägter Individualist. Er ist nicht der Botschafter des Surfens oder die Figur, die eine ganze Sportart antreibt. Dafür fehlt es ihm an Charisma. Köster wollte das auch nie sein. Aber: Wenn sich in Deutschland überhaupt jemand für das Windsurfen im Weltcupformat interessiert, dann liegt es an Köster und seinem Talent. Sponsor VW ist ihm natürlich treu geblieben. Wer mit ihm über seinen Unfall redet, spürt nur in Nebensätzen oder Zwischentönen, dass er sich selbst gar nicht als Sonnyboy dieser ewigen Trendsportart sieht. „Ich war fünf, sechs Monate raus, was kurz war für eine solche Verletzung.“

          Er will verdeutlichen, wie schwer es war, jeden Tag sechs, sieben Stunden lang zu arbeiten, um das Knie zu mobilisieren. Gemeinsam mit seiner slowenischen Freundin Manca Notar probierte er Stand-up-Paddling als Reha, kam über Schwimmen, Wassertraining und Radfahren in Form. Köster hasst Ausdauersport. Das muss man wissen. Er hat geschuftet für seine Rückkehr.

          Wer sich nun die Clips seiner diesjährigen Wettkämpfe auf Gran Canaria und Teneriffa anschaut, erlebt eine grandiose Mischung aus Sprüngen und Wellenritten. Köster gewann. Er hat nichts verlernt. Er spielte mit den Gegnern. Insider sagen, er sei noch besser in der Welle geworden. „Ich habe da ein paar Neuerungen eingebaut“, sagt Köster. Der bis zu zwölf Meter hohe Triple Loop fällt aber bis auf weiteres aus.

          Zu seinem großen Rivalen Victor Fernandez aus Spanien kann er im Wasser eine Rivalität aufbauen, die man beim Gespräch auf dem Sofa nicht erahnt. Köster ist der klassische Sportler, der eine Metamorphose durchläuft, wenn er sich umzieht und an den Start geht. Die See ist ruhig an diesem Nachmittag, und Philip Köster plaudert draußen mit Spaziergängern, lässt sich fotografieren. Er ist gerne hier auf Sylt. Im nächsten Jahr soll der Weltcup wieder wachsen. Sieben Stopps. Darauf freut er sich. „Es ist wichtig, dass wir uns den Sponsoren, Fans und Ausrüstern zeigen können“, sagt Köster. „Und für mich ist die Vermarktung als Weltmeister definitiv leichter.“ Als einziger deutscher Surf-Profi geht es ja schließlich auch darum.

          Materialismus ist ihm nicht wichtig, Material schon: Köster weiß, worauf es ihm ankommt.

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